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Lost Cities

Reiner Knizias Expedition ins Ungewisse

Willkommen im Club! Reiner Knizia, einer der kreativsten Spiele-Erfinder der Gegenwart und viele Jahre lang als Banker in London aktiv, kann seine Vorliebe für den englischen way of life nicht verleugnen. Zu seinem neuen, bei Kosmos erschienenen Zweipersonenspiel "Lost Cities" ließ sich Knizia von den legendären Aufnahmeritualen vornehmer englischer Clubs inspirieren.

Lost Cities

Zwei waghalsige Bewerber buhlen um die Aufnahme in einen der skurrilsten englischen Clubs. Von zwei entgegengesetzten Seiten, diesseits und jenseits eines langgezogenen, kleinen Spielplans, starten sie zu einer Expedition ins Ungewisse. Ihr Ziel ist es, versunkene Städte aufzusuchen und möglichst viele Relikte dieser alten Kulturen dem Dunkel der Zeiten zu entreißen. Daß man zu dieser Art von Expedition guter Karten, im doppelten Sinn des Wortes, bedarf, versteht sich von selbst. Fünfzehn Wettkarten und fünfundvierzig Expeditionskarten (in fünf verschiedenen Farben mit jeweils den Werten 2 - 10) hält das Schicksal für die Abenteurer bereit.

Beim Betrachten der prächtigen Bilder auf den Expeditionskarten wird schon von Beginn an klar: Der Verlag glaubt, daß dieses Spiel ein sehr großes Publikum finden wird, sonst hätte er nicht soviel in die künstlerische Gestaltung investiert.

Der Spielplan zwischen den beiden Abenteurern bzw. Hobby-Archäologen zeigt fünf verschiedene Gegenden, aus denen man im Laufe des Spieles aufbricht: den Himalaya, den tropische Urwald, die afrikanische Wüste, ein mächtiges Vulkangebiet und die Tiefen des Meeres. In allen Gebieten stecken versunkene Städte, und weil man sich hier für die Aufnahme in einen englischen Club abstrampelt, ist auch die Verkehrssprache Englisch: nicht um Versunkene Städte geht es hier, sondern um "Lost Cities". In diesem Sinne: good luck. - Die fünfzehn Wett- und fünfundvierzig Expeditionskarten werden ge- und miteinander vermischt. Jeder Spieler erhält, verdeckt, zunächst acht Karten. Die restlichen Karten werden verdeckt als Nachziehstapel bereit belegt.

Beide Club-Aspiranten haben Selbstvertrauen genug, um davon überzeugt zu sein, daß sie die versunkenen Städte entdecken werden. Die Frage, die sich stellt, ist: Wieviele davon werden sie ans Tageslicht bringen, und welchen Wert haben die gefundenen Artefakte? Läßt man mögliche Fundstücke unbeachtet und zieht weiter, wertvolleren entgegen, dann - so weiß jeder - gibt es kein Zurück mehr.

Lost Cities

In der Sprache der Karten klingt das so: Die Expeditionsfunde in jedem der fünf Gebiete haben Werte von 2 bis 10. - Die Fundserie wird von Lost City zu Lost City aus Expeditionskarten in Form von Kartenreihen aufgebaut. Und zwar so, daß die Zahlenwerte einer Reihe immer weiter ansteigen. Glaubt man sehr an den Erfolg einer bestimmten Expedition, so kann an den Beginn einer Kartenreihe, und nur dort, eine Wettkarte gelegt werden; unter Umständen auch zwei hintereinander. Wettkarten nachträglich an den Beginn einer Reihe zu legen, geht natürlich nicht. Alle Karten einer Reihe müssen die gleiche Farbe haben. Ist einer der beiden Hobby-Archäologen am Zug, dann muß er an eine der fünf möglichen Reihen eine Karte anlegen; will oder kann er dies nicht, so muß er zumindest eine Karte auf einen der fünf farblich entsprechenden Ablagestapel legen.

Am Ende des Zuges darf eine Karte nachgezogen werden, und zwar entweder vom großen Nachziehstapel oder von einem der fünf farblich unterschiedlichen Ablagestapel (sofern dort Karten liegen). Die Karte, die man möglicherweise gerade auf einem dieser Stapel abgelegt hat, darf aber nicht gleich wieder als Nachzugskarte auf die Hand genommen werden. Das Spiel endet sofort, wenn ein Spieler die letzte Karte vom großen Nachziehstapel aufnimmt. Dann werden bei jedem Spieler die Werte aller Karten in einer Reihe addiert. Von der Summe einer Reihe werden jeweils 20 Punkte als Expeditionskosten abgezogen. Wurden an eine Reihe eine oder mehrere Wettkarten gelegt, so wird das Ergebnis mit der Anzahl dieser Wettkarten multipliziert. Hat sich, nach Abzug der 20 Expeditionskostenpunkte, in einer Reihe ein Minus eingeschlichen, so potenziert sich, wenn hier eine Wettkarte liegt, natürlich auch das Minus-Ergebnis.

Die Spieler werden also bestrebt sein, besonders an Reihen, wo sie sich auf eine Wette eingelassen haben, sehr lange mit dem Anlegen zu warten, um dort möglichst viele und nahtlos aneinanderpassende Karten mit aufsteigenden Werten zu plazieren. Da jeder pro Zug nur eine Karte anlegen darf, kann man aber auch nicht ewig zuwarten; sonst ist der Nachziehkartenstapel - und damit das Spiel - zu Ende und man steht im archäologischen Büßerhemd da.

Lost Cities von Reiner Knizia, 2 Spieler ab 10 Jahren, Spieldauer 20-40 Minuten, Kosmos (1999), Preis ca. 25 DM

Fritz Gruber

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