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Spielbesprechung

Zug um Zug


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Cover"Das Spiel des Jahres 2004 heißt "Zug um Zug" und kommt vom Verlag Days of Wonder." Mit dieser Aussage (sinngemäß) versetzte die Jury Spiel des Jahres zumindest einen Teil der Fachwelt aber auch der fachlich nicht minder interessierten Welt der Spieler in Erstaunen.

Vielleicht lag es daran, dass Eisenbahnspiele sich unter Spielern ob ihrer naturgemäß eingeschränkten Thematik nicht uneingeschränkter Zuneigung erfreuen. Eventuell lag es daran, dass Days of Wonder hierzulande bislang weniger auffällig in Erscheinung getreten ist. Days of Wonder hat zwar in Deutschland ein recht ausgeprägtes Netz von Vertriebspartnern, insofern ist der Bezug des Spiels problemlos, doch Sitz der Gesellschaft ist Los Altos (USA) und Paris.

SpielplanIndes muss man kaum etwas zum Autor sagen. Mit dem Namen Alan R. Moon erinnern wir uns an Elfenland (Spiel des Jahres 1998) und an Union Pacific aus dem Jahr 1999. An letzteres erinnert uns aber nicht nur der Name, denn wenn wir die Schachtel von Zug um Zug öffnen und den großen Spielplan entfalten, müssen wir zunächst noch einen zweiten Blick auf das Schachtel-Cover werfen, ob wir uns nicht vergriffen haben. Der Plan ähnelt dem von Union Pacific fast geschwisterlich. Da es sich bei beiden Spielen vom Grundsatz her um eine Landkarte der USA handelt, auch nicht weiter verwunderlich.

Auch ein Blick auf das weitere Material offenbart zunächst vermeintlich Bekanntes. Jeder der bis zu fünf Spieler verfügt über 45 Plastikwaggons in verschiedenen Farben. Darüber hinaus gibt es Waggonkärtchen mit verschiedenen Waggonmotiven in acht Farben (die aber unmittelbar nichts mit den Farben der Spielerwaggons zu tun haben). Beides - Waggons und Kärtchen - sind ansprechend designed und farblich eindeutig zu unterscheiden; die Kärtchen zeigen verschiedene Waggontypen, was aber spieltechnisch keinerlei Bewandtnis hat. Neben den Waggonkärtchen (12 pro Farbe) gibt es 14 Lokomotiven, die eine Joker-Funktion haben und daher farblich all' das beherbergen, was die restlichen Waggons schön von einander trennt.

Schließlich gibt es noch Auftragskärtchen, auf denen sowohl graphisch als auch als Text angegeben ist, welche Bahnverbindungen es herzustellen gilt. Auch diese sind durchaus gelungen.

Die Spielregel ist mit vier Seiten (incl. Einleitung und Vorbereitung) so kurz, dass man zunächst glauben könnte, etwas wurde vergessen. Wurde aber nicht! Sie beinhaltet tatsäch-lich alles, was der Bahnbauer braucht.

Alles hat in der Schachtel seinen Platz, auch Dank der mitgelieferten Zipptütchen.
 

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Vancouver - New York

Was ist also zu tun? Man zieht zu Beginn des Spiels vier Waggon- und drei Auftragskärtchen. Das ist die Ausgangssituation. Von den Auftragskärtchen müssen anfangs zwei behalten werden; der dritte Auftrag ist optional.

WaggonsDie restlichen Waggonkarten bilden den Nachziehstapel. Zudem liegen immer fünf Waggonkarten offen aus, von denen sich ein Spieler bis zu zwei Karten ziehen darf, wenn er an der Reihe ist. Sollte sich ein Spieler eine Lokomotive - also einen Joker - ziehen, darf er keine zweite Karte nachziehen. Hat ein Spieler auf diese Weise ausreichend Karten gesammelt (es gibt kein Handlimit), darf er, wenn er wieder an der Reihe ist, eine Verbindung zwischen zwei Städten herstellen. Dazu legt er die Anzahl an Waggonkarten ab, die als farbige Felder auf dem Plan zwischen zwei Städten liegen, die er verbinden will, und zwar genau in der erforderlichen Farbe (z.B. sechs schwarze Felder (= sechs schwarze Karten) zwischen Los Angeles und El Paso). Auf die entsprechenden Felder stellt er dann Waggons seiner Farbe. Damit zeigt er an, dass er diese Verbindung hergestellt hat.

In manchen Fällen gibt es zwischen zwei Städten zwei parallele Verbindungen in verschiedenen Farben. Der Spieler hat dann die Wahl, sich für eine von beiden zu entscheiden. So versuchen die Spieler Ihre Aufträge zu erfüllen. Natürlich liegen die laut Auftrag zu verbindenden Städte nicht nebeneinander. Zuweilen liegen Start und Ziel an der Ost- und Westküste. Man hangelt sich dann von Stadt zu Stadt, um so aus Teilabschnitten eine durchgehende Verbindung herzustellen. Sofern einem kein anderer Spieler in die Quere kommt, soweit auch kein Problem.

Hat man während des Spiels seine Aufträge bereits erfüllt, darf man sich neue Aufträge ziehen. Das macht Sinn, denn für jeden erfüllten Auftrag gibt es bei Spielende einen Bonus, der sich nach der Länge der Strecke richtet. Ist der Auftrag bei Spielende nicht erfüllt, erhält der Spieler einen Punkteabzug.

Es gewinnt, wer mit seinen Waggons die meisten Punkte machen konnte. Dabei ist es entscheidend, auch längere Verbindungen zwischen zwei Städten zu errichten, denn je länger eine in einem Spielzug erstellte Verbindung (1-6 Felder) ist, desto mehr Punkte gibt es. (Für eine Zweierstrecke gibt's zwei Punkte, für eine Strecke von sechs Feldern 15 Punkte.)

Trans America ? Union Pacific? Alhambra?

Spielfreunde haben bereits bei Bekanntgabe der Auszeichnung zum Spiel des Jahres ein wenig gezuckt. "Ein Eisenbahnspiel?" Das x-te in einer Reihe mehr oder weniger eingleisig verlaufender Spielideen? Nun, nicht ganz konnte Alan R. Moon diese Kritiker eines Besseren belehren. Die optischen Parallelen zu Union Pacific sind da noch der geringste Einwand. Von der Spielsystematik her kommt man allerdings weder am Vergleich mit Alhambra (Geld sammeln, um Palastteile zu bauen) und schon gar nicht an Trans America vorbei. Wenn man es mal ganz kritisch sieht, bietet "Zug um Zug" gar nichts Neues. Keine Systematik, nichts Überraschendes, noch nicht mal das Spielmaterial.

Lok-KarteOhne Frage: Es ist ein unterhaltsames und kurzweiliges Spiel mit einem wirklich schnellen Zugang. Dazu trägt auch die gute Spielregel bei. Man spielt zwei, drei Partien hintereinander; je mehr Mitspieler, desto interessanter der Spielverlauf. Zu zweit wird es übersichtlicher und planbarer, verliert aber an Interaktion. Drei bis vier Spieler sind Bestbesetzung. Es lebt halt vom sich-gegenseitig-die-Wege-abschneiden. Dann sucht man Um- und Auswege, um doch noch seine Städte zu erreichen. Außerdem stellt sich häufig die Frage weiterzusammeln, um so eine lange, punkteträchtige Strecke zu bauen, oder lieber auslegen, um sich eine kürzere Verbindung zu sichern, bevor ein anderer es tut. Das birgt zuweilen Spannung bis zum Schluss.

Dennoch ist aber die Frage erlaubt, ob man sich das Spiel auch dann zulegen würde, wenn das Prädikat "Spiel des Jahres" nicht die Spieleschachtel zieren würde. Guckt man sich um, was der Spielejahrgang 2003/2004 alles hervorgebracht hat, kommen einem Zweifel an der Bedeutung der populärsten deutschen Spieleauszeichnung.

Wer also noch kein Eisenbahnspiel hat und ein kurzweiliges, familiengerechtes Spiel sucht, der kann sich "Zug um Zug" bedenkenlos kaufen. Er lasse dabei das Emblem "Spiel des Jahres" unbeachtet und beschränke sich auf das Wesentliche. Damit wird das Spiel den daran gestellten Ansprüchen gerecht.

Zug um Zug von Alan R. Moon, Graphik: Cyrille Daujean, 2-5 Spieler ab 8 Jahren, Spieldauer 30-60 Minuten, Preis ca. 25,- EUR, Days of Wonder (2004).

Axel Bungart

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Weitere Infos über "Zug um Zug":
despielbox.de deLuding enBoardgameGeek
deSpielefindex deGoogle
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Letzte Änderung: 16.04.2008 15:38 
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