Spielbesprechung
Angesichts von Börsenkursen, die sich im
freien Fall befinden, Gewinnwarnungen und all den anderen
Schreckensvokabeln, die der Hobby-Spekulant heute wohl oder
übel im Munde führt, kommt ein Wirtschaftsspiel wie
"Big Deal" gerade recht. Das Spiel lässt den frustrierten
Kleinaktionär hoffen, die aufgestauten Frustrationen
abbauen und es den völlig überbezahlten
Wirtschaftsbossen zeigen zu können, wie man denn richtig
ein Unternehmen führt.
Es geht also darum, Aktien zu kaufen, Konzerne zu gründen, diese mit Ressourcen zu versorgen, sich andere Konzerne unter den Nagel zu reißen und dann die eigenen Konzerne wieder "in die Freizeit zu entlassen" - oder wie hieß das noch, wenn man ein Unternehmen möglichst gewinnbringend wieder verscheuert? Und wer am Ende am meisten Geld hat, der hat gewonnen - wer hätte das gedacht.
Das wesentliche Spielelement bei "Big Deal" sind Spielkarten, die für Aktien von - je nach Spielerzahl - acht bis elf Unternehmen stehen. Von jedem Unternehmen sind jeweils gleich viele Aktien im Spiel, wie viele entscheidet auch die Spielerzahl. Die Aktien unterschiedlicher Unternehmen haben unterschiedliche Werte (von 150 bis 350 Millionen $ - man rechnet eben immer nur in Millionen, also doch nichts für Kleinaktionäre), und die Unternehmen stoßen im Betrieb auch unterschiedlich hohe Dividenden aus. Die Unternehmen benötigen, um zum Laufen zu kommen, jeweils unterschiedliche Zahlen und Zusammensetzungen der insgesamt vier Ressourcen, die im Spiel sind.

Der Spielzug: Zunächst einmal wird eine Karte gezogen, dann wird das Einkommen aus den vor dem Spieler liegenden Konzernen ermittelt - für jeden Konzern die aufgedruckte Dividende, unabhängig von der Zahl der ausliegenden Aktienkarten.
Und dann sind wir bei den frei wählbaren Zugmöglichkeiten:
Wenn man am Schluss des Zuges nur noch maximal fünf Karten auf der Hand hat, kommt der nächste dran.
Das Spiel endet sofort, wenn aus dem Zugstapel die siebte eingemischte "Game Over"-Karte gezogen wurde. Ist dieser Zeitpunkt nahe, beginnt das große Konzerne-Sterben. Denn in der Endabrechnung bringt jede Aktienkarte nur noch 150 Mio's, während besagtermaßen beim Auflösen eines Konzern die Aktie den Nominalwert plus 50 Mio's in der Kasse klingeln lässt. Dann kann man auch gewinnbringend überzählige Ressourcen verkaufen, die ja um so wertvoller sind, je mehr sich noch im Spiel befinden - in der Endabrechnung bringen die Ressourcen allerdings auch nur die Standard-150 Mio's. Wer schließlich nach der ganzen Abrechnerei die meisten Dollars auf der Hand hat gewinnt.
"Big Deal" weist eine Reihe netter Ideen auf und ist vom Spielmaterial gut durchdacht. Nichtsdestotrotz spielt sich das Spiel aber etwas zäh und wird lange davon getragen, mit dem bescheidenen Startkapital erst mal die nötigen Aktien und Ressourcen für die Gründung eines Konzerns zusammen bringen zu müssen. Und auch während der Spiels reichen die Einnahmen kaum aus, die inzwischen stark angestiegenen Ressourcenkosten zu decken.
Und auch wenn es in der New Economy en vogue scheint, nach kurzer Zeit sein eigenes Unternehmen fachgerecht zu filitieren, um mit vollen Taschen an den neu generierten Arbeitslosen vorbeizustolzieren, stört mich im Spiel diese mangelnde Kontinuität schon. Ich halte es für ausprobierenswert, die Aktien für einen Konzern zu Spielende hin aufzuwerten, und zwar um so mehr, je länger der Konzern kontinuierlich bei einem Spieler verblieben ist. Dies wäre zumindest eine nettere Alternative zum Massensterben der Unternehmen, das am Schluss des Spiels die Volkswirtschaft ohne "-wirtschaft" stehen lässt. Dies würde auch den Glücks- bzw. Pechfaktor verringern, wenn man nicht schnell genug begonnen hat, sich von liebgewonnenen Unternehmen zum Spielende hin zu verabschieden.
Insgesamt kann man mit "Big Deal" einen netten Spieleabend verbringen, aber mit Begeisterungsstürmen habe ich zumindest den Spieltisch nicht verlassen.
Big Deal von Gal Zuckerman, Tzvika Harpaz, Roy Wagner, Yoel Rotem, Grafik: Franz Vohwinkel, 2-6 Spieler, Spieldauer ca. 2 Stunden, Amigo (2001), Preis ca. 50 DM
Arne Clausen