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Spielbesprechung Euphrat & TigrisReiner Knizias Meisterwerk |
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Jeder Spieler übernimmt eine von vier Dynastien, welche sich nicht wie üblich durch verschiedene Farben, sondern durch die Symbole Stier, Löwe, Bogenschütze und Töpfer unterscheiden. Dies kann bei den aller ersten Spielen zu Verwirrungen führen, weil man aus anderen Spielen gewohnt ist, eine bestimmte Farbe zu haben. Bei Euphrat & Tigris werden die Spieler jedoch durch die Symbole unterschieden, indessen stehen allen Spielern alle Farben zur Verfügung. Den vier verschiedenen Zivilisationsbereichen entsprechend erhält jeder Spieler jeweils vier runde Holzscheiben mit dem eigenen Symbol, welche die vier Anführer in den Farben rot (= Priester), schwarz (= König), grün (= Händler) und blau (= Bauer) darstellen. So wie die Symbole gibt es auch die Zivilisationsplättchen in insgesamt vier verschiedenen Farben: rot steht für die Religion, schwarz für die Bevölkerung, grün für den Handel und blau für die Landwirtschaft.
Der Spielplan zeigt die Region zwischen Euphrat und Tigris mit einem Raster aus quadratischen Feldern mit insgesamt zehn Tempeln samt Schatz und ist durchzogen von zwei Flussläufen. Das Ziel eines jeden Spielers ist es, seine bescheidenen Siedlungen zum mächtigen Königreich auszubauen. Das zur Verfügung stehende Land ist jedoch begrenzt, so dass gegenseitige Angriffe und Übernahmeversuche auf der Tagesordnung stehen. Durch das Legen von Zivilisationsplättchen entstehen im Laufe des Spiels zusammenhängende Gebiete, die durch das Einsetzen von Anführern zu Königreichen werden. Nur wer Anführer auf dem Spielfeld hat, kann im Laufe des Spiels Siegpunkte bekommen. Dies geschieht vor allem - aber nicht nur – durch das Legen von Zivilisationsplättchen. Wird ein solches Plättchen an ein Königreich angelegt, erhält der Besitzer des Anführers der entsprechenden Farbe einen Siegpunkt in dieser Farbe. Durch das Einsetzen der Plättchen auf dem Spielfeld sorgt der Spieler zudem für die Entwicklung der Zivilisation, wenn auch nicht unbedingt immer der eigenen. Die Siegpunkte in den jeweiligen Farben der einzelnen Zivilisationsbereiche Religion, Bevölkerung, Handel und Landwirtschaft zeigen den Fortschritt der eigenen Dynastie an. Zum Schluss sollte ein Gleichgewicht in den vier Bereichen vorhanden sein. Maßgebend für den Sieg ist nämlich die möglichst gleichmäßige Entwicklung aller Zivilisationsbereiche. Zu Beginn wird ein Königreich immer dann gegründet, wenn ein Anführer an eines der zu Spielbeginn ausliegenden roten Tempelplättchen gelegt wird. |
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Ein Kernpunkt des Spiels sind die Konflikte. Da der Platz zwischen den Königreichen bald sehr eng wird, kommt es zum Kampf zwischen den Anführern, unter Umständen verschmelzen zwei Königreiche auch miteinander. Im Laufe der Zeit werden dabei Siegpunkte angesammelt, die schließlich über Sieg und Niederlage entscheiden. Konflikte entstehen zum einen, wenn sich zwei Anführer gleicher Farbe in einem Königreich aufhalten. Wird ein Anführer in ein Königreich gesetzt, in dem sich bereits ein Anführer der gleichen Farbe befindet, so zählt jeder betroffene Spieler die Tempel, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft seines Anführers befinden. Zusätzlich kann jeder Spieler noch aus seinem Vorrat Tempelplättchen einsetzen. Wer jetzt insgesamt mehr Tempel aktiviert hat, gewinnt den Konflikt; bei Gleichstand gewinnt der Verteidiger. Der Sieger erhält einen Siegpunkt im Bereich Religion (= rote Farbe). Der Verlierer hingegen muss das Königreich verlassen.
Eine weitere taktische Möglichkeit, und eine weitere ganz entscheidende Quelle für Siegpunkte, sind die Monumente, ein Zeichen der Macht und dargestellt als zweifarbige Holzklötzchen. Monumente entstehen, wenn vier gleichfarbige Zivilisationsplättchen auf dem Spielfeld ein Quadrat bilden. Monumente sind deshalb so wichtig, weil sie den Anführern in jeder Runde einen Siegpunkt in der entsprechenden Farbe einbringen. Aus diesem Grunde sind sie auch sehr begehrt und umkämpft. Einmal gebaute Monumente können nicht abgerissen werden und bleiben somit für das ganze restliche Spiel bestehen. Die am Anfang des Spiels auf den Tempeln verteilten Schätze stellen neutrale Siegpunkte dar und werden am Spielende den anderen Siegpunkten zugeordnet. Damit kann der am schwächsten entwickelte Zivilisationsbereich nochmals verstärkt werden. Gewonnen werden sie, indem Königreiche in einem Zug so vergrößert werden, dass am Ende der Aktion in einem Königreich mehr als ein Schatz liegt. Der Händler bekommt sodann alle Schätze, d. h. alle neutralen Siegpunkte, bis auf einen. Am Ende seines Spielzuges ergänzt der Spieler die Zivilisationsplättchen hinter seinem Sichtschirm wieder auf sechs Stück. Sind die Zivilisationsplättchen im allgemeinen Vorrat aufgebraucht oder nur mehr höchstens zwei der zehn Schätze auf dem Spielplan, endet das Spiel sofort. Für die Schlusswertung ist nicht einfach die Gesamtzahl der Siegpunkte entscheidend. Gewinner ist nämlich jener Spieler, der in seinem schwächsten (!) Bereich die meisten Siegpunkte gesammelt hat, und nicht derjenige mit den insgesamt meisten Siegpunkten. Jeder Spieler ist daher gezwungen, alle Bereiche einigermaßen gleichmäßig zu entwickeln. |
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Euphrat & Tigris kann als moderner Klassiker bezeichnet werden und sollte in keinem Spielehaushalt fehlen. Es ist ein exzellentes Spiel, einfach genial! Uups, Reiner Knizia’s neuestes Spiel heißt ganz zufällig auch "Einfach Genial". Euphrat & Tigris ist ein wahres Spielejuwel, angefangen von der Ausstattung und dem Design bis hin zu den Spielmechanismen und der Siegbedingung. Es ist ein herrlich "böses" Strategiespiel mit genau richtig dosierten Glücksmomenten, unendlich spannend, ungemein fesselnd und abwechslungsreich; jedes Spiel verläuft anders. Es lässt sehr viel Raum für Interaktion und die Spielmechanismen greifen wahrlich perfekt ineinander. Die Spielregel ist übersichtlich und gut verständlich geschrieben, ist mit vielen farbigen Beispielen versehen und eine praktische Kurzspielregel findet man auf der Innenseite jedes Sichtschirms. Das Spiel funktioniert mit jeder Spieleranzahl gut. Es macht zu zweit schon viel Spaß, gewinnt aber selbstverständlich noch bedeutend, wenn man es mit drei oder vier Personen spielt. Euphrat & Tigris verlangt höchste Konzentration und einen guten Überblick. Es ist sehr anspruchsvoll und wirkt beim aller ersten Spiel auch ziemlich kompliziert; der Durchblick lässt jedoch nicht lange auf sich warten. Im Prinzip ist der Spielmechanismus sehr einfach. Um alle Feinheiten, Eigenheiten, Tricks und Kniffe herauszufinden, braucht es dennoch einige Partien. Neulinge haben es in den ersten Spielen gegen spielerprobte Gegner erfahrungsgemäß äußerst schwer. Für geübte Spieler und solche, die anspruchsvolle und relativ komplexe Spiele mögen, ist Euphrat & Tigris auf jeden Fall eine große Bereicherung. Für Gelegenheitsspieler und die spontane Familienrunde ist es dagegen weniger geeignet. Einziger (kleiner) Kritikpunkt: Obwohl das Thema und die Grafik absolut stimmig sind, ist Euphrat & Tigris im Grunde – wie so oft bei Knizia – ein vollkommen abstraktes Spiel mit aufgesetztem Thema. Euphrat & Tigris kann man spielen, spielen ... und immer wieder spielen! Gerhard Passler Verlag: Hans im Glück Das Spiel ist beim Verlag vergriffen; trotzdem finden sich auf der Website noch interessante Varianten und Regelfragen: Fotos: |
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| Letzte Änderung: 16.04.2008 15:38 |
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