Spielbesprechung
Vegas - das suggeriert Casino-Atmosphäre, Zocken, Spaß, Spannung. Zwei der vier Gestalten, die das Schachtel-Cover des Haupttitels aus dem Ravensburger Neuheitenprogramm bevölkern, lassen mit ihrem gelangweilten Gesichtsausdruck Zweifel daran aufkommen, ob diese Erwartungen gerechtfertigt sind.
Der Spielplan zeigt 14 Spieltische, an denen gezockt wird. (Warum die Tische auf einem gekachelten Fußboden stehen, der so aussieht wie mein altes Badezimmer, wollen wir hier nicht näher untersuchen). Die Spieltische sind unterschiedlich groß - von 3 bis zu 15 Spielfeldern. Entsprechend unterschiedlich ist auch die Punktzahl, die in Form eines Gewinn-Chips an einem Spieltisch zu gewinnen ist. Die Spielfelder sind mit Würfelzahlen bedruckt.
Das Spielprinzip ist denkbar einfach: Jeder Spieler nimmt an einem Spieltisch Platz. Wer an der Reihe ist, würfelt und belegt das gewürfelte Spielfeld mit einem Chip. Liegt dort schon ein fremder Chip, wird er durch den eigenen ersetzt.
Sind alle Felder eines Spieltisches belegt, wird er abgerechnet. Wer die meisten Chips liegen hat, der hat den Spieltisch gewonnen und kassiert den entsprechenden Gewinn-Chip in Höhe des Spieltisch-Wertes. Das ist jedoch nicht die einzige Möglichkeit, Spieltische abzurechnen. Eine zweite bietet "Mary Chip". Diese Lady streift als Spielfigur durch den Spielsaal von Spieltisch zu Spieltisch. Immer wenn eine 1 gewürfelt wird, geht sie einen Schritt weiter. Kommt sie an einen Spieltisch, wird dieser abgerechnet, egal, wie viele Spielfelder hier schon belegt sind.
Bleibt noch zu erwähnen, daß jeder Spieler noch eine Handvoll Karten mit ins Spiel nimmt, mit denen er gezielt auf Spielfelder oder auch an anderen Spieltischen setzen kann (das Wechseln des Spieltisches kostet ihn sonst einen ganzen Spielzug).
Am Ende gewinnt, wer den höchsten Wert an Gewinn-Chips kassieren konnte, wer also die lukrativsten Spieltische "erobert" hat.
Das wär dann auch schon alles, was es zum Spiel zu sagen gibt. Das Spielmaterial ist dem Thema adäquat (die Chips sind transparent und glitzern...). Daß als "Spielkarten" keine richtigen Karten, sondern ein Stanzbogen mit eben diesen geliefert wird, ist ein Faux-Pas. Und die Schachtel ist mal wieder viel zu voluminös.
Und der Spielreiz? Ehrlich gesagt: von "Spiel, Spaß, Spannung" ist nicht so viel zu spüren. Das Spiel funktioniert - mehr aber auch nicht. Wer's noch nicht kennt, wird das Spiel gern mal spielen und dann auch bis zum Ende durchhalten. Ob er's dann aber später noch einmal auf den Spieltisch holt, ist eher fraglich.
Vegas von Reiner Knizia für 2-4 Spieler ab 12 Jahren, Ravensburger Spiele
KMW