Spielbesprechung
Mit den Spielethemen ist das so eine Sache. Da denkt sich ein Autor ein neues Spiel aus, findet ein adäquates Thema - und dann muß er das ganze in die Tonne treten, weil ein anderer Verlag dasselbe Thema aufgegriffen hat. Beim Zeus sollte ursprünglich in Shanghai spielen, dann kam das Ravensburger Shanghai. Nun ist das Spiel in Griechenland gelandet.
Dort werden ein paar Bauplätze für neue Tempel angeboten, jeweils gruppiert zu einzelnen Arealen. Immer wenn ein Spieler an die Reihe kommt, werden drei Grundstücke feilgeboten, die von einem Kartenstapel aufgedeckt werden. Wenn er sich zum Kauf entschließt, hat er allerdings sofort die Konkurrenz am Hals: Alle Spieler bieten nämlich geheim mittels einer Drehscheibe einen Kaufpreis.
Der Meistbietende darf sich eins der drei Grundstücke aussuchen, der nächste nimmt sich das zweite Grundstück. Das dritte - Irrtum, lieber Leser, das dritte Grundstück wird wieder vom Markt genommen und kommt später wieder ins Spiel. Es gibt also immer nur zwei Käufer, die anderen gehen leer aus.
Jeder Käufer zahlt den Kaufpreis und schreibt sich auf, wieviel Geld er für das Bauland ausgegeben hat. Warum, erkläre ich gleich.
Wer am Zug ist, muß aber kein Grundstück kaufen. Er kann sich auch entschließen, einen Tempel zu bauen. In dem Fall gehen die Grundstückskarten gleich auf den Ablagestapel und die anderen Spieler, die schon auf ein Schnäppchen hoffen, müssen sich auf später vertrösten lassen, denn früher oder später müssen alle Grundstücke einen Käufer finden.
Die Tempel, die gebaut werden können, sind 1, 2 oder 3 Bauplätze groß und kommen in Form von Pappkärtchen, die auf den Spielplan gelegt werden. Natürlich kostet so ein Tempelbau Geld, gemeinerweise genauso viel, wie auch die Grundstücke gekostet haben, auf denen der Bau errichtet wird. Darum also müssen die Kaufpreise notiert werden. Und irgendwann merkt es auch der letzte: Es lohnt sich nicht, maßlos beim Kauf zu bieten, wenn hinterher das nötige Baugeld fehlt, denn unbebaute Grundstücke sind wertlos.
Am Ende werden die Besitztümer bewertet. Wobei jeder Tempel - je nach Größe - einen gewissen Grundwert hat. Der multipliziert sich aber mit der Anzahl der Tempel, die in dieser Größe von allen Spielern gebaut worden sind. Gibt's am Ende beispielsweise nur einen 3er-Tempel, ist der 150 wert, gibt es aber 6 davon, ist jeder von ihnen das Sechsfache, also 900 wert.
Wem es gelingt, ganz allein auf einem Areal zu bauen, dem winkt noch eine fette Prämie, denn die Götter belohnen Monopolisten, wenigstens in diesem Spiel - und das mit Recht, denn die anderen Spieler haben die Chance, so etwas zu verhindern, wenn sie nicht nur ihre eigene Scholle im Blick haben. Daß der reichste Tempelbauer gewinnt, brauche ich wohl kaum noch zu erwähnen.
Beim Zeus wurde von Klaus Palesch erdacht, der mit dem genialen Kartenspiel Sticheln die Szene betrat. Seit damals bin ich ein Fan von ihm, denn auch sein Hattrick fand ich gelungen (und sein Palle ist noch besser, aber bisher noch nicht auf dem Markt). Die Begeisterung für Beim Zeus, sein erstes Brettspiel, hält sich bisher allerdings in Grenzen.
Für das Spielmaterial kann er nichts. Das ist zwar reichhaltig, aber nicht perfekt. So werden die Kaufpreise mit Hilfe einer Drehscheibe geboten. Beim Aufdecken des Gebots müssen Sie die Zeiger gut festhalten, sonst stehen sie ganz woanders, als Sie sie geheim eingestellt haben. Eigentlich sind die Drehscheiben überflüssig; einfacher geht's, wenn man geheim unter der Tischplatte die entsprechenden Geldscheine in die Hand nimmt. Das Geld sollte man tunlichst ohnehin geheimhalten.
Einmal während des Spiels darf jeder Spieler einen Tempel vergrößern oder auch zu kleine zu einem größeren zusammenlegen. Das sollte man wörtlich nehmen. Bei uns tauchte während des Spiels die Frage auf, ob man aus zwei L-förmig angeordneten 2er-Tempeln auch einen 3er- und einen 1er-Tempel machen kann. Die Regel sagt dazu nichts, wir haben uns für Nein entschieden.
Die Währung des Spiels sind Stiere, jedenfalls in der Spielanleitung. Auf dem Spielgeld steht EURO, wenn auch in griechischen Buchstaben. Vielleicht ist das ja die griechische Übersetzung für EURO. Vielleicht ist das jetzt auch etwas pingelig.
Genug der Äußerlichkeiten, wie ist das Spiel? Nach den ersten beiden Partien mit 3 und 5 Spielern stufe ich's nur als Mittelklasse ein. Für eine Spieldauer von über einer Stunde reichte uns die Spannung nicht aus. Die Interaktion zwischen den Spielern beschränkt sich auf die Ersteigerung der Grundstücke (kann dabei dann aber recht heftig werden - im positiven Sinn). Sicher, auch beim Tempelbau schaut man, was die anderen denn so gebaut haben, denn jeder Bau vermehrt auch den Reichtum der anderen. Doch die Grundwerte der Tempel liegen zu weit auseinander, als daß es sich lohnen würde, lieber einen kleineren zu bauen, um die Werte der größeren nicht zu steigern, besonders, weil ein großer Tempel auch mir selbst sehr viel mehr Reichtum beschert.
Was uns fehlte, waren überraschende Wendungen (damit meine ich nicht Zufallselemente), vielleicht die Möglichkeit, Grundstücke den Besitzer wechseln zu lassen, oder Tempel wieder abzuwerten (z.B. wegen zu dichter Bebauung). Eventuell fällt Ihnen ja zu diesem Thema noch was ein?
Beim Zeus! von Klaus Palesch, 3-6 Spieler, Kosmos Spiele-Galerie, Preis: ca. 59 DM
PS:
Es war der pure Zufall, aber nachdem ich die Spielbesprechung "im Kasten" hatte, rief Klaus Palesch an. Er widersprach meinen Rechnereien und meinte, es sei durchaus möglich, das Spiel auch mit kleinen Tempeln zu gewinnen. Die Grundwerte der Tempel sind in vielen Testrunden ausgeklügelt worden. Wenn die anderen Spieler geschickt spielen, kann ein Einzelner am Sieg gehindert werden, obwohl er auf 3er-Tempel gesetzt hat. Wir werden's ausprobieren, und wenn sich daraus neue Erkenntnisse ergeben, dann lesen Sie's an dieser Stelle.
KMW