Spielbesprechung
Nicht nur neue Besen kehren gut dachte sich wohl der Dietzenbacher Verlag AMIGO, als er die Rechte an dem Spiel "Heimlich & Co" von Ravensburger übernahm. Der Erfolgstitel war Spiel des Jahres 1986 und wurde seit dem über 250.000 mal verkauft.
Grund genug, sich an dem kurzweiligen Spiel neu zu versuchen. So erscheint Heimlich und Co mit leichtem Facelifting und einer Erweiterung, der Top-Secret-Variante, bei der Spielkarten ins Spiel kommen. Doch der Reihe nach.
Das Regelwerk wurde optisch aufbereitet. Inhaltlich
ergeben sich nur geringfügige Änderungen. Zur
Erinnerung: Jeder Spieler zieht verdeckt die Farbe seines
Agenten und versucht, diesen - bis zum Schluß
unentdeckt - als erster ins Ziel zu bringen. Dazu darf er
alle Agenten, nicht nur seinen eigenen, um die
gewürfelte Punktzahl vorziehen. Wenn er einen Agenten
auf das Haus zieht, in dem sich der Tresor befindet, wird
eine Wertung ausgelöst. Jeder Agent erhält so viele
Punkte, wie die Nummer des Hauses, auf dem er gerade steht,
angibt. Steht ein Spieler auf der Ruine, werden ihm drei
Punkte abgezogen. Eine kleine Neuerung ist (beim Grundspiel),
daß der Würfel statt der "1" "1-3" zeigt. Diese
Änderung hat jedoch im Grundspiel keine weitere
Bewandtnis. Die Grafik ist weniger detailverliebt aber
nichtsdestotrotz schön und harmonisch, besonders in der
Farbwahl. Die Häuser erscheinen nicht mehr so
düster, aber vielleicht auch nicht mehr so
geheimnisvoll. Das Spielmaterial ist, wie gewohnt bei AMIGO,
solide und klar gestaltet. Der Spielspaß ist also bis
dahin fraglos unverändert gut.
Neu ist die Regelvariante "Top-Secret". Bei dieser Variante können nach jeder Würfelrunde Karten ausgespielt werden, die die soeben gemachten Züge beinflussen oder ganz neue, zusätzliche Züge erlauben und zwar nicht nur dem, der gerade an der Reihe ist, sonder allen Mitspielern. Nach dem der Spieler gewürfelt hat, wird gefragt, ob jemand eine Top-Secret-Karte ausspielen möchte. Ist dies der Fall, kommt es zu einer Top-Secret-Runde, an der sich dann alle Spieler beteiligen können. Der Reihe nach können die Spieler ihre Karten, die sie entweder zu Beginn des Spiels oder währenddessen gezogen haben, nun ausspielen. Damit werden Agenten vor- oder zurückgezogen oder an ganz andere Orte verbannt. Eine ganz besondere Karte ist die, mit der man sich eine weitere Identität zulegen kann. Spielt man diese Karte aus, darf sich der Spieler eine der übriggebliebenen Agentenkarten nehmen und sich damit eine zweite Identität zulegen. Am Ende des Spiels gibt er dann die Identität, die punktemäßig weiter hinten liegt, einfach ab. Eine sehr interessante, weil völlig unkonventionelle Idee, als einziger Spieler zwei Pferde im Rennen zu haben. Die Top-Secret-Runde wird so lange gespielt, bis kein Spieler mehr eine Karte spielen kann oder will. Das führt dazu, daß der durch eine Karte bewirkte Zug eines Spielers durch einen anderen in derselben Runde wieder aufgehoben wird. Ein teils verzwickter, meist aber erheiternder Effekt. Neue Karten erhält ein Spieler, wenn er einen Agenten in die Ruine zieht oder wenn er, nach dem er die "1-3" gewürfelt hat, auf seinen Zug verzichtet.
Der Spieler sollte von der Möglichkeit Karten auszuspielen rege Gebrauch machen, da hierdurch zuweilen massiv in den Spielverlauf eingegriffen werden kann. Ob nun eine Wertung verhindert oder durch das Ausspielen erst ermöglicht wird, ob Agenten statt der ersehnten "10" mit einer "-3" ausgehen oder ob man einfach auf die Frechheit des Gegenspielers reagieren möchte - ohne Karten steht man ein bißchen nackig da.
Die Top-Secret-Variante verlängert das Spiel, aber sie macht es nicht langweiliger. Im Gegenteil: eine gute Idee, durchdacht und einfach umgesetzt, verleiht dem Spiel zum einen noch mehr taktische Möglichkeiten aber auch mehr Witz und Kommunikation.
Es lohnt sich also, zu seiner Ur-Version die neue Ausgabe hinzuzufügen.
Heimlich & Co von Wolfgang Kramer, Grafik: Oliver Freudenreich, 2-7 Spieler ab 8 Jahren, AMIGO (2001), ca. 21,00 EUR (40,00 DM)
Axel Bungart, ab.fakir@gmx.de