|
Spielbesprechung Die BurgNeues Leben in Carcassonne |
|
Im Vorfeld der Spieletage 2003 in Essen erwarteten die Fans von Carcassonne insbesondere eine Neuerscheinung: Reiner Knizias "Die Burg". Vom Autor mit einem Augenzwinkern als "the real Carcassonne" bezeichnet, wagte der Hans im Glück Verlag einen weiteren Schritt in das bereits bewährte Territorium, das sich nicht zuletzt durch die ersten Erweiterungen und die "Händler und Baumeister" binnen kurzer Zeit zu einem Klassiker entwickelt hat. Ob der Vergleich mit Carcassonne (CC) erlaubt, gewünscht oder eher zufällig gewählt ist, beantwortet der erste Blick auf die Schachtel. Nicht nur Format und Aufmachung, auch das "Markenzeichen" Carcassonne findet sich über dem eigentlichen Spieltitel wieder. Und so überrascht auch nicht, daß das Spielprinzip von "Die Burg" nur marginale Unterschiede zum Vater der Stadtmauern und Wege aufweist. |
|
Muß beim Zusammenlegen der Wege noch darauf geachtet werden, daß diese in sinnvoller Weise weitergeführt werden und zumindest nicht abrupt inmitten eines Hofs enden, so läßt die Regel dem Bauherren der Türme und Häuser doch weitestgehend architektonische Freiheiten. Dies birgt freilich ein Potential an atemberaubenden Verwinkelungen und Zusammenstellungen. Wenn nämlich Turm- und Hausteile, durchwachsen von Hofecken das Venedig des Burginnern bilden, dann kann man zuweilen schon meinen, daß zusammenwächst, was nicht zusammengehört. Dennoch entstehen so (möglichst) abgeschlossene Häuser und Türme sowie Wege, für die es Punkte gibt. Die Höfe - bzw. die sich auf den Höfen befindlichen Märkte - nehmen die Rolle der Wiesen (CC) ein und werden erst am Schluß gewertet. Auch können verschieden angelegte Gebäude und Wege im Laufe des Spiels zusammengeführt werden, um dem Gegenspieler die Mehrheit streitig zu machen. Im Gegensatz zu CC gibt es bei Gleichstand in einem Konstrukt allerdings für niemanden Punkte, was aber bei zwei Spielern auch unnötig wäre. Als letztes "neues" Element finden sich in regelmäßigen Abständen auf der Zählleiste sog. Mauerplättchen wieder, die ein Spieler dann erhält, wenn er durch eine Wertung mit seinem Wertungsstein auf einem der Plättchen landet. Die Plättchen tragen Symbole, die die Wertungen während des Spiels oder die Schlusswertung beeinflussen. So kann z.B. ein Spieler aufgrund des entsprechenden Plättchens am Spielende doch noch Punkte für ein nicht vollendetes Gebäude bekommen, was im Normalfall ausgeschlossen ist. Doch wirklich neu ist auch dies nicht. Denn mit der Händler und Baumeister-Erweiterung findet auch bei CC eine Einflussnahme durch im Spielverlauf gesammelte Plättchen auf die Endwertung statt. Interessant und nach wenigen Spielen noch nicht umfassend erforscht ist vielleicht die ebenfalls bei der Schlußwertung stattfindende Bewertung des Palas. Diese Figur kennzeichnet während des Spiels das jeweils größte Haus eines Spielers. Der Spieler, der am Ende das größte Haus selbst errichten konnte, erhält Punkte aus den nicht belegten Innenfeldern der Burg. Da sich genau 16 Karten weniger im Spiel befinden, als der Innenraum der Burg Platz bietet, bildet sich also mindestens eine große, in der Regel aber mehrere kleine Leerfelder. Je größer das größte zusammenhängende Leerfeld, desto mehr Punkte erhält der Spieler mit dem größten Haus. Hier gibt es sicher neue Ansatzpunkte für taktisches Vorgehen, besonders zum Spielende hin. "Die Burg" ist alles in allem natürlich ein Abklatsch von Carcassonne. Wir bauen Dinge zusammen, andere mischen sich ein oder bauen ebenso vor sich hin, bekommen Punkte oder mopsen sie anderen, und am Ende wird noch mal gezählt. Ob "Die Burg" aber auch wirklich etwas Neues sein wollte, bleibt dahin gestellt. An der Qualität des Materials hat sich jedenfalls nichts geändert. Regelgestaltung und -inhalt lassen keine Wünsche offen. Die Burgmauernteile passen optimal zusammen, Farbgebung und Design sind ansprechend. Bei der Gestaltung der Plättchen kann man durchaus von einer sehr liebevollen, detailverliebten Grafik sprechen. Was bleibt? Fans von Carcassonne fühlen sich auf gewisse Art und Weise sicher angesprochen, doch die geliebte Freiheit, die eine Partie CC bietet, wird schon durch den Rahmen stark eingeschränkt. Die angegebene Spielzeit von 45 Minuten scheint mir eher großzügig bemessen; mit der Hälfte kommt man gut hin. Die Leerfelder am Ende des Spiels stören ein bißchen den optischen Gesamteindruck. Hat man hier vielleicht Platz gelassen für Erweiterungsplättchen? Im Geiste sucht man schon nach Lösungen, wie der durchlaufend numerierte Rahmen erweitert werden könnte. (Man ist halt doch CC-geschädigt.) Für Spieler, die sich bisher erfolgreich gegen Carcassonne gewehrt haben, ist es in jedem Fall eine kurzweilige Empfehlung. Carcassonne-Fans hingegen werden es "der Vollständigkeit halber" im Schrank haben wollen. Der Markt ist also gefunden. Carcassonne - Die Burg von Reiner Knizia (und Klaus-Jürgen Wrede), 2 Spieler ab 8 Jahren, Hans im Glück (2003), Preis ca. 14 Euro |
| ||||||||||||||||||||||||
| Letzte Änderung: 16.04.2008 15:37 |
[ Home ] [ Top ] [ Spielarchiv ] |