Leserbeitrag
Doge von Leo Colovini, 3-4 Spieler, Goldsieber (2000), Preis ca. 59,90 DM.
Arne Hoffmann <hoffmann@mathc.rwth-aachen.de> 24.11.2000 10:37:
"Venedig, von seinen Einwohnern auch Serenissima - die "höchst Ehrwürdige" - genannt, elebte im späten Mittelalter seine Blütezeit als Handelsmetropole. Währenddessen stritten alteingesessene Adelsfamilien um Macht, Einfluss und Ämter. Als Oberhäupter dieser Familien versuchen die Spieler sich gegenseitig mit Prachtbauten entlang des Canale Grande zu übertreffen. Dabei streben sie natürlich nach dem höchsten Amt Venedigs, dem Amt des Dogen."
So führt uns die Anleitung zu Goldsiebers Herbstneuheit Doge in das Spiel ein. Während man in einem älteren Spiel von Leo Colovini noch als Agent durch den venezianischen Karneval hechtete, versuchen nun 3 bis 4 Spieler Palazzi in Venedig zu bauen und nach dem Amt des Dogen zu greifen. Dafür erhält jeder Spieler einen Satz Häuser (15 kleine und 8 Palazzi), 7 Stimmchips mit den Wertigkeiten 3-3-2-2-1-1-0, einen Satz von 7 Karten, eine für jede Region des Spielplans, und 6 Kontrollringe. Der Spielplan zeigt Venedig, unterteilt in 6 Stadtteile entlang des Canale Grande. Jeder Stadtteil besitzt Bauplätze für fünf Palazzi. Als siebte Region gibt es den Dogenpalast, in dem die Quarantia, ein bedeutendes Beratergremium des mittelalterlichen Venedigs, tagte. Sieger des Spiels wird, wer in jedem Stadtteil einen Palazzo besitzt oder in weniger Stadtteilen entsprechend mehr Palazzi gebaut hat. Doch wie errichtet man Palazzi?
Jeder Spielrunde unterteilt sich in zwei Abschnitte: Im ersten Abschnitt geben die Spieler gleichzeitig und geheim Gebote für den Einfluss in den sieben Regionen ab. Dazu legen sie mindestens eine und maximal vier ihrer Stimmchips auf ihre Karte der Region in der sie Einfluss erlangen möchten. Dies geschieht wie gesagt geheim, das heisst sowohl Karte als auch Stimmchips liegen verdeckt vor dem Spieler. Haben alle Spieler Chips auf ihre erste Karte gelegt, so werden die Karten umgedreht und die Stimmchips, weiterhin verdeckt, in die entsprechende Region auf dem Spielplan gelegt. Dieses Vorgehen wiederholt sich bei 3 Spielern viermal, bei 4 Spielern dreimal. Dabei ist zu beachten, dass eine benutzte Karte offen vor dem Spieler liegenbleibt und in der laufenden Spielrunde somit kein zweites Mal von ihm genutzt werden kann.
Im zweiten Abschnitt werden nun die Abstimmungen in den Feldern durchgeführt. Entsprechend einer vorher ausgelegten, bekannten Reihenfolge werden alle Regionen gewertet. Die Abstimmung in einer Region gewinnt, wer in der Region mit seinen Stimmchips die höchste Summe gebildet hat. Ist diese Region ein Stadtteil, so darf der Sieger dort 2 kleine Häuser errichten, der Zweitplazierte darf dort noch 1 Haus errichten. Ist der Sieger eindeutig, so erhält er auch noch die Kontrolle über den Berater der Region (in der Quarantia kann man nur Kontrolle über Berater gewinnen, dort bekommt der Sieger aber die Kontrolle über 2 Berater, der Zweitplazierte die über einen). Jedem Berater ist eine Holzfigur zugeordnet, auf die man einen seiner Kontrollringe steckt. Nun kann man den Berater in eine der anderen Regionen stellen (er darf nicht in der Region plaziert werden aus der er kommt), wo er bei Abstimmungen eine weitere Stimme für den Besitzer zählt. Ferner kann ein Spieler aber auch auf die Kontrolle über den Berater verzichten (womit er neutral wird) und dafür eins seiner gebauten Häuser auf dem Spielplan versetzen.
Immer wenn Häuser gebaut oder verschoben wurden, prüft ein Spieler, ob er dort einen Palazzo bauen darf. Ist die Anzahl seiner Häuser in dem Stadtteil grösser oder gleich der Zahl auf dem nächsten freien Bauplatz, so entfernt der Spieler Häuser wie auf dem Bauplatz angegeben und errichtet dort einen Palazzo. So kostet der erste Palazzo in einem Stadtteil 3 Häuser, der zweite 4 usw. .
Doge bietet mit einfachen Mechanismen einen schönen Spannungsaufbau. In welchen Regionen werden die Gegner bluffen, wo liegen die starken Scheiben mit Wert 3? Nicht immer bedeutet ein Stapel von vier Scheiben auch eine hohen Wert in einer Region. Ein Bluff an der richtigen Stelle kann einem viel Einfluss in einer Runde einbringen. Dabei ist im Auge zu halten in welcher Reihenfolge die Regionen in dieser Runde abgearbeitet werden, da Berater früherer Region noch wertvolle Stimmen für spätere Abstimmungen bilden können. Während der aktuellen Runde wird nach und nach die Reihenfolge für die nächste Runde aufgedeckt, so dass zu erkennen ist, wie lange man evtl. die Kontrolle über einen Berater behält.
Oder ist es vielleicht sinnvoller auf die Kontrolle eines Beraters zu verzichten und Häuser auf dem Spielplan zu verschieben, so dass man vor Ort und Stelle einen Palazzo zu günstigen Konditionen errichten kann? Dieses Abwägen zwischen den Einsatzmöglichkeiten eines Beraters bringt einen nicht selten in eine Zwickmühle, da man am liebsten beide Eigenschaften nutzen möchte.
Das Spielmaterial setzt das Thema stimmig um, und auch wenn nicht gerade das Gefühl aufkommt in Venedig zu sein, so vergisst man, dass es sich bei Doge um ein Biet- und Bluffspiel handelt. Wem diese Art von Spiel gefällt, der erhält mit Doge kurzweilige und spannende 60-90 Minuten Spielspass. Anfangs kommt es vor, dass man etwas Probleme mit der Übersicht auf dem Spielplan und den Symbolen der einzelnen Berater hat, dies legt sich aber spätestens nach der ersten Partie.
In unserer Runde wird bestimmt noch häufig um die Anrede "Seine Exzellenz, von Gottes Gnaden, Doge von Venedig, Herzog von Dalmatien und Kroatien, der höchst ehrwürdige Prinz" gekämpft.