Spielbesprechung
Risiko - das klassische Strategiespiel? Diese
Behauptung stelle ich für mich schon seit jeher in Frage
und so gab es für mich nie einen Grund, Risiko
wirklich gerne zu spielen. Ich konnte dem ewigen Hin- und
Hererobern und dem Auslöschen von Spielern nicht viel
abgewinnen, und daher waren stundenlange Partien mit dem Ziel
der Welteroberung für mich wenig reizvoll. Zum einen ist
es also der Spielmechanismus, der meiner Meinung nach zu
wenig Raum für strategisches Handeln offen läst und
zurückgefallenen Spielern so gut wie keine Chance mehr
gibt, und zum anderen das Thema und die Optik von
Risiko, die mich auch nicht sonderlich fesselt.
Doch nun, Jahre später, kommt Risk 2210 A.D.,
und bringt Veränderung in all den von mir eben
kritisierten Bereichen und haut mich so echt vom Hocker! Kaum
zu glauben, aber wahr! Diese neue, grundlegend
überarbeitete und weiterentwickelte Version macht das
Spiel nun wirklich strategischer und aufregender. Die
grundlegendste Veränderung ist schon einmal ganz nach
meinem Geschmack: wie schon der Titel verrät, befinden
wir uns zwar noch auf der Erde, aber immerhin
in weit
entfernter Zukunft, sprich 2210 A.D. Gewaltige Roboterarmeen
kämpfen um die Vorherrschaft auf der Erde und, auch das
ist neu und wirklich innovativ, dem Mond. Interessant dabei
ist nicht nur das zusätzliche Mond-Spielbrett, sondern
auch die kreativen Veränderungen des Layouts des
Erde-Spielbrettes. Sämtliche Gebiete wurden neu benannt
und neu geformt und als wichtige Erweiterung gibt es nun
Unterwasserstädte, die es einerseits ermöglichen,
ganze Ozeane einzunehmen, und andererseits neue Verbindungen
zwischen den Kontinenten herstellen.
Durch die Errichtung von Raumstationen, die übrigens
eine sehr hohe Verteidigungskraft für ein besetztes
Gebiet darstellen, können wir nun auch zum Mond reisen
um dort unser Geschick in der Eroberung zu beweisen.
Natürlich ist auch der Angriff vom Mond zu Erde
möglich, wobei das Angriffsziel dabei durch den Zufall
bestimmt wird, das heißt, es wird eine Erd-Gebiet Karte
aufgedeckt und das entsprechende Gebiet dann angegriffen.
Natürlich sind die neuen Roboterarmeen (im Wert von
1, 3, und 5 - siehe rechts!) nicht in der Lage
selbstständig zu handeln, und deshalb gibt es für
jeden Spieler Commander, die verschiedene Truppen
kontrollieren und dirigieren. Jeder beginnt mit einem
Diplomaten und einem Land Commander. Der Einzug in
Wasserstädte und auf den Mond ist zum Beispiel nur
möglich, wenn man auch den entsprechenden Commander
besitzt. Die meisten dieser Anführer ermöglichen
außerdem bei Angriff und Verteidigung einen Wurf mit
einem 8-seitigen Würfel. Das erhöht die
Erfolgschancen ungemein, vor allem, wenn eine reine
Roboterarmee angegriffen wird, die sich ja nur
mit
6-seitigen Würfeln verteidigen kann. Die fünf
verschiedenen Commander (Naval, Space, Nuclear, Land und
Diplomat - siehe links!) bringen außerdem
eine weitere Neuigkeit ins Spiel: die
überraschungsreichen Command Cards (wiederum unterteilt
in Naval, Space, Nuclear, Land und Diplomat) . Dank dieser
Karten, die in jeder Runde gekauft werden können, sofern
man über den entsprechenden Commander und die
nötige Energie verfügt, wirkt Risk 2210 A.D.
viel abwechslungsreicher und die Machtverhältnisse
ändern sich schneller als so manchem wahrscheinlich lieb
ist. Auch Spieler, deren Truppen schon recht dezimiert sind,
haben somit reelle Chancen, noch einmal die Oberhand am
Spielbrett zu erlangen.
Wichtig ist auch noch zu erwähnen, das die bereits oben genannte Energie als Zahlungsmittel im Spiel dient. Jeder Spieler erhält am Beginn seines Zuges eine bestimme Anzahl neuer Roboter (je nach dem, wie viele Gebiete und Regionen an Land, im Wasser und am Mond besetzt werden!) und auch Energiemarken. Diese Marken werden dann eben benötigt um erstens die Spielreihenfolge zu ersteigern, weiters um Commander anzuheuern, Raumstationen zu bauen (kostet ganze 5 Energie), Command Karten zu kaufen und um diese schließlich zu aktivieren.
Natürlich darf ich nicht vergessen, die eigentliche Mission der Spieler bei Risk 2210 A.D. zu erläutern. Es gibt keine Auftragskarten mehr und die ganze Welt muss es auch nicht mehr sein, die Spieler kontrollieren wollen. Es gibt viel mehr eine Übersichtstafel, auf der ein Jahresmarke zu finden ist. Wenn dieser immer ein Jahr, also eine Runde, weiterbewegt wird erreicht er schließlich des fünfte Jahr der Auseinandersetzungen und beendet so das Spiel. Wer nun die meisten Gebiete plus Bonuspunkte für Kontinente, Ozeane und Mondterritorien besitzt, wird Herrscher der neuen Welt.
Für mich ist Risk 2210 A.D., ganz anders als das klassische Risiko, ein Toptitel, der aufgrund seines futuristischen Themas, seiner überaus gelungenen Optik und dem ganz neuen Spielgefühl dank der zahlreichen Neuerungen sehr, sehr oft unsere Gemüter am Spieltisch erhitzen wird. Außerdem ist die Spielzeit von 2-3 Stunden endlich absehbar und der Frustrationsfaktor für ausgeschiedene Spieler (wenn es denn überhaupt dazu kommen sollte!) gering.
Zu erwähnen bleibt, dass Risk 2210 A.D. bisher nur als englische Version erhältlich ist. Allerdings sind die Texte auf den Karten leicht zu verstehen und auch die Anleitung sollte kein allzu großes Problem darstellen.
Ralph Obkircher