Erster Eindruck

Mexica

CoverMit der "Maske in Blau" ist die Trilogie komplett, die mit Tikal im Frühjahr 1999 begann und eineinhalb Jahre später mit Java fortgesetzt wurde. Alle Spiele haben Gemeinsamkeiten: dasselbe Autorenteam, denselben Grafiker, verwandte Spielthemen, ähnliche Abläufe. Schon beim zweiten Spiel stießen diese Übereinstimmungen nicht immer auf Begeisterung. Manche bezeichneten Java "nur" als besseres Tikal, die Jury ignorierte das Spiel. Völlig zu Unrecht, wie wir meinen. Doch damit wird deutlich, dass Mexica ein schweres Erbe antritt.

Mexica ist der spätere Name der Azteken. Sie gründeten 1325 auf einer Insel im Texcoco See die Stadt Tenochtitlán. Heute liegt an dieser Stelle Mexico City. Der Aufbau Tenochtitláns ist Thema des Spiels.

Der großflächige Spielplan zeigt den Bauplatz der Stadt, die Insel, die von einem Raster quadratischer Spielfelder bedeckt ist. An einer Seite wurde bereits mit dem Bau eines Kanals begonnen. Kanäle zu bauen ist eine der Möglichkeiten, die ein Spieler hat, wenn er am Zug ist. Die Kanalstücke sind meist zwei Felder lang. Sie trennen die verschiedenen Stadtbezirke voneinander. Zu Beginn des Spiels ist die gesamte Insel ein einziger Bezirk, im weiteren Verlauf zerfällt sie in viele kleinere Bezirke.

Eine Stadt besteht aus Gebäuden. In Tenochtitlán sind das Pyramiden unterschiedlicher Höhe. Entsprechend unterschiedlich sind die Baukosten, die sie verursachen. Im Spiel heißen diese Baukosten Aktionspunkte und davon hat jeder Spieler Runde um Runde ein gewisses Kontingent zur Verfügung, das er beliebig auf seine Aktionen aufteilen kann. Der Häuserbau ist eine davon. Natürlich reichen diese Aktionspunkte oft hinten und vorne nicht, um alles das zu unternehmen, was man möchte. Interessant ist deshalb die Möglichkeit, sich - anders als in anderen Spielen - Aktionspunkte für spätere Runden aufzusparen.

Mexica Spielmaterial

Um ein Haus zu bauen, muß ich mit meiner Spielfigur - der einzigen, die ich im Spiel habe - im selben Bezirk stehen. Die Entfernung zum Bauplatz spielt dabei keine Rolle. Konkret bedeutet das: Zu Beginn, wenn die Insel noch ein einziger Bezirk ist, kann ich mit meiner Figur im hohen Norden stehen und im tiefen Süden eine Pyramide bauen. Später, wenn durch den Kanalbau mehrere Bezirke entstanden sind, muß ich größere Wege in Kauf nehmen, um einen gewünschten Bauplatz zu erreichen.

An Land komme ich nur mühsam und von Feld zu Feld voran. Um einen Kanal zu überqueren, muß ich dort eine Brücke bauen. Brücken bieten mir aber gleichzeitig eine Möglichkeit, mich auf dem Wasserweg fortzubewegen und dabei sehr viel größere Entfernungen zurückzulegen, denn die Kosten für die Fortbewegung sind dort sehr viel geringer.

Natürlich hat auch Mexica die berühmte Kramerleiste, auf der die Punktwertung angezeigt wird. Noch hat sich dort aber nichts getan, denn die bisherigen Aktionen bringen noch keine unmittelbaren Punkte. Dazu muß ich erst einen Bezirk "gründen". Das kostet mich keine Aktionspunkte, bringt mir aber halb so viele Wertungspunkte ein, wie der Bezirk Felder groß ist. Das Dilemma: Die Größe des Bezirks wird von "Calpulli"-Plättchen vorgeschrieben. Von diesen Plättchen wurde etwa die Hälfte bei Beginn des Spiels aufgedeckt. Sie zeigen Zahlen von 3 bis 13, diese Zahlen schreiben vor, wie groß der Bezirk sein muss, den ich mit diesem Plättchen gründen kann.

Wenn ich einen Bezirk gründe, wird er dadurch nicht mein Eigentum. Aber durch die Gründung habe ich festgelegt, dass er an der ersten großen Wertung teilnimmt. Denn diese Wertung ist ausschließlich gegründeten Bezirken vorbehalten. Die Punkte, die vergeben werden, richten sich nach der Größe des Bezirks. Wer die Punkte bekommt, richtet sich nach der Anzahl der Pyramidenstockwerke, die die einzelnen Spieler dort verbaut haben. Klar, dass ich mir unter diesen Umständen genau überlegen muss, wann ich einen Bezirk gründe, um dann dort möglichst auch noch die Bauhoheit zu haben. Gemeinerweise kann ich auch keine Gebäude nachträglich aufstocken oder ausbauen.

Die erste Wertung findet statt, wenn alle Calpulli-Plättchen vergeben sind, die vorgegebene Anzahl von Bezirken also gegründet wurde. Außerdem muss einer der Spieler alle Pyramiden verbaut haben. Danach beginnt der zweite Teil des Spiels, von der Dauer her ungefähr das dritte Drittel. Die restlichen Gebäude kommen ins Spiel, ebenso die restlichen Calpulli-Plättchen, die nicht unbedingt alle mehr verbraucht werden. Am Ende des Spiels findet eine zweite Wertung statt, an der wieder alle gegründeten Bezirke beteiligt, auch die, die bereits beim ersten Mal gewertet wurden. Zusätzlich werden aber auch alle übrigen Bezirke gewertet, also nicht nur die gegründeten.

Nein, nach bisher nur einer einzigen gespielten Partie werde ich kein Fazit ziehen. Fakt ist, dass uns das Spiel Spaß gemacht hat, dass es inklusive Regelerklärung 105 Minuten gedauert hat, dass es sich zügiger spielt als Java, ganz einfach, weil sich die Probleme, die manch einer beim Legen der Java-Landschaften hatte, hier nicht stellen. Ähnlichkeiten? Klar, auch Mexica ist wieder ein Aufbauspiel mit Aktionspunkten und Wertungen. Aber da erschöpfen sich dann auch schon die Parallelen zu den Vorgängern. Erfreulicherweise gibt's bei Mexica mehr Interaktion durch das Wettbauen in den Bezirken. Und die Spielweise ist doch eine ganz andere, so dass, wer Java oder Tikal bereits hat, Mexica nicht als überflüssige Anschaffung empfinden wird.

Für ein endgültiges Urteil über Mexica werden wir noch viele Partien spielen müssen. Dafür endete unsere erste Begegnung mit dem Spiel zu merkwürdig. Nach der ersten Wertung hatte uns der Zufall für den zweiten Teil des Spiels ein einziges "fettes" Calpulli-Plättchen beschert, das sofort eingesetzt werden konnte. Die restlichen Plättchen waren "Kleinkram", würden also bei einer Bezirksgründung und auch den Wertungen nur wenige Punkte bringen. Daraufhin setzte eine Mitspielerin in nur einem einzigen Zug weite Teile der Insel durch Kanalbau gezielt so unter Wasser, dass ein sehr grossflächiger Bezirk entstand. Da sie alle Kanalteile verbaut hatte, konnten keine weiteren Bezirke gebildet, von den vorhandenen auch keine mehr gegründet werden. Und da sie noch die meisten Pyramiden besaß, brachte ihr die Bauhoheit in dem Großbezirk am Ende auch den Sieg. Jetzt, da wir wissen, dass so etwas möglich ist, werden wir das in künftigen Partien natürlich zu verhindern wissen...

Mexica von Michael Kiesling und Wolfgang Kramer, Grafik: Franz Vohwinkel, 2-4 Spieler ab 10 Jahren, Spieldauer: 60-75 Minuten, Ravensburger (2002)

KMW, 08.01.2002

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