Spielbeschreibung

Tikal

Tikal CoverSobald der große Spielplan aufgeschlagen ist, breitet sich die spielerische Atmosphäre über der verdeckt daliegenden Ruinenstadt der Mayas aus. Das dichte Blätterdach eines undurchdringlichen Urwaldes liegt vor uns. Schätze und Tempel der alten Maya-Kultur zu entdecken und freizulegen, ist die Aufgabe der Expeditionen, die soeben auf einer Lichtung am Urwaldrand auftauchen.

Jeder Expeditionsleiter hat eine kleine Tafel vor sich liegen, auf der ihm Piktogramme den Ablauf jeder Spielrunde und den Aktionspunkteverbrauch für bestimmte Maßnahmen erklären. Da sich doch meistens Experten an die Eroberung des Urwaldes begeben, beschreiben wir hier gleich, wie "Profis" auf der Schatzsuche vorgehen.

Wer an der Reihe ist, deckt adäquat zur Teilnehmerzahl Hexaplättchen vom Stapel auf (dieser wurde vor Spielbeginn nach einer Regelanweisung sortiert, gemischt und wieder zusammengefügt). In Versteigerungsrunden legen die Forscher fest, wer sich eines der aufgedeckten Plättchen aussuchen darf, der letzte der Runde erhält seines kostenlos. Der Meistbietende bewegt seinen Zählstein auf der Erfolgsleiste um sein Gebot zurück.

Mit jedem neu gelegten Plättchen lichtet sich das Blattwerk und die Teilnehmer dringen tiefer und tiefer in den Dschungel ein. 10 Aktionspunkte stehen jedem Expeditionsleiter nach dem Einsetzen eines Urwaldteiles zur Verfügung. Markierungen auf den angelegten Tafeln legen fest, wo der Urwald begehbar ist und wie schwierig und Aktionspunkte verschlingend die unterschiedlichen Übergänge sind. Um sein Team erfolgreich einsetzen zu können, sind diverse Möglichkeiten gegeneinander abzuwägen. Die oben erwähnten Übersichtstafeln mit Piktogrammen sind dabei sehr hilfreich.

Jedem Team stehen nur 19 Expeditionsteilnehmer und zwei Camps zur Verfügung. Einer der Pöppel ist deutlich kräftiger als seine Kollegen und daher sofort als Expeditionsleiter zu erkennen. Fallen im Spielverlauf Entscheidungen an, bei denen es wichtig ist, welches Team wie stark vertreten ist, zählt dieser dicke Spielstein als drei Forscher, durch den Urwald schlägt er sich jedoch mit dem gleichen Aufwand wie alle anderen auch.

Tikal MaterialAuf dem Weg durch den Dschungel heben die Forscher immer wieder mal auftauchende Schätze, dringen in freigelegte Pyramiden ein und markieren solche Tempel unter Verlust von Teammitgliedern als eigenen Besitz. Diese letzte Aktion kann sehr lukrativ sein, da mit jeder neu freigelegten Tempelebene die Pyramide wertvoller wird (an gestapelten Punkteplättchen zu erkennen). Diesen Platz für sich reklamieren, ist nur dem Team erlaubt, das mehrheitlich am Tempel vertreten ist. Einer aus der Gruppe stellt sich dafür auf die Pyramide, seine restlichen Begleiter verschwinden für immer in den Tiefen des Dickichtes. Solch ein Schritt ist, wie viele andere auch, sorgsam abzuwägen da minimierte Gruppen bei wichtigen Spielentscheidungen nicht mehr viel in die Waagschale werfen können.

Dreimal im Spielverlauf tauchen auf den 36 Geländetafeln Vulkane auf. Bevor diese Hexaplättchen ihren Platz auf dem Spielplan finden, erfolgt eine Wertungsrunde. Beginnend mit dem Forscher, der dieses Plättchen ersteigerte, führt reihum jeder Spieler seinen Wertungszug durch. Dafür stehen jedem 10 Aktionspunkte zur Verfügung, sobald diese verteilt sind, wertet jeder für sich alleine. Hier gibt es Punkte für Schätze (ertragreich ist es, 2 oder 3 gleiche durch Tauschgeschäfte gesammelt zu haben) und für Pyramiden, an denen man mehrheitlich vertreten ist oder die man besetzt hat. Nachdem jeder Teilnehmer seinen Zählstein auf der Wertungsleiste adäquat zu seinen ermittelten Punkten vorgerückt hat, wird das Spiel durch das Legen des Vulkanes fortgesetzt. Sobald der Urwald komplett belegt ist, folgt die letzte und vierte Wertungsrunde. Wer danach mit seinem Zählstein am weitesten vorne liegt, ist der erfolgreichste Forscher.

Tikal ist ein spannendes, taktisches Legespiel, bei dem einfach alles, inklusive Ausstattung, stimmt. Die Thematik ist hervorragend umgesetzt, die Grafik von Franz Vohwinkel gefällt und die spielerische Mischung ist perfekt. Immer wieder ist im Spielverlauf festzustellen, daß es Gruppen gelingt, durch geschicktes Anlegen der Hexaplättchen ganze Viertel des Urwaldes für sich zu okkupieren.

Tikal SpielbrettDoch unter großen Mühen schlagen sich einzelne Vorkämpfer mitkonkurrierender Expeditionen zu solchen Stellen durch und zaubern aus dem Rucksack ein Camp, welches sie auf einem freien, oder von Schätzen geräumten Waldstück aufschlagen. Seine Teammitglieder kennen jetzt den geheimen Pfad zu diesem Lager und können so für überraschende Momente sorgen (Schritt von Lager zu Lager oder das Einsetzen auf diesem Platz kosten einen Aktionspunkt!).

In den Versteigerungsrunden ist es oft wichtiger, durch sein Gebot im richtigen Moment am Zug zu sein, als die Auswahl für bestimmte Plättchen zu besitzen. Gerade verdächtige Ansammlungen von Expeditionen an hochwertigen Pyramiden sind so durch rechtzeitiges Eingreifen am Versuch einen Tempel zu übernehmen, zu hindern.

Noch einen Satz zum Schätzetausch. Da es wertvoller ist, alle drei Stücke einer Sammlung zu besitzen, tauschen Forscher immer wieder gerne Einzelstücke ein. Dabei ist zu beachten, daß bereits fertige oder begonnene Sammlungen für jedweden Tauschversuch tabu sind.

Tikal bietet in der Grundversion (ohne Versteigerungsrunde) sehr viel Spielspaß für die Familie, die Profiversion stellt deutlich höhere Ansprüche (alleine schon dadurch, daß Gebote die Position der Zählsteine auf der Wertungsleiste beeinflussen) und passend zum Thema sind es nicht nur die Hände, die ins Schwitzen geraten. Bei dem Freilegen von Pyramiden ist darauf zu achten, keine Priester aus Machu Picchu zu stören!

Tikal von Michael Kiesling und Wolfgang Kramer, Grafik: Franz Vohwinkel, 2-4 Spieler ab 10 Jahre. Spieldauer ca. 90 Minuten, Ravensburger (1999), Preis ca. 65 DM.

Die Spielbeschreibung wurde mit freundlicher Genehmigung dem Katalog von ADAM spielt entnommen.


Markus <markus0873@web.de> 23.11.2000 12:47:

Als regelmäßiger Tikal-Spieler ist mir der Einfluß der "Schätze" auf den Spielverlauf ein wenig negativ aufgefallen. Besonders in der Anfängervariante steigen, nach meiner Erfahrung, mit dem Besitz vieler Schatzplättchen die Gewinnchanchen so hoch an, daß zwangsläufig jeder Spieler jedem Schatz sofort nachjagt, weil er sonst kaum eine Möglichkeit hat, diesen Vorteil durch "Tempel-Punkte" wieder auszugleichen. Sieht man von dieser kleinen Unausgewogenheit ab, macht Tikal aber großen Spass.


Hagen <hagenschulze@web.de> 08.08.2002 08:41:

Eine Runde Tikal macht allein von der Grafik und der Ausstattung her Spaß. Stimmungsvolles Dschungelabenteuer - besonders mit voller Mitspielerzahl.

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