Spielbesprechung

Input

Eingabeaufforderung für's Erinnerungsvermögen

CoverEs gibt solche Tage, da meint man genau zu wissen, dass die momentan akut benötigte Telefonnummer von Person XY doch genau auf der Rückseite einer Rechnung unter dem ersten Stapel links vorne auf dem Schreibtisch zu finden sein müsste. Wie nicht anders zu erwarten belehrt einen eine länger währende Suche dennoch eines besseren, und sofern man das Objekt der Begierde findet, so mit Sicherheit in einer ganz anderen Ecke als vermutet. Was das alltägliche Zettelchaos mit dem Spielen zu tun hat, mag man nun fragen? Eine ganze Menge, zumindest wenn man ein Spiel wie "Input" vor sich hat.

Bei "Input" wird das Suchen nach verborgenen Informationen auf Rückseiten zum Spielprinzip erhoben. Wir haben 10 Ziffern, bestehend aus 6 Segmenten, vor uns liegen und jeder der zwei oder drei Mitspieler besitzt einen Vorrat aus 7 Segmentplättchen seiner Farbe, die beidseitig verschiedene Symbole zeigen. Ziel des Spiels ist es, durch vollständiges Belegen der Ziffernkarten zuerst eine bestimmte Punktzahl zu ergattern. Wer das letzte passende Segmentplättchen auf eine Ziffer legen kann, darf sich Punkte entsprechend dem Wert der jeweiligen Karte gutschreiben. Banal? Nun ja, nicht ganz. Zum einen gibt es einige Sonderregeln, unter welchen Bedingungen Segmente gelegt bzw. verlegt werden dürfen. Die Kernregel jedoch ist die "Umdrehregel". Wer ein Segmentplättchen nimmt und legen will, muss es umdrehen und das auf der Rückseite verborgene Symbol passend unterbringen. Passt es nicht auf ein freies Segment der angepeilten Ziffer, so muss es, sehr zum Ärger des betreffenden Spielers, auf eine andere Ziffer gelegt werden - und wieder war es nichts mit der vollständigen Ziffer.

Input"Input" ist ein Spiel, bei dem es sehr darauf ankommt, sich die Lage bestimmter Segmentplättchen zu merken und im richtigen Moment auf die richtigen Ziffern legen zu können, um Punkte zu machen. Hier darf man seinen Mitspielern keinen Millimeter Raum lassen - und so manch sicher geglaubter Punktgewinn wird durch den Irrglauben, genau zu wissen, wo man welches Plättchen mit welcher Rückseite hingelegt hat, vereitelt. Die Materialqualität (an vorderster Stelle die griffigen und sauber gearbeiteten Kunststoffplättchen) und Aufmachung sind gut gelungen; letztere erinnert etwas an ältere Ausgaben von Digitalweckern mit ihren in Segmente aufgeteilten Ziffern.

Spieler, die sich für kleine originelle Merkspiele in abstrakter Aufmachung begeistern können, werden von "Input" sehr angetan sein. Das Spiel ist kurzweilig, anhand der klaren Regel einfach zu erlernen und kann mit einem interessanten Legemechanismus aufwarten. Jedermanns Fall wird diese Art Legespiel mit Memory-Anklängen aber sicher nicht sein. Fazit: sehr schön für Leute, denen die eingangs erwähnten Tücken des Alltags und die Abstraktion nicht die Lust an dieser Art Spiel nehmen. Die Fortsetzung des eingangs erwähnten Schreibtischs mit anderen Mitteln sozusagen. Und darin gut.

Input von Edelbert Wiedmann, 2-3 SpielerInnen ab 10 Jahre, Dauer ca. 20-30 Minuten, Preis ca. 25 DM, Drei Magier Spiele (1998)

Roman Pelek, 15.06.2001

[ Home ] [ Top ] [ Archivübersicht ]