Leserbeitrag

Kathai

Kathai von Michael Andersch, 3-5 Spieler, Adlung (2000), Preis ca. 10 DM.

Daniel Beuter <mauggel@gmx.de> 31.05.2001 11:38:

Kathai

KathaiDas Kartenspiel "Kathai" für 3- 5 Personen von Michael Andersch kommt in einer unscheinbaren, etwa zigarettengroßen Schachtel daher. Dieses handliche Format ist typisch für Spiele aus dem Hause Adlung und bestens bekannt von den Klasse-Spielen "Verräter" und "Meuterer". Ist das prallgefüllte kleine Schächtelchen mal geöffnet, kommen einem 66 Karten (übrigens allesamt nett anzusehen), die sich in 5 Kurskarten, 5 Warenkarten (Salz, Gold, Seide, Gewürze, Tee), 55 Handelskarten sowie 1 Übersichtskarte aufteilen, und eine kleine, kompakte, in drei Sprachen (deutsch, englisch, französisch) abgefaßte Anleitung entgegen. Das Reglement ist verständlich und mit hilfreichen Skizzen versehen, so daß einem alles in allem ein rascher Einstieg ermöglicht wird.

Ziel des Spiels ist es, auf dem durch die 5 Waren- und Kurskarten gebildetem Markt möglichst viele Waren zu einem möglichst hohen Preis abzusetzen. Umso höher der erzielte Preist ist, desto mehr Punkte erhält der Spieler; diese Punkte benötigt er, um schließlich als Sieger hervorzugehen.

Das "Spielfeld" bzw. der "Markt" besteht, wie bereits oben erwähnt, aus den 5 Kurs- und 5 Warenkarten. Dabei bilden die Kurskarten nach ihrer Wertigkeit (x = unverkäuflich; 1, 2, 3, 4 = Punkte, die beim Verkauf erzielt werden können) eine Reihe und die 5 Warenkarten, die anfangs beliebig unter je eine Kurskarte gelegt werden, eine 2. Reihe. Die Kurskarten haben alle eine verschiedene Wertigkeit, die beim Veräußern der Ware zur Geltung kommt. Um z.B. eine Ware zum Höchstkurs von 4 Punkten zu verkaufen, braucht man eine Mindestmenge von 7 Warensymbolen auf der Hand. Die Anzahl der Waren ist auf den Handelskarten abgebildet, von denen zu Beginn einer Partie jeder Spieler 3 Stück erhält, die restlichen Karten fungieren als verdeckter Nachziehstapel. Die Handelskarten zeigen bis zu 3 Handelswaren, die aus maximal 2 uterschiedlichen Warenarten bestehen. Ist ein Spieler nun in der Lage, eine Ware zu einem bestimmten Kurs zu verkaufen, wird die Punkteverteilung nach folgendem Schema durchgeführt: die Anzahl der abgegeben Karten (können auch mehr als die tatsächlich erforderlichen Karten sein) plus die auf der Kurskarte angegebene Wertigkeit ergeben die Gewinnpunkte. Die beim Verkauf gespielten Karten werden auf einem Ablagestapel gesammelt. Das Veräußern einer Ware wirkt sich sofort auf die Marktsituation aus. Dies macht sich bemerkbar, indem die soeben verkaufte Ware auf dem Markt ganz nach unten fällt, also unverkäuflich wird und die hinter der verkauften Ware platzierten Warenkarten um je eine Position vorrücken. Da die Waren ständig umgeschlagen werden, ändern sich die Marktgegebenheiten permanent, was von den Spielern eine gewisse Flexibilität in Bezug auf ihre Vorgehensweise abverlangt.

Ist ein Spieler am Zug, nimmt er zunächst eine Karte vom Nachziehstapel der Handelskarten, er darf dabei jedoch nie mehr als sieben Karten auf der Hand haben. Hat er gezogen, muß er sich für eine der folgenden fünf Aktionen festlegen:

1. Tauschhandel, d.h. der Spieler, der am Zug ist, versucht in "Siedlermanier", Waren mit seinen Mitspielern zu tauschen. Sollte kein Tauschhandel zustande kommen, so legt er eine Karte seiner Wahl von der Hand unter den Nachziehstapel und zieht vom selbigen die oberste nach.

2. Waren verkaufen, Ablauf siehe oben.

3. Erwerb zusätzlicher Handelskarten: Beim Verkauf von Waren darf man eine der abzugebenden Karten behalten und diese sog. "Tauschkarte" offen vor sich ablegen. Diese ermöglicht nun, zusätzliche Handelskarten zu erwerben, indem man die Tauschkarte auf den Ablagestapel legt und eine neue vom Nachziehstapel auf die Hand nimmt. Dies ist nur möglich, solange der Spieler weniger als sieben Karten auf der Hand hält.

4. Bestechung: Mit der bereits erwähnten Tauschkarte oder einer beliebigen Karte von der Hand kann eine Bestechung am Markt durchgeführt werden, d.h. daß zwei benachbarte Warenkarten am Markt vertauscht werden können, was dazu führt, daß eine Ware im Kurs um eine Position steigt und die andere um eine Position fällt. Um die Bestechung erkenntlich zu machen, wird die Tauschkarte quer unterhalb der zwei bestochenen Warenkarten gelegt. Sie wird entfernt, sobald eine erneute Bestechung durchgeführt wird oder sich die Marktsituation durch Warenverkauf ändert. Eine Bestechung kann nicht durch Ausführen einer Rückbestechung aufgehoben werden!

5. Passen

All diese Aktionen sind auch auf der dem Spiel beigefügten Übersichtskarte genannt und sehr gut erläutert. An dieser Stelle sei nochmals erwähnt, daß es zu beachten gilt, daß ein Spieler im Laufe seines Zuges immer nur eine Aktion durchführen kann!

Sind alle Karten vom Nachziehstapel aufgebraucht, durchläuft das Spiel noch 2 weitere Runden, in denen wieder jeder die Möglichkeit hat, seine Waren auf dem Markt loszuwerden, zu tauschen und handeln oder gar mit Bestechung den Markt zu seinen Gunsten zu beeinflussen bzw. seine Mitspieler zu ärgern.

"Kathai" ist in amüsantes, kurzweiliges und einfach zu erlernendes Tausch- und Handelsspiel mit gewissem Ärgerfaktor. Gewiß ist eine Partie nicht abendfüllend, aber schnell reiht sich ein Spiel ans andere, nicht zuletzt deswegen, weil man allen zeigen möchte, daß man doch besser tauschen, handeln und bestechen kann als bei der vorangegangenen Partie. In unserer Runde kam "Kathai" auch als "Warmmacher" für einen richtig ausgeprägten Spieleabend prima an. Vor allem zum Ende des Spiels hin, wenn der Nachziehstapel aufgebraucht ist, kommt der Ärgerfaktor wesentlich zum Tragen. Mir ging es z.B. oftmals so, daß ich mit den Karten, die ich auf der Hand hielt, keinen Verkauf mehr tätigen konnte. Also beschloß ich, einen Mitspieler etwas in die Bredouille zu bringen, indem ich eine bestimmte Ware, von der ich ahnte, daß er sie verkaufen wollte, durch Bestechung am Markt heruntersetzte. Alles in allem spielt natürlich auch das Glück eine nicht unerhebliche Rolle, was vor allem beim Spiel zu fünft spürbar wird, da sich dort die Marktgegebenheiten ständig ändern. Somit fällt ein geplantes Vorgehen äußerst schwer, zumal ja der Handlungsspielraum auf eine Aktion pro Zug beschränkt ist. Da passiert es durchaus schnell mal, daß die von einem durch Bestechung auf den Höchstkurs getriebene Ware ganz unten steht, sobald man wieder am Zug ist. Aber gerade dank diesem ständigen Auf und Ab am Markt wird dieses Spiel äußerst unterhaltsam, weil es mit reinem Kalkül noch lange nicht getan ist, sondern im Gegenteil Flexibilität und Spontanität gefragt sind. In unserer Spielrunde landet "Kathai" jedenfalls immer wieder auf dem Tisch, sei es zum Aufwärmen, zur Abwechslung oder schlichtweg darum, um Spaß an einem günstigen und einfach konzipiertem Spiel zu haben, das sich nicht durch Komplexität, sondern vielmehr durch seine Einfachheit sowie Unterhaltsamkeit hervorragend auszeichnet.

Kathai von Michael Andersch für 3-5 Spieler, Spielzeit max. 30 Minuten, ca. 10 DM.

Daniel Beuter

[ Home ] [ Top ] [ Archivübersicht ]