Leserbeitrag
Ebbe & Flut von Wolfgang Werner, (1+) 2 Spieler, Adlung (2000), Preis ca. 10 DM.
Ingo Kasprzak <IngoKasprzak@khp-informatik.de> 03.11.2000 16:41
Als ich das Spiel zum ersten Mal am Abend nach der Spiel 2000 auspackte, hab ich es gleich wieder eingepackt. Ich hielt es zunächst für ein albernes Glücksspiel. Auf der Messe sah es interessant aus und ich habs blind gekauft. Das schien ein Fehler gewesen zu sein.
Als ich dann von einem Bekannten hörte, daß er am Sonntag nochmal auf der Messe war und noch viel Spaß mit dem Spiel und Herrn Adlung hatte, hab ich mir die Regeln nochmal angeschaut und stellte fest: Wer (von Beginn an richtig) lesen kann, ist klar im Vorteil!
Nach meiner ersten Solitaire-Runde entpuppte sich das Spiel bereits als wesentlich tiefgängiger und spannender, als es die absolut simplen Regeln erst vermuten liessen!
Mir persönlich war zudem der Spielmechanismus völlig neu. Karten müssen auf einem 5x5 Karten großen Spielfeld aufeinander zulaufen. Die jeweiligen Startfelder des Spielers sind gleichzeitig die Zielfelder des Gegenspielers und liegen sich gegenüber. Wer mit einer Karte auf einem Zielfeld ankommt, darf die Karte aus dem Spiel nehmen, sie zählt dann als Punkt. Wer am Ende die meisten Punkte hat, hat gewonnen.
Das Interessante dabei ist der Mechanismus, mit dem die Karten wandern: Auf den Karten sind Zahlen und Buchstaben. Der eigene Spielzug beginnt wie gesagt mit dem Auslegen einer vom verdeckten Stapel gezogenen Karte auf eines der Startfelder. Anschließend muss kontrolliert werden, ob in irgendeiner Zeile oder Spalte des Spielfeldes eigene Karten mit der gleichen Zahl oder dem gleichen Buchstaben liegen. Solange dies der Fall ist, müssen die Karten in beliebiger Reihenfolge verschoben werden (immer um ein Feld nach links oder oben, also Richtung Zielfelder, einen Rückwärtsgang gibt es nicht), bis es keine gleichen Buchstaben oder Zahlen in den Reihen mehr gibt. Karten die dabei über den Spielfeldrand hinausschiessen, sind aus dem Spiel und werden nicht gewertet. Beim Verschieben dürfen auch eigene oder fremde Karten einfach überdeckt werden. Diese sind dann so lange nutzlos, bis durch erneutes Verschieben wieder offenliegen.
Man muss also die ganze Zeit versuchen, seine Spielzüge im Voraus und im Kopf zu planen, wie und in welcher Reihenfolge man seine Karten strategisch günstig verschiebt und verteilt. Ein Freund meinte, das hätte was von "Rasende Roboter", nur ohne Zeitdruck und ohne Züge zählen.
Tja, das sind eigentlich schon die ganzen Regeln; was soll ich sagen? Dieses Spiel ist ein absolutes Muss für 2 Spieler. Viel Spannung, Spaß und ärgern kann man seinen Gegner auch noch wunderbar. ;-)
Ausserdem kommt dieses Spiel - wie jedes andere Spiel aus dem Hause Adlung auch - in einer kleinen rechteckigen Box in Spielkartengröße daher. Man kann es somit überall hin mitnehmen und es kostet nur ca. 10 DM. Ein Fehlkauf ist somit definitiv ausgeschlossen.
Und? Gibts auch eine negative Seite? Ja, aber nur eine kleine: Im Halbdunkeln kann man die Ebbe- und Flutkarten nicht so gut auseinanderhalten. Zumindest ich nicht mit meiner leichten Sehschwäche. Hier hätte man intensivere Farbtöne nehmen können, nicht so hell und blass. Andere, normalsichtige Spieler hatten hier zugegebenermaßen weniger Probleme, aber irgendwas muss man ja kritisieren, damit es glaubwürdiger klingt... :-)
Übrigens: Auch allein kann man Ebbe & Flut prima spielen: Einfach möglichst viele Karten aus dem Spiel kriegen! Solitaire-Regeln liegen bei.
Dieses Spiel wird garantiert noch öfters auf meinem Tisch landen!
Marc Mutz <Marc@Mutz.com> 07.11.2000 13:54
Wenn das Spielprinzip wirklich so neu ist wie ich denke, dann sollte "Ebbe & Flut" ein heisser Kandidat für die Auswahlliste "Spiel des Jahres 2001" werden. Leider gibt es dabei zwei Probleme: "Ebbe & Flut" ist ein Kartenspiel und seine Regeln sind in 30 Sekunden erklärt. Ausserdem kostet es nur zehn Mark.
Aber vielleicht nimmt sich ja Fairplay dem Spiel an und zeichnet es als "Bestes Kartenspiel" aus. Es wäre schade, würde dieses Spielprinzip übergangen.
Jochen Krumpe <dscheikei@t-online.de> 31.12.2000 15:02:
Man nehme: 2 Spieler, 2 Kartensätze a 25 Stück, beschriftet mit jeweils einer Buchstaben-Zahlen-Kombination von A1 bis E5 und ein imaginäres Spielfeld von 5 x 5 Feldern, begrenzt durch 10 Randkarten. Das ganze packe man in eine kleine Pappschachtel (ausgenommen die Spieler natürlich ;-)). Fertig ist Ebbe und Flut, ein Kartenspiel für 10 DM.
Jeder der Spieler erhält einen Satz Karten und verkörpert damit eine der Gezeiten. Auf den gelb beschrifteten Ebbe-Karten ist ein sandiger Boden abgebildet, auf den blau beschrifteten Flut-Karten strömt Wasser herein. Bei näherer Betrachtung erkennt man kleine liebevolle Details wie Muscheln, Fische, Seesterne oder Fußstapfen im Sand auf den Karten.
Die Spielregeln sind kurz und leicht verständlich.
Ziel der sich gegenübersitzenden Spieler ist es, die eigenen Karten jeweils von den 3 Startfeldern rechts unten zu den 3 Zielfeldern links oben zu bewegen. (Dabei sind die Startfelder des einen Spielers also gleichzeitig die Zielfelder des anderen und umgekehrt.)
Die Spieler sind abwechselnd an der Reihe, ziehen von ihrem Stapel eine Karte und setzen diese auf einem der Startfelder ein. Danach versucht man, möglichst viele Karten in Richtung Ziel zu bewegen. Der Kartenbewegungsmechanismus ist dabei ganz einfach (aber deshalb nicht weniger gut): Es dürfen niemals Karten mit dem gleichen Buchstaben oder der gleichen Zahl in einer Reihe oder Spalte liegen. Sobald dieses passiert, muss eine der Karten aus der Reihe bzw. Spalte (also entweder nach links oder oben in Richtung Zielfelder) geschoben werden. Sobald eine Karte ein Zielfeld erreicht hat, wird sie aus dem Spiel genommen.
Das Kartenverschieben erinnert in seiner Bewegung an eine Patience für zwei Spieler. So wie bei verschiedenen Taktik-Patiencen Spielkarten gleicher Farbe oder Zahl nach einem bestimmten System in einer Reihe/Spalte abgelegt werden dürfen, gilt bei Ebbe und Flut eben gerade das Gegenteil.
Was zunächst wie blankes Kartenglück aussieht, stellt sich recht schnell als taktisches Spiel heraus. Wie kann man möglichst viele Karten bewegen und dabei möglichst wenig eigene aber möglichst viele gegnerische Karten verdecken? Wie zieht man in einer ungefähr diagonal verlaufenden imaginären Linie, vermeidet also, dass Karten vorzeitig über den linken oder oberen Spielfeldrand hinaus gezogen werden müssen und damit ausscheiden? Hilfreich ist ebenso ein gutes Gedächtnis, denn nicht immer lässt es sich vermeiden, dass man sich selbst eine Karte verdeckt. Wer sich dann gemerkt hat, welche Karte da unter einer anderen liegt, ist klar im Vorteil.
Das Spiel endet, wenn die Kartenstapel verbraucht sind. Es gewinnt der Spieler, der die meisten Karten ins Ziel gebracht hat.
Ebbe und Flut lässt sich auch sehr gut allein spielen. Der eine Spieler ist dann Herrscher über Ebbe- und Flut-Karten. Ziel wie gehabt: möglichst viele Karten ins Ziel bekommen.
Fazit: Ebbe und Flut ist ein prima Spiel für zwischendurch, als kleines Geschenk, oder zum Mitnehmen in den Urlaub ans Meer (da kommts ja auch her ;-)).
Redaktion Reich der Spiele <info@reich-der-spiele.de> 16.04.2001 20:59:
Ebbe und Flut, der Gegensatz der Gezeiten. Dieses Naturereignis hat Wolfgang Werner zu einem sehr schönen, stimmigen und interessanten Kartenspiel umgesetzt. Ebbe spielt gegen Flut. Auf einem 5x5 Felder großen Spielbereich legt man in einer kleinen Ecke, die aus drei Startfeldern besteht" nach und nach seine Karten (entweder Ebbe oder Flut) aus und versucht diese, durch anschließendes geschicktes Verschieben in die genau gegenüberliegenden Startfelder des Mitspielers zu bringen. Gelingt dieses, erhält man pro Karte einen Siegpunkt. Die Karten tragen Kombinationen aus Buchstaben und Ziffern von A1 bis E5. Die Mechanik des Spiels besteht darin, dass nur die Karten verschoben werden dürfen, die gleiche Buchstaben oder Ziffern wie Karten in senkrechter oder wagerechter Linie haben. Je nachdem, in welcher Reihe gleiche Buchstaben oder Zahlen der eigenen Gezeit liegen, darf man eine Karte nach links oder oben verschieben. Man darf solange verschieben, bis keine entsprechenden Karten mehr in einer Reihe liegen. Beim Verschieben kann es vorkommen, dass man eigene oder fremde Karten zeitweise verdeckt.
Was sich in einer Beschreibung nur schwer nachvollziehen lässt, ist ein schnell erlernbares Spielprinzip. Allerdings kommt es bereits kurz nach Start eines Spieles schnell zu Situationen, in denen man mehr Zugmöglichkeiten sieht, als einem selbst lieb ist. Welche davon die richtige ist, werden nur Schachspieler ohne Ausprobieren richtig herausfinden können. So bleibt immer die vage Hoffnung, dass man die richtige Zugentscheidung getroffen hat. Schön ist dabei, dass die Spieler tatsächlich Ebbe und Flut auf dem Spieltisch beobachten können. Schubweise werden die Karten in eine Richtung geschoben, treffen auf die andere Gezeit und überdecken diese. Ebbe und Flut ist eine sehr faszinierende Umsetzung des Gezeitenstroms, die Mechanik des Spiels macht Lust auf mehr. Ein kleines Kartenspiel mit ganz hohem Spielreiz!