Spielbesprechung

Showmanager

Premiere in Troisdorf

Die Wohnzimmer-Produktion von Barbara Weber und Dirk Henn, die unter dem Markenzeichen "db-Spiele" Dirks Spielideen zusammenkleben und als Buchkassette (ebenfalls selbstgemacht) unter die Leute bringen, hat ihren eingeschworenen Fan-Club. Kein Wunder, war doch bisher kein Flop unter den Spielen. Der gewöhnliche Spielekäufer kannte die Spiele bisher nicht (ok, es gab schon mal eine Ausnahme: Hexenstich bei Klee). Jetzt könnte sich der Fan-Club schlagartig vergrößern, denn Queen Games hat das Spiel Premiere unter dem Titel Showmanager ins Programm genommen.

Jeder Spieler schlüpft in die Rolle eines Impresarios, der Künstler für die Aufführung verschiedener Musicals verpflichtet. Jeder Künstler hat Talente für bestimmte Rollen in bestimmten Musicals, welche ist auf den Künstlerkarten abzulesen. Eine Agentur bietet regelmäßig vier Künstler zu unterschiedlichen Gagen an. Wird einer engagiert, rücken die anderen auf und werden billiger.

...uuuuunnnd Action!

Sobald ein Spieler die geeigneten Karten auf der Hand hält, also die entsprechenden Leute engagiert (und dafür bezahlt) hat, kann er ein Musical inszenieren. Vier verschiedene können aufgeführt werden, alle mit unterschiedlich vielen Hauptdarstellern. Die Talente der Künstler verhelfen dem Musical zu Punkten. Bei einer Idealbesetzung (jede Rolle wurde mit einem dafür talentierten Künstler) besetzt, gibt's Bonuspunkte.

Wer ein Musical als erster aufführt, kann sich den Aufführungsort aussuchen. Vom Spitzenplatz New York bis zum Provinznest Troisdorf (dort sind übrigens Queen Games beheimatet) stehen 5 verschiedene Städte zur Wahl - mit unterschiedlichen Auswirkungen. Ein Top-Musical in New York bringt zwar in der Endabrechnung die meisten Punkte; fällt es aber durch, sind die New Yorker gnadenlos, während die Troisdorfer so dankbar für jedes kulturelle Ereignis sind, daß sie selbst einem Mißerfolg noch Beifall zollen.

Hat ein Musical Premiere gefeiert und der Aufführungsort steht fest, so müssen auch die Aufführungen der anderen Spieler hier stattfinden. Es ist zwar unrealistisch, daß 6 verschiedene Inszenierungen desselben Musicals in derselben Stadt zu sehen sind, im Interesse des Spiels muß man diese kleine Ungereimtheit aber in Kauf nehmen.

Hitparade

Innerhalb einer Stadt entsteht eine "Hitparade" der Musicals, die sich aus ihrem Punktwert ergibt (der sich seinerseits aus den Talenten der Künstler ableitet). Dummerweise reicht das Geld der Spieler nicht aus, um bis zum Ende Künstler zu engagieren. Sie erhalten nur ihr Startgeld, während des Spiels gibt's keine weiteren Einnahmen. Da helfen nur Kredite. Quasi als Sicherheit verlangt die Bank, daß die aufgeführten Musicals beliehen werden. Das wirkt sich aber direkt auf den Punktwert aus, der durch eine Kreditaufnahme entsprechend reduziert werden muß und des Musical in der Hitparade womöglich abrutschen läßt.

Und noch eine Gemeinheit hält das Spiel bereit: Wer glaubt, zunächst mal ohne Ende Künstler verpflichten zu können, um bei der Inszenierung dann die große Auswahl auf der Hand zu halten, hat sich verrechnet. Nach einer Inszenierung dürfen Sie nur noch zwei Karten übrig behalten. Wer die ideale Besetzung für ein Musical mit 3 Hauptdarstellern eingesammelt hat, kann es nicht aufführen, wenn er 6 oder mehr Künstler auf der Hand hält. Dumm gelaufen!

Am Ende gewinnt, wer mit seinen Musicals die meisten Punkte einfährt. Dabei zählen ausschließlich die Punkte der Hitparade auf dem Spielplan.

Showmanager ist ein rundum gelungenes Spiel mit hohem Wiederspielreiz, kurzweilig, abwechslungsreich, spannend. Einer der Highlights des Spiele-Jahrgangs 1997!

Showmanager

von Dirk Henn, 2-6 Spieler, Queen Games, Preis: ca. 59 DM

KMW


Hannes Ernst <hannes-ernst@bluewin.ch> 02.01.2002 15:35:

Wer Premiere oder Showmanager noch nicht besitzt, hat seit Herbst 2001 die Gelegenheit, das immer noch sehr gute Spielprinzip in ganz anderer Aufmachung zu erwerben. ATLANTIC STAR heisst das neue Spiel, das gar nicht so neu ist : der Spielmechanismus wurde unverändert von Showmanager übernommen.

Statt vier Musicals mit 3, 4, 5 oder 6 Rollen zu inszenieren, müssen in ATLANTIC STAR vier Rundreisen durchgeführt werden. Die Reisen finden auf der Ostsee, dem Mittelmeer, dem Atlantik und auf dem Pazifik statt und bestehen aus 3, 4, 5 oder 6 Streckenabschnitten.

Statt Schauspieler, die für eine bestimmte Rolle mehr oder weniger Talent haben, treten jetzt Passagierdampfer in Aktion, welche einen bestimmten Streckenabschnitt befahren sollen und dafür besser oder schlechter geeignet sind. Aus dem überall einsetzbaren Provinzschauspieler ist das Postschiff "Royal William" geworden, das auf jedem Streckenabschnitt einen Punkt bringt . Und aus der Künstleragentur wurde folgerichtig die Charteragentur.

Statt sich bei der Erstaufführung für eine von fünf Städten zu entscheiden, darf sich jetzt der Spieler bei der ersten Rundreise eines Seegebiets eine von fünf Klassen aussuchen. Wenn sich zum Beispiel ein Spieler entscheidet, die erste Mittelmeerrundreise in der Klasse mit drei Sternen durchzuführen, müssen die Mittelmeerreisen aller Mitspieler in derselben Dreistern-Klasse konkurrieren.

Statt der Tournée-Theater kommen bei 2, 4 oder 5 Spielern Pauschalreise-Anbieter mit fixen Punktezahlen zum Einsatz.

Das Spielmaterial wurde natürlich angepasst und die Schachtel hat das neue QueenGames-Format. Nur das Spielgeld ist noch das alte. Aus den Künstlerkärtchen sind von Christof Tisch liebevoll gezeichnete Dampferkärtchen geworden. Die Dampfschiffe sehen alle verschieden aus und tragen alle unterschiedliche Namen wie "Ajax", "Sea Star", "Silver Queen" oder "Contessa Annika".

Hier ist eine Kleinigkeit dennoch anders. Es sind bei ATLANTIC STAR 132 Dampferkärtchen vorhanden, bei Showmanager waren es bloss 120 Künstlerkärtchen. Neu dazugekommen sind 12 weitere Kärtchen mit den Werten 3-3-3. Das bewirkt, dass insbesondere im Spiel mit sechs Personen gegen Spielschluss die Auswahl an geeigneten Dampfern grösser ist. Andrerseits dauert es durchschnittlich etwas länger, bis die Charteragentur wieder mal einen Neun-Punkte-Dampfer anbietet.

Diese grössere Kartenanzahl macht es nun möglich, dass die Spieler auch bei der Durchführung ihrer letzten Rundreise zwei Kärtchen übrig behalten können (statt nur noch eines wie in Showmanager). Das ist dann wirklich die allereinzige Regeländerung von ATLANTIC STAR.

Eine Gelegenheit zur besseren Spielbarkeit hat Dirk Henn aber verpasst. Den einzelnen Streckenabschnitten wurden wie früher den Musicalrollen Kurzsymbole zugeordnet. Nämlich ebenso die Buchstaben A-B-C, A-B-C-D, A-B-C-D-E und A-B-C-D-E-F. Obwohl man natürlich die vier Seereisen an ihren Farben unterscheiden kann, ist es aber insbesondere für Spielneulinge verwirrend, dass z. B. der Buchstabe C nicht nur einer einzigen Teilstrecke zugeordnet ist. Warum wurden nicht die Buchstaben A-B-C, D-E-F-G, H-I-J-K-L und M-N-O-P-Q-R vergeben ?

Übrigens : Bei ATLANTIC STAR ist es einigermassen plausibel, dass alle sechs verschiedenen Reisegesellschaften ihre Pazifik-Rundreise in derselben Kategorie anbieten. Die Ungereimtheit besteht jetzt eher darin, dass z. B. die Passagiere der Mittelmeerfahrt dreimal das Schiff wechseln müssen.

hannes

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