Leserbeitrag
Halali von Rudi Hoffmann, 2 Spieler, Kosmos (2000), Preis ca. 25 DM.
Markus Barnick <Markus.Barnick@gmx.de> 10.01.2001 15:31:
Halali!
So ruft der Jäger, wenn er auf der Jagd einen anderen Jäger trifft – oder etwa einen Bären? Bei dem Spiel von Rudi Hoffmann durchaus möglich. Auf einem sehr schön mit „Wald“ bedruckten Plan von 7 x 7 Feldern (Grafik von Franz Vohwinkel) werden 48 Plättchen zufällig verdeckt verteilt. Ein Feld in der Mitte bleibt leer.
Jeder der 2 Spieler hat jetzt die Möglichkeit, entweder ein Plättchen umzudrehen, oder mit einem bereits umgedrehten "auf die Jagd zu gehen", d.h. andere Plättchen nach Möglichkeit und Fähigkeit zu schlagen. Dafür gibt’s dann am Schluß Punkte, wobei manche Plättchen viele und manche Plättchen weniger Punkte bringen.
3 Farben sind im Spiel: Blau für den einen und braun für den anderen Spieler. Grün sind die neutralen Plättchen, die von jedem Spieler geschlagen und gezogen werden können. Blau sind der Fuchs und der Bär, braun der Jäger und der Holzfäller. Grün ist, was da sonst noch kreucht und fleucht oder auch im Wald nur rumsteht, also Fasane, Enten und Bäume. Bäume bewegen sich nicht. Bär und Holzfäller dürfen immer nur ein Feld, der Rest fast beliebig weit.
So geht’s dann eine Weile hin und her. Wer wen schlägt, ist genau vorgegeben: Der Fuchs schlägt Fasane und Enten, der Bär fängt Jäger und Holzfäller, der Holzfäller fängt die Bäume ein (was nicht sonderlich schwer ist, weil die sich ja im Unterschied zu den anderen Tieren nicht bewegen) und der Jäger darf auf alles schießen. Allerdings nur in Schußrichtung, was kein zu unterschätzendes Handikap darstellt. Dafür ist der Jäger 8 x im Spiel vorhanden und der Bär nur 2 x. Ebenfalls nur 2 x ist der Holzfäller vorhanden, der dringend gebraucht wird, wenn eine Figur von Bäumen umzingelt und damit unbeweglich ist. Irgendwer muß ja diesen Widerlingen den Garaus machen.
Irgendwann sind viele Figuren geschlagen und viele Punkte gemacht. Beim einem Spieler mehr, beim anderen weniger. Mit dem Aufdecken des letzten Plättchens beginnt die Schlußrunde in diesem schönen Spiel. Jeder hat noch 5 Züge, mit denen er Sonderpunkte erreichen kann, wenn er es schafft, daß möglichst viele eigene Figuren (beim Spieler blau also z.B. der Fuchs) den Wald durch die „Ausgänge“ an der Seite verlassen. Dann wird gezählt und der mit den meisten Punkten wird Oberförster. Nein – das steht nicht in der Regel, aber der gewinnt.
Wie spielt sich’s nun?
Eine Frage, die im Internet schon seit einiger Zeit die erstaunlichsten Gerüchte / Meinungen hervorbringt:
? „Der braune Spieler ist viel zu mächtig, weil der so viele Jäger hat.“
? „Der blaue Spieler ist viel zu mächtig. Wenn der Bär wütet, kann ihn keiner mehr stoppen.“
? „Meine Figuren sind alle vom Wald eingekreist. Ich kann mich gar nicht bewegen.“
? „So ein Mist. Mein Bär ist genau vor der Flinte des Jägers aufgetaucht.“
? „Ich decke schon das x. Plättchen auf und noch immer kein Fuchs / Jäger / Bär...“
So wird da gemotzt und gezetert. Zu Unrecht, wie ich meine. Zwar kommen obige Probleme durchaus vor. Ich habe aber bereits mehrfach sowohl mit blau als auch mit braun gespielt und mit beiden Farben gewonnen und verloren. Kommt darauf an, was man aus seinen Zügen macht.
Halali hat zwar nicht den Schwierigkeitsgrad von Schach, ist aber durchaus etwas damit zu vergleichen: Viele verschiedene Figuren in unterschiedlicher Aufstellung, die mit ihren Zugweiten den Gegner schlagen müssen. Der blaue Spieler ist „matt“, wenn er keinen Bären mehr hat und der braune tut sich ohne Jäger hart. In diesen Fällen tut schnelles Beenden des Spieles durch Aufdecken der restlichen Plättchen Not.
Unvergeßlich ist mir die letzte Partie, die ich mit einem gleichwertigen Gegner gespielt habe, der anfangs auch gemotzt hat: Ich habe am Anfang 2 x mit blau gewonnen und bin dann mit braun die 3. Runde gegangen. Es ist mir nicht gelungen, auch nur einen einzigen Bären zu schlagen. Dafür habe ich fast alle Jäger verloren wegen mangelnder Bewegungsfreiheit derselben. Der Bär war einfach zu klever und hat seine „Enten“ gut gegen den Jäger ausgespielt, indem er sie einfach zwischen den Jäger und den Bären zog. Wir haben schon wer weiß wie lange gespielt und uns gegenseitig gejagt – und dabei war noch nicht mal die Hälfte der Plättchen aufgedeckt – aber leider schon die 2 Bären im Spiel. Es war eine sehr sehr spannende Jagd, wie ich sie bisher nur von Schach und solchen Spielen kenne. Taktiker können mit diesem Spiel durchaus ihren Spaß haben. Wieder ein Spiel, bei dem mit wenig Regel viel Spielspaß und -Spannung rüberkommt.
Ich kann nach meinen Erfahrungen nicht sagen, daß die Figuren in "Halali" ungerecht verteilt sind. Es kommt halt doch nur auf die Spielstärke der Spieler und auf deren Taktisches Geschick an. Freilich – das notwendige Quentchen Glück ist auch dabei. Schadet aber nicht.
Ich gebe dem Spiel 4-5 von 6 Punkten. Es wird bei uns noch oft hervorgeholt werden.