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Spielbesprechung

Feurio


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Soll man jemandem die Schachregeln erklären, ist das auf der einen Seite eine sehr einfache Aufgabe: der Turm zieht waagerecht oder senkrecht, der Bauer immer ein Feld voran (mit Ausnahme des ersten Zuges), die Dame ...... usw.. Andererseits bleibt es eine unlösbare Aufgabe und internationalen Größen vorbehalten, die Spieltiefe und potentiellen Kombinationen von Schach zu begreifen und zur Entfaltung zu bringen.

Ähnlich - wenn auch vergleichsweise simpel - geht es beim neuen Spiel der Edition Erlkönig zu. "Feurio" prangt es in alarmierender Schrift und hektischem Szenario auf der Verpackung des so benannten Spiels von Autor Heinrich Glumpler.

Wasser marsch!

CoverEs geht darum, einen sich ausbreitenden Waldbrand mit einer Armee von Feuerwehrleuten einzudämmen. Dies geschieht, indem man eine sechseckige Karte verdeckt zieht, diese an bereits ausliegende Kärtchen anlegt und - je nach Stärke des Brandes - ein bis drei Feuerwehrleute auf der neu angelegten Karte oder bereits liegenden Karten absetzt. Das ist - mit ein paar Ausnahmen - alles.

Ein paar Regeln gibt es freilich schon noch zu beachten. Das hängt im Wesentlichen aber von der Mitspielerzahl ab. Zunächst eine Besonderheit: das Spiel lässt sich auch solitär spielen - und diese Version stelle ich zuerst vor. Im Solitärspiel erhält der Spieler 48 Feuerwehrmänner in vier Farben. Da er alle diese Feuerwehrleute bis zum Anlegen der letzten von 36 Karten abgesetzt haben muss, muss er zwangsläufig auf einigen Karten mehrere Feuerwehrleute platzieren. Andernfalls kann er das Spiel nicht gewinnen.

Wie viele Männer er maximal absetzen darf, bestimmt die anzulegende Karte. Das Feuer breitet sich nämlich unterschiedlich stark aus. Eine Zahl von 1-6 zeigt, wie heftig es lodert. Je höher die Zahl, desto stärker das Feuer, desto mehr Feuerwehrleute dürfen abgesetzt werden. Dies ist durch entsprechende Felder auf der Karte markiert.

Wo die gerade gezogene Karte anzulegen ist, bestimmt die Summe der Zahlen auf den bereits ausliegenden, angrenzenden Karten. Immer dort, wo es am heftigsten brennt, wo also (mindestens) zwei Karten die höchste Summe bilden, muss die nächste Karte angelegt werden. Ergeben sich daraus verschiedene Möglichkeiten, hat der Spieler die Wahl. Sobald die Karte liegt, muss mindestens ein Feuerwehrmann abgesetzt werden. Ob auf der gerade gelegten oder auf einer anderen Karte, darf der Spieler entscheiden. Einschränkungen gibt es, wenn die Zielkarte bereits von Feuer umschlossen ist oder nur noch wenige freie Kanten aufweist. Dann dürfen dort eventuell keine Leute mehr abgesetzt werden.

Auf diese Weise versucht man, das Feuer unter Kontrolle zu bringen, muss aber darauf achten, dass Feuerwehrleute einer Farbe nicht vom Feuer getrennt werden. Wenn dies geschieht (meist kurz vor Schluss), hat man das Solitärspiel verloren. Außerdem muss jeder Farbtrupp an mindestens ein Feld mit dem Wert 1 angrenzen, auf dem ein gleichfarbiger Feuerwehrmann steht. Dies symbolisiert den Wassernachschub, denn nur auf den 1er-Feldern befinden sich Wasservorräte. Darüber hinaus darf dieses 1er-Feld nicht vollständig von Feuer umgeben sein.

Sind alle Bedingungen erfüllt, addiert man am Ende des Spiels die Zahlen der Karten, auf denen Feuerwehrleute stehen, und erreicht so seine persönliche (Jahresweltbest-)Leistung.
 

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Das Spielprinzip für das Mehrpersonenspiel funktioniert genauso. Eine Ausnahme: Es können auch nach Anlegen der letzten Karte noch Leute abgesetzt werden. Außerdem kommt hier eine Variante hinzu, in der Feuerschneisen gelegt werden können. Ein Element zur Bereicherung der taktischen Möglichkeiten.

Anders ist im Mehrpersonenspiel die Schlusswertung. Wird ein Farbtrupp während des Spiels getrennt, werden die verschiedenen Waldstücke, auf denen sich Feuerwehrleute einer Farbe befinden, einzeln bewertet. Dabei ist dann die Karte mit dem kleinsten Wert jedes Waldstückes ausschlaggebend, denn sie dient als mathematischer Teiler. Daher ist es auch für das Spiel mit mehreren wichtig, möglichst seine Schäfchen beisammen zu halten und/oder möglichst ein 1er-Kärtchen in seinen Waldstücken zu haben.

Feuer aus!

Schon im Einzelspiel zeigt sich nach wenigen Partien die Tücke, die sich hinter den wenigen Regeln verbirgt. Um nämlich 48 Männer auf 36 Karten unterzubringen, muss man relativ häufig mehrere Männer auf einer neu angelegten Karte absetzen. Es ist aber durchaus ratsam und für den Ausgang des Spiels fast unerlässlich, auf einer neu angelegten Karte mal keinen Mann und dafür einen (oder mehrere) auf einer bereits liegenden Karte abzusetzen, um vielleicht einen getrennten Trupp wieder zu verbinden oder einen Trupp an eine Wasserstelle (1er-Karte) anzuschließen. Dieser Interessenkonflikt zieht sich durch das ganze Spiel. Allerdings - und auch das ist tückisch - tritt er bei den ersten Zügen gar nicht so zu Tage. Man muss ihn einfach von vornherein mit einkalkulieren.

DetailJe weiter das Spiel sich entwickelt, desto kniffliger wird es. Nicht selten passiert es, dass man kurz vor Schluss der Partie gezwungen ist, eine Karte an einen Trupp anzulegen, von dem man keine Männer mehr hat. Da man aber unbedingt einen Mann absetzen muss, da man sonst einen übrig behält, hat man ein Problem (das sich dann nicht mehr lösen lässt).

Das Spiel zu mehreren bietet weitere Möglichkeiten. So kann man zusammen (kooperativ) oder klassisch gegeneinander spielen. Jede dieser Varianten hat ihren Reiz.

Dadurch, dass im Mehrpersonenspiel die Verpflichtung entfällt, seine Leute zusammenzuhalten, wird das Spiel einfacher. Man konzentriert sich mehr auf das Punktesammeln. Eigentlich geht dabei aber ein bestimmendes Ziel verloren und das Spiel verflacht etwas. Dass man außer im Solospiel auch nach dem Legen des letzten Waldplättchens noch Männer setzen darf, ist zwar auf den ersten Blick auch eine Vereinfachung, jedoch bieten sich dadurch am Schluss möglicherweise überraschende Züge, mit denen es zu einem ebenso überraschenden Ergebnis kommen kann.

"Feurio" kommt sehr professionell daher. Das Material ist von sehr guter Qualität, die Schachtel so klein, dass sie auch auf Reisen Platz finden sollte. Die Grafik, wen wundert's, ist ansprechend und eindeutig - Franz Vohwinkel sei Dank. Auch die Regeln sind eindeutig und durch Illustrationen und Beispiele unterstützt. Sie sind allerdings dadurch etwas aufgebläht, dass es für jede Anzahl von Spielern einen Extraabschnitt gibt. Das hätte eleganter geregelt werden können, denn es erweckt den Eindruck, das Spiel sei nur für eine bestimmte Anzahl von Spielern ausgelegt und dann zurechtgerückt worden.

Schön umgesetzt und gar nicht abgegriffen ist indes die Spielidee der Brandbekämpfung. Sie bringt etwas Leben in den zuweilen zähen Thementopf, und mit etwas Phantasie kommt sogar Atmosphäre auf. Vielleicht ein Kaminfeuerchen und ein Gläschen "Fuoco del Etna" dazu.....

Man lasse sich nicht täuschen: Es sind sicher einige Partien nötig, um der Spieltiefe und der taktischen Möglichkeiten gewahr zu werden, besonders im Mehrpersonenspiel. Der eingangs getätigte Vergleich mit Schach ist vielleicht etwas übertrieben. Dennoch sollte man sich die Zeit nehmen, einige Partien (auch solo) zu spielen, um herauszufinden, wie man Karten am besten legt. Es gibt immerhin mindestens drei Teilziele, die man permanent im Auge haben muss, um am Ende nicht doch den Kampf gegen die Flammen zu verlieren: seinen Trupp zusammenzuhalten, für Wasservorrat zu sorgen und schließlich so viele Punkte zu machen, wie möglich. Wer das schon mal beherrscht, kann sich ja dann mit anderen messen.

Die erste Auflage von (nur) 1.000 Stück war bereits nach der Messe in Essen vergriffen. Eine weitere Auflage ist Ende 2003 erschienen. Für Freunde taktischer Spiele ist Feurio ein sicherer Kauftipp. 30-45 Minuten sind vertretbar für ein Spiel zwischendurch oder als "Aufwärmer". Zurzeit müssen ca. 18 EUR für das Spiel gezahlt werden, was in Anbetracht der geringen Auflage angemessen ist.

Feurio von Heinrich Glumpler, Grafik: Franz Vohwinkel, 1-4 Spieler ab 10 Jahren, Spieldauer 30-45 Minuten, Preis ca. 18 EUR, Edition Erlkönig (2003)

Axel Bungart

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Weitere Infos über "Feurio":
despielbox.de deLuding enBoardgameGeek
deSpielefindex deGoogle
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Letzte Änderung: 16.04.2008 15:37 
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