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Spielbesprechung Zug um Zug |
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Vielleicht lag es daran, dass Eisenbahnspiele sich unter Spielern ob ihrer naturgemäß eingeschränkten Thematik nicht uneingeschränkter Zuneigung erfreuen. Eventuell lag es daran, dass Days of Wonder hierzulande bislang weniger auffällig in Erscheinung getreten ist. Days of Wonder hat zwar in Deutschland ein recht ausgeprägtes Netz von Vertriebspartnern, insofern ist der Bezug des Spiels problemlos, doch Sitz der Gesellschaft ist Los Altos (USA) und Paris.
Auch ein Blick auf das weitere Material offenbart zunächst vermeintlich Bekanntes. Jeder der bis zu fünf Spieler verfügt über 45 Plastikwaggons in verschiedenen Farben. Darüber hinaus gibt es Waggonkärtchen mit verschiedenen Waggonmotiven in acht Farben (die aber unmittelbar nichts mit den Farben der Spielerwaggons zu tun haben). Beides - Waggons und Kärtchen - sind ansprechend designed und farblich eindeutig zu unterscheiden; die Kärtchen zeigen verschiedene Waggontypen, was aber spieltechnisch keinerlei Bewandtnis hat. Neben den Waggonkärtchen (12 pro Farbe) gibt es 14 Lokomotiven, die eine Joker-Funktion haben und daher farblich all' das beherbergen, was die restlichen Waggons schön von einander trennt. Schließlich gibt es noch Auftragskärtchen, auf denen sowohl graphisch als auch als Text angegeben ist, welche Bahnverbindungen es herzustellen gilt. Auch diese sind durchaus gelungen. Die Spielregel ist mit vier Seiten (incl. Einleitung und Vorbereitung) so kurz, dass man zunächst glauben könnte, etwas wurde vergessen. Wurde aber nicht! Sie beinhaltet tatsäch-lich alles, was der Bahnbauer braucht. Alles hat in der Schachtel seinen Platz, auch Dank der mitgelieferten Zipptütchen. |
Vancouver - New YorkWas ist also zu tun? Man zieht zu Beginn des Spiels vier Waggon- und drei Auftragskärtchen. Das ist die Ausgangssituation. Von den Auftragskärtchen müssen anfangs zwei behalten werden; der dritte Auftrag ist optional.
In manchen Fällen gibt es zwischen zwei Städten zwei parallele Verbindungen in verschiedenen Farben. Der Spieler hat dann die Wahl, sich für eine von beiden zu entscheiden. So versuchen die Spieler Ihre Aufträge zu erfüllen. Natürlich liegen die laut Auftrag zu verbindenden Städte nicht nebeneinander. Zuweilen liegen Start und Ziel an der Ost- und Westküste. Man hangelt sich dann von Stadt zu Stadt, um so aus Teilabschnitten eine durchgehende Verbindung herzustellen. Sofern einem kein anderer Spieler in die Quere kommt, soweit auch kein Problem. Hat man während des Spiels seine Aufträge bereits erfüllt, darf man sich neue Aufträge ziehen. Das macht Sinn, denn für jeden erfüllten Auftrag gibt es bei Spielende einen Bonus, der sich nach der Länge der Strecke richtet. Ist der Auftrag bei Spielende nicht erfüllt, erhält der Spieler einen Punkteabzug. Es gewinnt, wer mit seinen Waggons die meisten Punkte machen konnte. Dabei ist es entscheidend, auch längere Verbindungen zwischen zwei Städten zu errichten, denn je länger eine in einem Spielzug erstellte Verbindung (1-6 Felder) ist, desto mehr Punkte gibt es. (Für eine Zweierstrecke gibt's zwei Punkte, für eine Strecke von sechs Feldern 15 Punkte.) Trans America ? Union Pacific? Alhambra?Spielfreunde haben bereits bei Bekanntgabe der Auszeichnung zum Spiel des Jahres ein wenig gezuckt. "Ein Eisenbahnspiel?" Das x-te in einer Reihe mehr oder weniger eingleisig verlaufender Spielideen? Nun, nicht ganz konnte Alan R. Moon diese Kritiker eines Besseren belehren. Die optischen Parallelen zu Union Pacific sind da noch der geringste Einwand. Von der Spielsystematik her kommt man allerdings weder am Vergleich mit Alhambra (Geld sammeln, um Palastteile zu bauen) und schon gar nicht an Trans America vorbei. Wenn man es mal ganz kritisch sieht, bietet "Zug um Zug" gar nichts Neues. Keine Systematik, nichts Überraschendes, noch nicht mal das Spielmaterial.
Dennoch ist aber die Frage erlaubt, ob man sich das Spiel auch dann zulegen würde, wenn das Prädikat "Spiel des Jahres" nicht die Spieleschachtel zieren würde. Guckt man sich um, was der Spielejahrgang 2003/2004 alles hervorgebracht hat, kommen einem Zweifel an der Bedeutung der populärsten deutschen Spieleauszeichnung. Wer also noch kein Eisenbahnspiel hat und ein kurzweiliges, familiengerechtes Spiel sucht, der kann sich "Zug um Zug" bedenkenlos kaufen. Er lasse dabei das Emblem "Spiel des Jahres" unbeachtet und beschränke sich auf das Wesentliche. Damit wird das Spiel den daran gestellten Ansprüchen gerecht. Zug um Zug von Alan R. Moon, Graphik: Cyrille Daujean, 2-5 Spieler ab 8 Jahren, Spieldauer 30-60 Minuten, Preis ca. 25,- EUR, Days of Wonder (2004). Axel Bungart |
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| Letzte Änderung: 16.04.2008 15:38 |
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