Leserbeitrag

Der Herr der Ringe
Die Suche

Der Herr der Ringe - Die Suche von Peter Neugebauer, 2 Spieler, ab 10 Jahre, ca. 30 Min., Kosmos (2001), ca. 30 DM

Petra Schmidt <mail2teddy@gmx.de> 27.04.2001 13:01:

Die Suche Box"Der Herr der Ringe - Die Suche", das ist die Zweipersonen-Variante von "Der Herr der Ringe", so heißt es gelegentlich - dies stimmt so nicht. Es ist zwar ein Zweipersonen-Spiel, jedoch hat es mit dem Spiel "Der Herr der Ringe" von Knizia außer der Vorlage des gleichnamigen Buches überhaupt nichts gemeinsam, sondern es ist ein völlig anderes und eigenständiges Spiel. Sollte man bei der Knizia-Variante schon eher Tolkien-Fan sein, oder zumindest den Inhalt der Geschichte des Buches kennen, um den Sinn des Spiel zu verstehen und es zu mögen, ist dies bei "Der Herr der Ringe - Die Suche" nicht erforderlich.

Ziel des Spiels ist es, eine unbekannte Landschaft zu entdecken und dabei möglichst viele Siegpunkte zusammeln.

Der Inhalt der Spielschachtel besteht im Großen Ganzen aus 48 Landschaftskärtchen sowie diversen Begegnungschips in verschiedenen Farben, einem Schicksalsberg, 2 "Booten" und 2 Spielfiguren, den Hobbits.

Die Landschaftskärtchen werden im Laufe des Spiels zu einem Spielplan ausgebaut, dazu gliedert sich das Spiel grob in 3 Phasen:

Das Spielfeld fixieren

Zuerst wird ein Startkärtchen, das Kärtchen mit der Landschaft "Auenland" in die Mitte des Tisches gelegt. Abwechselnd legen die Spieler nun ein Landschaftskärtchen an ein bereits ausgelegtes Kärtchen an - dies muss 2 Bedingungen erfüllen. Zum einen muss es natürlich landschaftlich passen: Gebirge muss an Gebirge grenzen, Wald an Wald, Wasser an Wasser und Feld an Feld. Zum anderen wird in dieser Phase das Spielfeld fixiert, dazu müssen alle angelegten Karten eine Art Kreuz bilden. Und je nachdem wie die Landschaften nun aneinander grenzen, werden Begegnungschips darauf gelegt: gelbe und grüne offen und braune und blaue verdeckt. Die Begegnungschips können zu einem späteren Zeitpunkt wieder eingesammelt werden.

Die Landschaft entdecken und den Schicksalsberg suchen

Nachdem der Spielplan fixiert wurde und ein Kreuz von 6 x 8 entstanden ist, wird der Spielplan weiter ausgebaut. Aber jetzt dürfen auch die Hobbit-Figuren gezogen werden und dabei die Landschaft entdecken und Siegpunkte einsammeln. Die Siegpunkte werden in Form der ausgelegten Begegnungschips gesammelt. Bei den Begegnungschips gibt es entsprechend den 4 verschiedenen Landschaften auch 4 verschiedene Begegnungschips mit natürlich unterschiedlicher Bedeutung. So gibt es auch nicht nur Siegpunkte, sondern es kann durchaus auch mal passieren, dass man dabei eins der verdeckt ausgelegten (braunen) Begegnungschips einsammelt und auch Siegpunkte bekommt, aber ein oder zweimal aussetzen muss. Spätestens wenn das letzte Landschaftskärtchen ausgelegt wurde, ist klar, wo der Schicksalsberg steht und der Wettlauf beginnt.

Spielmaterial

Der Wettlauf zum Schicksalsberg

Ist der Schicksalsberg aufgestellt, machen sich die Hobbits auf ihren Weg zu diesem Berg. Wer ihn als erster erreicht bekommt Bonuspunkte. Da dies sich zum Teil schon während des Spiels herhauskristallisiert, wo in etwa der Berg auftauchen wird, kann man seinen Hobbit schon vorher in diese Richtung steuern. Ist der Schicksalsberg erreicht, endet das Spiel und es werden die Siegpunkte zusammen gezählt - der mit den meisten hat gewonnen.

"Der Herr der Ringe - Die Suche" ist ein von der Spielzeit her eher kurzes Spiel ohne allzu großen Tiefgang und Grübelfaktor, jedoch kann man durch gewisses Vorausplanen einen mehr oder weniger besseren Weg wählen und gezielt gute Siegpunkte einsammeln. "Der Her der Ringe - Die Suche" ist ein nettes Spiel das man einfach mal schnell zwischendurch spielen kann.

Petra Schmidt


Redaktion Reich der Spiele <info@reich-der-spiele.de> 29.04.2001 17:31:

Die Suche ist eigentlich nur der Untertitel des Spieles. Viel größer steht "Der Herr der Ringe" auf der Packung. Als Fantasyfreund und Tolkien-Fan freut man sich also auf eine Umsetzung des Buchklassikers. Beim Blick auf den Inhalt hält die Freude auch noch an, beim Regelstudium kommen die ersten Zweifel. Nach dem Spiel bleibt Enttäuschung. Dabei ist es nicht das Spiel, was diese Enttäuschung hervorruft, sondern es ist die Umsetzung des Themas, die gar nicht oder nur fehlerhaft gelingt. So bleibt am Ende die Frage, warum das Spiel unter dem Titel "Der Herr der Ringe" veröffentlicht wurde.

Doch fangen wir beim Spiel an. Das nur zu zweit spielbare "Die Suche" fängt eigentlich ganz interessant ab, in einem Kartenkreuz von 6 x 8 Karten liegt das Auenland in der Mitte. Von dort, der Heimat der Hobbits Frodo und Sam starten beide Spieler. Zunächst geht es darum, Landschaftskärtchen anzulegen. Diese müssen aber passen. Die Kärtchen enthalten in unterschiedlichen Konstellationen Gebirge, Wasser, Wald und Ebenen, so dass das Anlegen besonders gegen Ende des Spieles sehr schwierig wird, weshalb im Fall des Falles eines "nicht-legen-könnens" auch neutrale Landschaften zur Verfügung stehen. Immer, wenn dabei ein Landstrich von genau zwei Landschaftsteilen entsteht, werden dort Begegnungschips platziert. Währenddessen machen sich die Hobbits auf den Weg. Da die Bewegung von Landstrich zu Landstrich stattfindet, können mitunter relativ weite Bewegungen ausgespielt werden, da einige dieser Landsstriche über mehrere Kärtchen verlaufen. Kommt ein Hobbit auf einen Landstrich mit Begegnungschip, wird dieser vom Spieler aufgenommen bzw. ausgespielt. Dabei können u.a. der Ring, Gollum, Gandalf, Stich, Legolas, ein Ent, aber auch Orks, Balrogs und Kankra gefunden werden. Je nach Art der Begegnung kommt es eventuell zum Kampf, der den Hobbit ein bis zwei Runden aufhalten kann. Die einzelnen Begegnungschip bringen alleine oder in Kombination Siegpunkte bei der Endabrechnung des Spiels.

Die Endabrechnung findet statt, wenn der Schicksalsberg von einem Hobbit erreicht wird. Der Schicksalsberg wird auf das letzte Landschaftskärtchen gesetzt (bzw. auf das letzte neutrale Landschaftskärtchen). Am Ende gewinnt der Spieler, der die meisten Siegpunkte erreichen konnte, wobei das erreichen des Schicksalsberges mindestens drei Punkte bringt.

Das Spiel ist eigentlich sehr schön zu spielen, der Landschaftsbaumechanismus und der Bewegungsmechanismus sind sehr interessant und nicht allzu häufig anzutreffen. Das Sammeln der Begegnungschips ist eher mühsam und langweilig, das Ende des Spiels aber richtig enttäuschend. Das liegt aber weniger an der Addition der Siegpunkte.

Enttäuschend bei dem Spiel ist, dass hier ein Tolkien-Spiel vorgelegt wird, dass falsche oder fehlende Umsetzungen enthält. So macht es mehr Sinn, die Begegnungschips abzulaufen, um die entsprechende Siegpunkte zu sammeln, als den Schicksalsberg zu erklimmen, der im Vergleich wenig Punkte einbringt. Wer zum Beispiel Stich findet, erhält 5 Siegpunkte, Aragorn bringt 4, Anduril ebenfalls. Der Ring alleine bringt nur Punkte, wenn er zum Schicksalsberg gebracht wird. Die Relationen stimmen also überhaupt nicht. Auch, dass das komplette Spiel beendet werden kann, ohne dass ein Spieler den Ring gefunden hat, ist absolut unsinnig, wenn man von der Buchvorlage ausgeht. Die Stimmung fehlt, die Story ist falsch integriert und letztlich hat das Spiel so viel mit "Der Herr der Ringe" zu tun, wie ein Rückwärtsgang mit Autorennen.

Es bleibt das beklemmende Gefühl, dass das Spiel zwar einen guten Mechanismus aufweist, die Endabrechnung aber nicht rund ist und zusätzlich die Umsetzung des Themas völlig misslungen ist. Fazit: Einem guten Spielmechanismus mit schwacher Endwertung wurde ein Thema aufgepfropft. Das konnte ja nicht gut gehen.



Um dieses Manko zumindest etwas zu beheben, schlagen wir folgende variante vor:

*Ein Hobbit darf nur mit Ring auf den Schicksalsberg.

*Hobbits dürfen sich auf dem gleichen Landstrich befinden.

*Ein Hobbit kann dem anderen bei einer Begegnung den Ring gegen Abgabe von 1 beliebigen braunen Begegnungsplättchen abnehmen. Ausnahme: der Ringträger hat auch Gollum und befindet sich entweder auf einem Wasser- oder Gebirgs-Landstrich. Gollum schützt dann den Ringträger gegen "Diebstahl"



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