Spielbesprechung
Ein neuer Stadtteil wird zum Leben erweckt. Das Gelände wurde parzelliert und in Areale zu je vier Grundstücken eingeteilt, teils quadratisch, teils rechteckig. Für ein Minimum an Parkanlagen wurde bereits gesorgt. Auch die Lage der ersten Wohn-, Industrie- und Handelsgebiete steht schon fest, als die Spieler die Szenerie betreten.
Jeder spielt eine Doppelrolle: Einerseits stimmt er darüber ab, welcher Nutzung ein Areal zugeführt werden soll, entscheidet also mit, wenn die Art der Bebauung festgelegt wird. Andererseits versucht er, möglichst lukrative Grundstücke zu kaufen, um dann, wenn der Wert eines Areals ermittelt wird, einen möglichst großen Reibach zu machen.
Der Bürgermeister, dessen Rolle von Runde zu Runde wechselt, legt zunächst fest, über welches unbebaute Gebiet abgestimmt wird. Genau genommen kann er sich allerdings nur für eine der zwei Spielplanhälften entscheiden. Das Areal selbst wird per Zufall ermittelt, ebenso, ob in derselben Runde noch über ein zweites Areal abzustimmen ist.
Sobald das Gelände feststeht, entscheiden alle Spieler in geheimer Wahl über den Bebauungsplan, also darüber, ob dort Wohnräume, Industrie oder Handelszentren angesiedelt werden sollen. Dazu hat jeder eine Stimme, kann aber einmal im Spiel seine Lobby mit einer zweiten Stimme einsetzen. Bei einem Patt gibt die Stimme des Bürgermeisters den Ausschlag.
Steht die Nutzungsart fest, entscheiden alle Spieler, wo sie wie viele Grundstücke kaufen wollen. Auch das geschieht in geheimer Wahl. Entscheiden sich mehrere für dasselbe Areal, gehen manche leer aus, weil jedes nur über genau vier Grundstücke verfügt.
Der Preis eines Grundstücks hängt davon ab, ob die Nutzungsart bereits feststeht oder nicht. Außerdem steigt der Preis überproportional, wenn jemand gleich zwei oder drei Grundstücke kauft.
Sind die Grundstücksgeschäfte abgeschlossen, wird der Wert festgestellt. Das gilt aber nur für Areale, deren Bebauung bereits feststeht und deren Grundstücke alle verkauft wurden. Die Wertermittlung ist ganz einfach. Jedes Grundstück ist so viel wert, wie Areale mit Bebauungsplänen benachbart sind. Dieser Wert verdoppelt sich, wenn die Nutzung sinnvoll ist (beispielsweise, wenn ein Handelszentrum neben zwei Wohngebieten liegt). Einen zusätzlichen Bonus gibt es, wenn alle Grundstücke in nur einer oder zwei Händen sind. Wer clever gekauft hat und die Planung zu seinen Gunsten beeinflussen konnte, kann kräftig abkassieren.
Der Wert wird sofort in bar ausbezahlt - und ist dann für den Rest des Spiels uninteressant, denn jedes Grundstück wird nur einmal abgerechnet.
Das Spiel endet, wenn für alle Areale ein Bebauungsplan verabschiedet wurde. Und natürlich gewinnt der Spieler mit dem größten Vermögen.
Downtown ging als Sieger aus dem diesjährigen Wettbewerb für Spieleautoren hervor (siehe spielbox 2/96). Der ursprüngliche Titel (Boom-town) wurde geändert, um Verwechslungen mit dem gleichnamigen Spiel von Ian Livingstone zu vermeiden. Der Autor, Bernhard Weber, ist ein Neuling in der Szene, Downtown ist seine erste Spielentwicklung.
Um so erstaunlicher die Qualitäten des Spiels, denn Downtown hat alle Elemente, die ein gutes Spiel ausmachen: jede Menge Interaktion, alle Spieler sind ständig am Spielgeschehen beteiligt, es gibt kein Warten auf den nächsten Zug, trotz einer Spieldauer von etwa 60 Minuten läßt die Spannung bis zum Schluß nicht nach, die Kommunikation kommt nicht zu kurz, das Thema paßt perfekt zum Spiel. Die Grafik besorgte Doris Matthäus. Trotzdem ist das Spielmaterial eher nüchtern geraten, doch hätte eine andere Lösung sicherlich der Übersichtlichkeit geschadet, die man im Spiel dringend braucht.
Downtown ist das neue "große" Abacus-Spiel dieses Jahres. Doch steckt eigentlich ein anderer Verlag dahinter. Die "Grünspan-Spiele GbR mbH" wurde im Mai gegründet und ging mit Abacus eine Kooperation ein, um den Vertrieb des Spiels zu sichern.
Eine Bewertung des Spiels muß ich mir verkneifen, weil ich es noch nicht zu fünft oder sechst gespielt habe und auch das Spielmaterial noch nicht fertig produziert vorlag. Nach den ersten zwei Partien würde auf jeden Fall eine 7 im Bewertungskasten stehen.
Downtown von Bernhard Weber, 3-6 Spieler, Spieldauer: ca. 60 Minuten, Verlag: Abacus, Preis: ca. 49 DM
KMW