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Spielbesprechung

Edel, Stein & Reich

Her mit den Plastik-Klunkern!
 

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CoverAlea entführt uns mit "Edel, Stein & Reich" in die Welt der Edelsteinschleifer und -händler. Als Chefs des gleichnamigen Handelshauses versuchen die Spieler, sich möglichst viele bunte (Plastik-) Klunker so unter den Nagel zu reißen, dass die Mitspieler leer ausgehen.

Zunächst zum groben Ablauf: "Edel, Stein & Reich" wird in drei Durchgängen gespielt, und am Ende jedes Durchgangs werden Punkte an die Spieler verteilt, die von jeder der vier Klunkersorten die meisten Steine ergattern konnten. Jeder der Durchgänge ist, je nach Spielerzahl, in unterschiedlich viele Runden eingeteilt - je mehr Spieler, desto weniger Runden.

In jeder Runde haben die Spieler die Auswahl zwischen drei (bei fünf Spielern zwischen vier) verschiedenen Aktionsmöglichkeiten. Geld nehmen, oder offen liegende Ereigniskarte, oder Edelsteine (und hat bei Fünfen noch die "Freie Wahl" zur Wahl). Welche dieser Aktionsmöglichkeiten - für die sich jeder Spieler zu Beginn jeder Runde gleichzeitig und geheim entscheidet - man wählt, hängt entscheidend von der "Edelsteinkarte" ab, die zu Beginn jeder Runde vor jeden Spieler neu gelegt wird. Sie gibt zum einen die Menge an Geld (und damit Siegpunkten) an, die man sich im Fall der ersten Aktionsmöglichkeit nehmen kann, oder eine Kombination von Edelsteinen im Falle der dritten Aktion. Und was die Ereigniskarte bringt, das kann jeder einsehen.

Klingt ja ziemlich langweilig und hängt nur davon ab, welche Edelsteinkarten mir das Glück auf den Tisch produziert? Nicht ganz, denn - frei nach dem Motto, "es kann nur einen geben" - was passiert, wenn zwei oder mehr Spieler die gleiche Aktion gewählt haben? Waren es mehr als zwei, dann verfällt die Aktion für alle; Pech gehabt, zu gierig gewesen, ab auf die Strafbank!

Wenn genau zwei sich streiten, dann müssen sie handeln. Und das tun die "Edel, Stein & Reichs" mit Naturalien, sprich mit Edelsteinen. Der Spieler, der weniger der wertvollsten Klunker besitzt, macht ein aus einer beliebigen Anzahl Edelsteine bestehendes Angebot. Der andere Spieler kann das Angebot annehmen, bekommt die Klunker und überlässt dem Anbieter die umstrittene Aktion. Oder er erhöht das Angebot, indem er entweder mehr Steine dagegen bietet oder das Angebot bei gleicher Steinzahl mit wertvolleren Steinen attraktiver gestaltet. Gebot und Gegengebot können hin und her gehen, wobei ein Spieler nicht gezwungen ist, ein früheres Gebot wieder aufzunehmen.

Das Interessante am Bieten - und meiner Ansicht nach auch eines der beiden interessanten Momente im Spiel - ist es zu versuchen, solch ein Gebot zu finden, das für den Gegner möglichst attraktiv ist, ohne eigene punkteträchtige Ressourcen abzugeben - oder den Gegner zu solchen Gegengeboten zu treiben, die mir selbst mehr bringen, als es meine eigene Edelsteinkarte würde.
 

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Spielmaterial

Vielleicht noch ein Wort zu den Ereigniskarten: Diese können, wenn ergattert, entweder sofort zum Einsatz kommen, oder sie bringen bei der folgenden Abrechnung zusätzliche Punkte. Eine gute Ereigniskarte kann also manchmal wertvoller sein als ein ganzer Haufen Edelsteine. Manchmal macht es auch Sinn, für eine Ereigniskarte zu bieten, um sie nicht einzusetzen - wenn mit ihr unangenehme Konsequenzen verbunden wären; ein Beispiel: "Alle Spieler geben von jeder Edelsteinsorte die Hälfte ab". Verständlich, wenn der Spieler mit den meisten Steinen eine solche Karte nicht eingesetzt sehen möchte.

Und nun zu den Wertungen, die stets gleich ablaufen: Der Spieler mit den meisten Edelsteinen einer Sorte bekommt Geld ausgezahlt, alle anderen gehen leer aus. Haben mehrere Spieler die meisten Steine, dann teilen sie sich die Summe. Zum Ausgleich - der Spieler hat ja Edelsteine verkauft - gibt der Kassierende die Hälfte seiner gerade ausgezahlten Klunker ab. Dann haben in der nächsten Runde die anderen Spieler bei der Sorte eine bessere Chance. Zusätzlich zur Abrechnung der Mehrheit der Steine kommen auch noch Aktionskarten zum Tragen: Vielleicht gibt es weiteres Geld für Mehrheiten, oder man bekommt zusätzliche Kohle für bestimmte Edelsteinsorten, ohne dass man dafür die Mehrheit brauchen würde.

Nach drei Durchgängen gewinnt der Reichste, wer hätte das gedacht? Und, hat's Spaß gemacht, und wie viel Einfluss hat man auf das Ergebnis? Nach der ersten Partie bekommt man leicht den Eindruck, dass man nicht viel Einfluss hatte, und dass man die Aktionskarte auch zufällig hätte ziehen können. Erst allmählich bekommt man Übung, abzuschätzen und gewinnbringend auszunutzen, was der Gegner wohl machen will: Passen die Edelsteine der Mitspieler denen gut ins Konzept, so werden sie wahrscheinlich die Edelstein-Aktion nehmen; verspricht deren Edelsteinkarte viel Geld? Oder welche Auswirkungen wird die Ereigniskarte für sie haben? Entweder gilt es jetzt, Aktionen der Mitspieler zu verhindern, oder ich suche mir eine Aktion heraus, die mir wahrscheinlich nicht weggeschnappt wird.

Solche Überlegungen machen für mich den Reiz des Spiels aus, zusammen mit dem geschickten Handeln, wenn es zu Uneinigkeiten bei der Aktionsauswahl kommt. Schwieriger ist es zu entscheiden, für welche Spielerzahl das Spiel besonders zu empfehlen ist. Bei dreien hat man eine gute Chance, nach einigem Nachdenken das mit der Aktion zu bewirken, was man auch vorhatte. Bei vier Spieler kommt es auf jeden Fall zu Konflikten, während bei fünf Spielern durch die "Freie Wahl"-Aktionsmöglichkeit - die auch mehr Spieler nehmen können, ohne dass etwas ausgehandelt werden muss - man wieder mehr Chancen hat, seine Aktion durchzubekommen. Mir persönlich gefällt das Spiel zu dritt am besten.

Die Zwei-Personen-Variante, bei Alea im Internet unter www.aleaspiele.de abrufbar, macht das Ganze noch aggressiver, weil der jeweilige Mitspieler versuchen muss, dem anderen die Aktion durch möglichst gute Analyse von dessen Möglichkeiten kaputt zu machen. Wer's mag …

Und schließlich die Ausstattung: Nichts auszusetzen! Die Karten sind schön und funktional gestaltet, die Edelsteine aus Plastik sind zwar nicht mit echten Klunkern zu vergleichen, illustrieren das Thema aber stimmig. Nur das Geld ist durch kleine Pappchips repräsentiert, die sind pfriemelig und etwas unpraktisch. Eine "Kramerleiste" hätte es besser getan, aber die ist wegen der kleinen Alea-Packung wohl nicht in Betracht gekommen. Die Spielregel ist verständlich, wenn auch stellenweise etwas unübersichtlich und langatmig.

Insgesamt: Wer Interaktionen mit den Mitspielern mag, und wenn man bereit ist, einige Partien zu üben, dann kann ich "Edel, Stein & Reich" empfehlen. Manche Spielerunden erhalten damit sicherlich ein spielerisches Kleinod.

Arne Claussen

Edel Stein & Reich von Reinhard Staupe, Grafik: Oliver Freudenreich, 3-5 Spieler ab 9 Jahren (mit Zusatzregel ab 2 Spieler), Spieldauer ca. 45-75 Minuten, alea/Ravensburger (2003), Preis ca. 16 €

1998 war das Spiel in einer früheren Fassung unter dem Titel Basari bei F.X.Schmid als Brettspiel erschienen.

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Weitere Infos über "Edel, Stein & Reich":
despielbox.de deLuding enBoardgameGeek
deSpielefindex deGoogle
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Weitere Infos über "Basari":
despielbox.de deLuding enBoardgameGeek
deSpielefindex deGoogle
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Letzte Änderung: 16.04.2008 15:36 
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