Spielbesprechung

Ta Yü

Box

Ta Yü ist ein Held der chinesischen Sagenwelt. Ähnlich wie Noah rettete er die Welt vor einer Überschwemmung, allerdings nicht, indem er ein Boot baute, sondern indem er viele Kanäle durch das Land grub, so dass das Wasser ins Meer abfließen konnte. So ist es auch unsere Aufgabe als Spieler, Kanäle zu ziehen: und nur für die Mündungen ins Meer gibt es Punkte...

Dieses Spiel macht Spaß, weil es so herrlich einfach und doch so wunderbar mitreißend ist. Auf einem Spielfeld mit vielen kleinen Quadraten müssen längliche Plättchen gelegt werden, die jeweils ein Quadrat breit und drei Quadrate lang sind. Auf den Plättchen sind Kanäle mit jeweils drei Öffnungen aufgemalt. Es gilt nun für die beiden Spieler, Kanalverbindungen in Nord-Süd bzw. der Gegner in Ost-West-Richtung zu schaffen. Jeder Stein muss mit einer Öffnung an eine andere angelegt werden, und natürlich darf nie eine leere Kante an eine Mündung grenzen. Das war's schon! Schon wird klar: dieses Spiel begeistert auch Leute, die sonst nicht so gerne spielen, sich nicht gerne in komplizierte Strategien hineindenken und mehr zur "Rummy"- oder "Halma"-Fraktion gehören. Womit ich nicht sagen wollte, "Ta Yü" gleiche diesen- es stellt nur ähnlich hohe Anforderungen, ist dabei bedeutend besser und hat hohen Kultcharakter. Immer abwechselnd ziehen (verdeckt!) bzw. legen die beiden Spieler, bis schließlich beide feststellen, dass ein Plättchen nirgendwo mehr passt. Dann werden für jeden Spieler seine Mündungen auf beiden Seiten gezählt und die beiden Summen miteinander multipliziert. Das ergibt die Siegpunktzahl. Und schon ist alles erklärt. Herrlich, nicht?

In seiner Einfachheit ist das Spiel trotzdem packend, spannend, und natürlich auch taktisch. Dennoch ist viel Glück im Spiel, denn schließlich zieht man die Plättchen verdeckt (einzige Hilfe: Steine mit Öffnungen zu drei verschiedenen Richtungen sind markiert). Endlich ein Spiel, das perfekt ist, wenn man es zu zweit spielt. Zu dritt ist es weniger gut; der dritte muss als Störenfried beide behindern. Zu viert wird das ganze zur pädagogisch wertvollen Kommunikationsübung: Je zwei Spieler bilden ein Pärchen, das zusammen spielt, aber nicht miteinander reden darf. Auch nicht schlecht.

Spielmaterial

Seinen wahren Reiz entfaltet das Spiel aber erst im Kampf zu zweit, und es gehört absolut zu recht zur Auswahl der besten Spiele 1999. Es lohnt sich tatsächlich sehr, darauf zu achten, dem Gegner etwas kaputt zu machen, ihm Anlegemöglichkeiten zu verbauen - doch das reicht sicher nicht zum Sieg, sofern man es nicht schafft, zu verhindern, dass der Gegner an einer Seite irgendeine Mündung gelingt. Denn wenn das der Fall ist, wird natürlich mit Null multipliziert, und das ergibt bekanntlich Null (Punkte)... Ansonsten wird es nie reichen, nur zu verbauen. Gewinnen kann nur, wer sich auf seine Wege konzentriert - und konstruktiv bleibt. Und bevor man zu lange auf einen passenden Stein wartet, lieber nachzählen: jeden Stein gibt es nur viermal!

Der in Italien lebende Autor, Niek Neuwahl, hat hier auf seinem Spezialgebiet (strategische Brettspiele für zwei) ein Meisterwerk geschaffen. Ta Yü hab ich bislang rund hundert Mal gespielt, und immer war es neu, aufregend, spannend, zum Nägelkauen. Der hohe Preis ist zwar schade, erklärt sich aber durch das hochwertige Spielmaterial aus Plexiglas. Die graphische Gestaltung ist noch zu loben, sie rundet die Perfektion ab. Fazit: Sofort beschaffen!

Ta Yü von Niek Neuwahl, 2-4 Spieler ab 10 Jahren, Spieldauer ca. 30-45 Minuten, Kosmos (1999), Preis ca. 42 €

Michael Ziemons


Udo Möller <udomoeller@nikocity.de> 22.01.2002 11:43:

Besser kann man ein Spiel nicht beschreiben! Ta Yü gehört sicher zu den spielerischen Highlights der letzten Jahre, insbesondere was das Spiel für zwei Spieler angeht.

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