Presseinformation
Ist doch klar: Ihre Nachbarn sind
neidisch, weil Sie den grünsten Daumen von allen haben. Die
Erdgöttin Demeter persönlich hat Ihnen geflüstert, welches die
optimale Mischung verschiedener Gemüse in Ihrem Kleingarten ist.
Nun ist es in der Gartenkolonie von Spieleautor Gerd Fenchel so
Sitte, daß erstmal jeder in jedes Kleingärtchen, das ihm gerade
in den Sinn kommt, etwas hineinpflanzt. Wenn Sie aber merken,
daß da ein Kleingarten dabei ist, in dem so nach und nach all
das wächst, was in Ihren Augen die optimale Gemüsemischung ist,
dann schlagen Sie zu! Ja, genau, diese Parzelle gehört jetzt
Ihnen! Das würde jeder andere an Ihrer Stelle genauso machen.
Nur werden die fiesen Nachbarn ab jetzt versuchen, Ihren
Kleingarten mit Gemüsen zu füllen, die Sie gar nicht brauchen
können - oder man schmuggelt Ihnen gar Schnecken und Maulwürfe
rein. Aber Sie werden sie alle austricksen, und des
Kleingärtners Rache wird scharf wie Meerrettich sein.
So ungefähr ließe sich in kurzen, wohlgegossenen Worten das Spiele-Debüt von Gerd Fenchel beschreiben. Und hier ist die wahre Geschichte der Gartenkolonie "Kraut & Rüben".
Zu Beginn des Spiels liegen auf dem Tisch mehrere Kleingartenparzellen, genauer gesagt: immer eine Parzelle mehr als Personen am Spiel teilnehmen. Jedes Kleingärtchen ist von einer Hecke umgeben. Im Schutz dieser Hecke befinden sich jeweils zwölf quadratische Gemüsebeete.
Noch gehören die einzelnen Kleingärten niemandem; noch ist auf den fruchtbaren Beeten nichts gewachsen; noch haben die am Tisch versammelten Kleingärtner das Gras nicht wachsen hören; das heißt, noch wissen sie nicht, mit welcher Art von Gärtchen sie diesmal am glücklichsten werden. - Doch dann nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Jeder Spieler erhält einen geheimen Gartenplan. Da gibt es z.B. den Spargelgarten. In diesem Garten gedeihen, neben dem Spargel als "Leitgemüse", ausschließlich Salat und Karotten. Damit diese optimal gedeihen (d.h. die maximale Zahl von Punkten bringen) ist es nötig, genau 2 Spargelbeete anzulegen. Gelingt dies, dann bringt jedes Salatbeet 3 und jedes Karottenbeet 4 Punkte. Der Spargel selbst zählt nichts. - Schlecht wäre es, wenn zum Schluß z.B. gleich 4 Spargelbeete da wären. Dann nämlich zählt jedes Salatbeet nur 1, jedes Karottenbeet nur 2 Punkte. Der geheime Gartenplan verrät aber noch mehr. Wir sehen da, daß jedes Tomatenbeet im Spargelgarten zwei Minuspunkte bringt. Wächst Löwenzahn auf einem Beet, dann gibt es dafür Null Punkte, ebenso, wenn ein Beet vom Maulwurf untertunnelt wird. Tummelt sich im Beet gar eine Schnecke, dann ist ein Minuspunkt angesagt.
Langer Rede kurzer Sinn: Wer den Spargelgarten hat, der ist bestrebt, zum Schluß in seinem Garten haargenau 2 Spargelbeete zu haben, dazu möglichst viele Karotten- und Salatbeete und möglichst wenig Schädliches. Andere Prioritäten gibt es natürlich, wenn jemand den geheimen Plan des Möhren-, Tomaten- oder Salatgartens erwischt.
Die geheimen Gartenpläne sind
verteilt, und jeder Kleingärtner weiß jetzt, was er will. - Die
Spieler nehmen nun der Reihe nach jeweils immer 1 quadratisches
Kärtchen blind aus der Auslage und legten sie irgendwo auf einem
beliebigen Kleingarten ab. Abgebildet auf den Kärtchen finden
sich ehrenhafte Gemüse wie Spargel, Salat, Karotten, Tomaten,
Klee etc, aber auch "Unkraut" wie Löwenzahn oder
"Untiere" wie Maulwürfe und Schnecken.
Nach und nach füllen sich nun die Kleingärten mit bepflanzten Beeten (sprich: quadratischen Kärtchen). Die Spannung bei den Kleingärtnern steigt, denn irgendwann muß man sich für einen der Kleingärten entscheiden und sagen: "Der hier, der gehört jetzt mir!" Grund für diese Entscheidung: Auf dem ausgewählten Kleingarten befinden sich zufällig schon recht viele Gemüse, die man laut geheimem Gartenplan gut brauchen kann. Die Sache hat freilich ab jetzt auch einen furchtbaren Haken! Die andern Kleingärtner werden nun versuchen, dem stolzen Besitzer genau jene Karten ins Gärtchen zu legen, von denen sie glauben, daß er sie nicht brauchen kann.
Es ist also ratsam, nicht jedes Gemüse, das man brauchen könnte, mit triumphierendem Gärtnergrinsen in den eigenen Garten zu pflanzen. Pokerface ist angesagt. Und so steckt man die Salatpflänzchen, die man gerade aus dem Sack gezogen hat, ganz cool in einen anderen Garten. Vielleicht lassen sich die Mitspieler bluffen und überschütten einen danach mit Salat, weil sie glauben, den könne man überhaupt nicht gebrauchen.
Das Spiel endet, wenn sich nach und nach jeder Spieler für ein Gärtchen entschieden hat und alle Beete in den Gärtchen voll belegt sind. Jeder Spieler schaut, wieviele Beete er von seinem "Leitgemüse" im Garten hat. Danach berechnet sich die Punktzahl, die er für die dazu passenden Gemüse-Sorten bekommt. Schließlich zieht er noch die Minuspunkte für evtl. unpassendes Gemüse oder für Schnecken ab, und fertig ist der Endstand.
Kraut & Rüben von Gerd Fenchel, 3-5 Spieler ab 8 Jahren, Spieldauer: 20-30 Minuten, Kosmos, Preis ca 29 DM.
Fritz Gruber
Gerd Fenchel, der Autor des Spiels (der - passend zum Titel des Spiels - wirklich so heißt!) ist Jahrgang 68 und wohnt in Hessen. Gespielt hat er schon immer gern, doch erst während seines Studiums 1992 stieß er in Darmstadt in die Spielszene:
"Mehrere Jahre leitetete ich den Darmstädter Spieltreff (siehe auch unsere Seite Spieler + Clubs). Hier testete ich das Spiel Kraut & Rüben, das damals noch Pizza hieß. (An dieser Stelle nochmals Vielen Dank an alle Testspieler.) 1994 war ich mit dabei als wir den Verein "spielekreis darmstadt e. v." gründeten." Dieser Verein richtet jährlich ein Spielfest für 300-400 Personen aus.
Letztes Jahr beendete Fenchel sein Maschinenbaustudium und zog von Darmstadt weg. Zum Spielen geht er jetzt nach Friedberg. Jeden zweiten Donnerstag kann man hier im Tennisheim Spiele von ADAM spielt ausprobieren. Dort testet er auch seine neuen Spielideen.
Ausser Gesellschaftsspielen kann man Gerd Fenchel auch bei Postspielen im Amtsblatt begegnen.
Carsten Wesel <sendit2me@gmx.net> 12.10.2000 11:52
Ein leicht verständliches Spiel, das einige interessante Facetten hat. Wer sich seinen Garten frühzeitig sichert, hat zwar 3 Punkte sicher, aber auch die Gewissheit, daß jeder Mitspieler ihm Schnecken oder ungünstiges Gemüse einpflanzen wird. Wer sich zu spät für einen Garten entscheidet hat sicherlich auch schon diverse Gemüse dabei, die ihm nicht so ganz grün sind. Aber so ist das eben. Außerdem liegt eine Spielvariante für 2 Spieler bei, die ich allerdings noch nicht probiert habe.