Presseinformation
Scheinbar der meistübersehene Stand auf der Spiel' 95 in Essen war der Kleinverlegerstand des Bambusverlags von Günter Cornett und Gerhard Scheck. Das war eher unglücklich, gab es dort doch etwas zu verpassen: Neben dem Legespiel "Schlangennest", das sicher an seiner optischen Ähnlichkeit zu den "Schlangen von Delhi" leidet, gab es beim Bambusverlag das sehr ungewöhnliche Stichspiel "Flaschenteufel"
Das erste Interessante an diesem Spiel ist, daß es auf einer literarischen Vorlage basiert, der Novelle "Der Flaschenkobold" von Robert Louis Stephenson (Reclam Heft Nr.1993). In dieser Geschichte geht es um eine Flasche, die ihrem Besitzer jeden ausgesprochenen Wunsch erfüllt. Das Problem ist, wenn man im Besitz der Flasche stirbt, so kommt man in die Hölle, und man wird die Flasche nur los, wenn man sie gegen einen kleineren Betrag in Münzen verkauft, als man sie vorher gekauft hat. Ein Höhepunkt der Novelle ist natürlich, als der Held die Flasche von jemanden kaufen will, der sie selber für nur 2 Münzen gekauft hat...
Das zweite Interessante ist das Spiel selbst. Es gibt einen Kartensatz mit Zahlen von 1 bis 37. Jede Zahl kommt genau einmal vor. Ferner ist jede Karte noch mit einer der drei Farben Rot, Blau und Gelb versehen und besitzt einen Wert. Die Karten entsprechen den verschiedenen Beträgen in Münzen, die Farben den verschiedenen Währungen, die auch in der Novelle eine Rolle spielen. Ziel des Stichspieles ist ganz einfach, die höchsten Werte in seinen Stichen zu sammeln. Doch wie kommt man zu einem Stich?
Nun, die zu einem Stich angespielte Farbe muß bedient werden, nur wer nicht bedienen kann, muß eine andere Farbe zugeben. Der Stich geht aber im Prinzip an die höchste gespielte Zahl, ganz unabhängig von den Farben. Ist dieses Stichprinzip schon nett, da es ohne Trumpf auskommt und dennoch erlaubt, durch die Spielweise auf die Karten der Mitspieler zu schliessen, so kommt jetzt noch der Flaschenteufel ins Spiel. Eine Art Bastelbogen zum Ausschneiden liegt dem Kartensatz bei, so daß man sich seinen eigenen Flaschenteufel zusammenkleben kann.
Wichtiger ist natürlich die Funktion des Teufels: Dieser besitzt zu Beginn einen Wert von 19. Sind in einem Stich Karten mit Zahlen unter dem Wert des Teufels, so erhält die höchste dieser Karten diesen Stich. Man kann also auch mit kleinen Karten Stiche machen! Leider erhält man zum Stich auch die Teufelsfigur und der Wert des Teufels sinkt - ganz nach der literarischen Vorlage - auf den Kaufpreis, die Zahl, die den Stich gemacht hat. Wer am Ende des Spieles auf dem Teufel sitzen geblieben ist, bekommt statt der Pluspunkte in seinen Stichen nur Miese aufgeschrieben!
Das mag einfach klingen, spielt sich aber ziemlich verzwickt und im allerersten Spiel sind die meisten immer ratlos. Orginalton des Autors: "Die ersten Spiele nach dem Erklären gewinne ich immer." Geglaubt! Wie bei jedem Kartenspiel spielt hier zwar Glück eine Rolle. Da aber zu Beginn jeder Spieler eine Karte wegdrücken kann und mit jedem Nachbarn eine Karte tauscht, kommt doch sehr viel Blatteinschätzung und überlegung ins Spiel. Kartentaktik, und ein gutes Timing bei den kleinen Karten sind nötig, führt doch ein erfolgreiches Spiel praktisch immer über das Risiko von Teufelsstichen, und dann muß man den Teufel auch wieder loswerden.
Flaschenteufel kommt bei uns sehr gut an. Durch das hübsch eingepasste Thema haben Spieler ohne Bedürfnis, alles zu durchdenken, genausoviel Spaß wie Superzocker. Die Grafik ist ziemlich umstritten, aber auf jeden Fall übersichtlich - und vielen gefällt sie. Das Spiel ist ideal zum Einstieg für einen Spielabend und für mich eines der Spitzenspiele der letzten Messe in Essen.
Flaschenteufel von Günter Cornett, ein Stichspiel für 3 oder 4 Spieler, findet man in wirklich guten Spieleläden oder bestellt es direkt beim Bambus Spieleverlag, Postfach 360 141, 10971 Berlin. Der Preis beträgt ca. 10 DM plus Versandkosten.
Frank Sven Nestel