Leserbeitrag
Evo von Philippe Keyaerts, 3-5 Spieler, Eurogames (2001), ca. 64,90 DM
Ingo Kasprzak <silfire@gmx.de> 07.03.2001 11:29:
Es war einmal...
... 217.453.883 Jahre vor unserer Zeit, da verließen die ersten Dinosaurier
das Wasser, um sich an Land durchzuschlagen (woher die Spielanleitung das
genaue Jahr weiß, bleibt ein Rätsel. :-) ! Fortan hatten sie sich gegen
andere Dinorassen und gegen das Weltklima zu behaupten. Wer sich in der
Evolution nicht vorwärts bewegte, hatte keine Chance.

Das Spiel
Damit wären wir bereits mitten im Spiel. Jeder Spieler übernimmt eine
Dinorasse und ist nun dafür zuständig, diese durch die vier Klimazonen des
Spielbretts zu bewegen, sich zu vermehren, zu kämpfen und sich zu
verteidigen. Als Hauptspielplan dient eine Insel aus kleinen, bunt
gemischten Klimazonen, in die jeweils ein Dinospielstein passt. Dieses sehr
schöne Spielbrett besteht aus zwei beidseitig bedruckten Hälften, die je
nach Spieleranzahl (3-5) aneinandergelegt werden. Dadurch entstehen
unterschiedlich große Inseln, damit es auch bei jeder Spielerzahl schön eng
zugeht. Als Dinos dienen jedem Spieler 10 Holzspielsteine seiner Farbe,
einer kommt jeweils auf die dafür vorgesehenen Startfelder des Spielbretts.
Des weiteren bekommt jeder Spieler ein Portrait eines kleinen lila
Dinosauriers, welcher allerdings nur ein Bein/Pfote hat! Dazu aber später
mehr. Komplettiert wird die Ausstattung der Spieler mit einem Wertungsstein
für die Punkte und einem "Innovationsstein", mit dem die Spielreihenfolge
bestimmt und um Gene gefeilscht wird.
Der Tischaufbau selbst wird noch ergänzt durch eine Klimatabelle mit
Spielreihenfolgenanzeiger, einer Versteigerungstabelle mit Kramerleiste,
einem Satz Ereigniskarten (jeder Spieler kriegt zu Beginn 3 auf die Hand,
der Rest dient als Nachziehstapel), sowie einem Sack voller Gene.
Wer mit seinem Wertungsstein am Spielende auf der Kramerleiste die meisten
Entwicklungspunkte markiert, hat gewonnen. Das Spielende wird passenderweise
durch einen Meteoriteneinschlag gekennzeichnet. Wann dieser genau einschlägt
und somit sofort das Spiel beendet, ist zwar nicht bekannt, aber absehbar
(innerhalb einer Spanne von 4 Runden).
Der Spielverlauf
Das Spiel selbst verläuft in 6 Phasen pro Runde. Meine Beschreibung des
Spielablaufs werde ich aber mit der letzten Phase beginnen, da hier die für
den restlichen Spielverlauf so wichtigen Gene ins Spiel kommen.
Die Gene tragen die Bezeichnungen Schwanz, Pfote, Horn, Ei, Fell,
Sonnenschutz, Mutiertes Gen und Karte. Diese gilt es, in der letzten Phase
einer jeden Runde zu ersteigern. Dazu wird für jeden Spieler blind ein
Genplättchen aus dem Sack gezogen und auf die Versteigerungstabelle gelegt.
Jeder Spieler ist gezwungen, ein Gen zu erwerben und jeder Spieler kann
zeitgleich immer nur um ein Gen feilschen. Dazu muss er entweder für ein Gen
bieten, für das noch kein anderer Mitspieler geboten hat, oder einen der
Mitspieler überbieten. Der Spieler setzt dementsprechend seinen
Innovationsstein auf die Tabelle. Die Bietphase geht so lange, bis jeder ein
Gen erworben hat. Bezahlt wird in Entwicklungspunkten, also Siegpunkten!
Die Gene selbst geben den Spielern in den unterschiedlichen Rundenphasen
beispielsweise mehr Stärke im Kampf (Horn), mehr Nachwuchs pro Runde (Ei)
oder auch mehr Bewegungsspielraum (Pfote). Von jedem Gen kann man im Verlauf
des Spiels theoretisch so viele erwerben, wie man kriegen kann. Die
Genplättchen werden dann einfach an das Dinoportrait angebaut (womit unser
kleiner lila Dino dann hoffentlich bald mehr als ein Bein hat!)
Beispielsweise wird in der ersten Phase die Spielreihenfolge für die weitere
Runde ermittelt. Wer den längsten Schwanz hat, fängt an! Gemeint ist damit
natürlich der Schwanz des kleinen lila Dinos, den jeder Spieler vor sich
liegen hat und den man ja vielleicht schon mit den Genplättchen verlängern
konnte. Die übrigen Spieler folgen absteigend. Wer beim Schwanzvergleich
gleichauf liegt, muss um seinen Startplatz würfeln.
In der zweiten Phase werden die Klimaveränderungen der 4 Klimazonen
ermittelt. Diese sind jedoch durch einen genialen Mechanismus absehbar und
nur selten gibt es einen Klimaumschwung (man muss aber jederzeit damit
rechnen). Es entstehen Zonen, in denen mildes Klima herrscht, Zonen, in
denen man nur mit Sonnenschutz oder Fell überlebt, aber auch Zonen, in denen
die Dinos keine Chance haben.
Was nun folgt, ist die gewichtige Phase 3: Bewegung und Kämpfe. Die Dinos
werden nun entsprechend der Spielreihenfolge bewegt. Betritt man dabei ein
Feld mit einem fremden Dino, kommt es sofort zum Kampf. Die Anzahl der
Hörner bestimmt hierbei die Gewinnchancen. Der unterlegene Dino stirbt und
wandert zum Vorrat des jeweiligen Spielers zurück.
Aber die Phase 3 ist nicht nur aufgrund der Kämpfe wichtig: Man sollte auch
darauf achten, dass man die einzelnen Dinos jeweils so positioniert, dass
weder sie selbst noch der Nachwuchs aufgrund des Klimas zugrunde gehen!
Denn: Nachdem man seinen Nachwuchs in zu eigenen Dinos angrenzenden Feldern
positioniert hat (Phase 4), sterben anschließend in Phase 5 alle Dinos, die
sich nicht in geeignetem Klima befinden! Danach gibt es für jeden Dino, der
überlebt hat, einen Siegpunkt.
Zum Spiel hinzu kommen noch die nicht ganz unwichtigen Ereigniskarten, mit
denen die Spieler schöne Überraschungsmomente in der Hand haben (z.B.:
Klimaveränderungen, kein Nachwuchs in dieser Runde, Verteidigungsgen,
Startspielergen....)
Viel Lob, wenig Tadel
Nach Vinci hat es Philippe Keyaerts wiederholt geschafft, mit genial
einfachen Mechanismen ein absolut stimmiges Spiel zu arrangieren, dass zu
dritt schon funktioniert und ab 4 Spielern richtig Spaß macht. Der
ausgefeilte Ablauf und die wenigen Glückselemente lassen viel Platz für
eigene Strategien.
Die Spielausstattung ist sehr gut. Die Farbwahl ist teilweise ein wenig
"schräg" (lila Dinoportraits, Spielsteine in pink, braun, giftgrün, etc.),
aber ich finde sie passend, auch wenn das nicht jeder behaupten wird.
Fast hätte ich geglaubt, dass Eurogames diesmal alles richtig gemacht hat!
Sogar die Anleitung war ganz ok; sonst eher ein Problem von Eurogames. Doch
dann sah ich die Siegpunktleiste....eher ein Siegpunktleistchen! . Die
Zählfelder sind dermaßen winzig und die Zählsteine dermaßen unpraktisch
(Zylinder mit einem Durchmesser von ca. 0,5 cm und einer Höhe von ca. 3
cm!), dass man maximal nur ein Zählstein pro Feld unterbringen kann - und
das auch nur mit äußerster Feinmotorik. Hinzu kommt noch, dass man Leiste um
das Brett gespannt sind, auf welches man seine Gebote zur Genersteigerung
setzt. Alles zusammen also dafür prädestiniert, den aktuellen Punktestand
regelmäßig und unwiderruflich umzufegen. Eigentlich hat man nur eine Chance:
Punkte aufschreiben bzw. auf einem anderen Brett vermerken - z.B. das von
Carcassonne oder Fürsten von Florenz. Hier ist unbedingt Nachbesserung von
Seiten des Verlages erforderlich!
Trotz dieses kleinen Problems wird dieses Spiel in der nächsten Zeit sehr
häufig auf meinem Tisch landen!
Helmut Lehr <hglehr@gmx.de> 12.03.2001 18:17:
In Ergänzung zu Ingos Ausführungen möchte ich die Versteigerung noch ein bisschen genauer beschreiben: Hierbei hat man immer die Qual der Wahl. Bei uns kamen die Pfoten ganz spät. Soll man nun wirklich 5 oder 6 Punkte für eine Pfote ausgeben, in dem man seinen Mitspieler überbietet? Das Überbieten fand ich toll. Wenn jemand überboten wird, muss der Überbotene sofort "antworten", bevor überhaupt die nächsten Mitspieler weitermachen können. Der Überbotene überlegt sich nun: Mehr bieten, sich also vor seinen Mitbeiter stellen, oder auf eine weniger attraktive, aber vielleicht für 0 erhältliche Genkarte setzen?
Und noch eine Randbemerkung zu "längster Schwanz": Bei den Damen in der Runde hatte dies eine Lachsalve zur Folge. Woran die aber auch immer nur denken? :-)
Wir fanden das Spiel gelungen!
Holger Janssen <HolgerJanssen@swol.de> 13.03.2001 09:15:
Wenn wir schon über die Versteigerungen reden, sollte man vielleicht auch direkt die 'fortgeschrittenen' Variante erwähnen. Hier wird immer genau ein Gen weniger als die Spieleranzahl versteigert. Man kann also bei der Versteigerung also auch passen.
Hier muss dann schon etwas genauer gerechnet werden und man kann nicht einfach so preiswert ein Gen abstauben. Insgesamt werden die Gebote also eher höher werden, so dass dem Mutationsgen eine größere Bedeutung zukommt.
Insgesamt sollte man nicht nur auf Pfoten und Eier schauen, die auf den ersten Blick den besten Weg zu einer großen Rasse darstellen. Felle und Sonnenschutz sind nicht zu unterschätzen, vor allem wenn es mal etwas voller wird auf der Welt bzw. dem Spielplan.
Michael Stubenrauch <Stubenrauch@addcom.de> 17.03.2001 13:12:
Ein wirklich tolles Spiel !
Entgegengesetzt der Meinung im Spielerforum, gab es bei uns keine Unstimmigkeiten in der Regel. Ich finde ein wirklich geglücktes Spiel mit Spaß,Taktik,Interaktion und etwas Glück.Das einzige was mir nicht gefällt,ist die schon oben angesprochene Entwicklungsleiste und die Grafik der Portrait von den Dinogattungen.
Ciao Michael
Mario Boller-Olfert <mboller@bigfoot.de> 23.03.2001 08:58:
Das Grundkonzept des Spiels finde ich sehr gut.
Die Ereigniskarten machen das Spiel aber nahezu unkalkulierbar. Wer gute Ereigniskarten bekommt, hat sehr gute Chancen das Spiel zu gewinnen. Vielleicht ist es einen Versuch wert, das Spiel ohne die Ereigniskarten zu spielen. Zufall in Form der Klimawürfelei ist ohnehin schon genügend da.
Auf Grund der Klimawürfelei ist Planung sowieso schon sehr schwierig.
Hörner sind als Verteidigung sehr wichtig, denn sonst wird man niedergemacht. Pfoten sind sehr wichtig, wegen der Unkalkulierbarkeit des Klimas, sodass man noch flexibel auf unvorhergesehene Änderungen reagieren kann. Eier sind sehr wichtig, weil man sich dann von Rückschlägen erholen kann.
Ich spiele lieber in Zukunft die thematisch verwandten Spiele Ursuppe und Tyranno Ex. Beide haben mir mehr Spass gemacht.
BalinaHH <BalinaHH@aol.com> 16.03.2007 13:21:
In unserer Runde hatten wir enorm Spass mit dem Spiel. Als Ursuppen-Anhänger hatte ich sowieso schon eine positive Grundeinstellung die beim Spielen noch getoppt wurde. Natürlich sorgen die Eier und Schwänze im Spiel für regelmässige Lachattacken, aber erstens gehört das dazu und zweitens gefielen auch die Karten, das Konzept und überhaupt das ganze Design. Schön auch zu sehen wie aus dem Känguru-Rauhhaardackel langsam ein Dino wird.
Ich werde das Spiel auf jeden Fall in den nächsten Runden wieder auf den Tisch bringen! :-)