Spielbesprechung

Quivive

Die französische Gigamic-Reihe, vertrieben in Deutschland von Amigo, zeichnet sich vornehmlich durch Taktikspiele für zwei mit einfachen Regeln, gehalten zumeist in gehobener Holzaufmachung, aus. Quivive fällt da von der Spieleranzahl etwas aus der Reihe, es ist sogar mit 2-5 Spielern spielbar, ansonsten bietet es die gleiche schöne Holzaufmachung und simple Regeln.

So bleibt denn auch dem Rezensenten ein weites Ausholen erspart: das Spielprinzip ist simpel. Aus runden Holzscheiben wird ein Spielfeld in drei Ebenen aufgebaut. Die Grundebene des mit leichten Vertiefungen ausgestatteten Spielfeldes wird vollkommen bedeckt, in der 2. Ebene befinden sich neun, in der 3. drei Scheiben. Jeder Mitspieler erhält eine Spielfigur (bei zwei Spielern jeder zwei), die er nach Belieben auf dem Feld platziert.

CoverJeder Zug des Spielers besteht nun daraus, seine Spielfigur auf eine (hoffentlich noch existierende) Nachbarscheibe zu bewegen, und dann eine der Scheiben vom Spielfeld zu nehmen. Dazu liegt auch ein Art Pinzette für die Steine bei, um sie bei noch recht vollem Spielbrett aus den Vertiefungen im Brett hervorzuzaubern. Wer sich nicht bewegen kann, scheidet aus. Hören sich andere Spiele aus der Gigamic-Reihe ähnlich simpel an, bieten aber nette taktische Finessen und sorgen für kurzen, aber auch kurzweiligen Spielspass, so verhält sich das bei Quivive leider anders:

Das Spiel läuft lange Zeit beliebig vor sich hin - einer zieht und nimmt weg, dann kommt der andere. Irgendwann befinden sich die Spieler auf fast fertigen "Inseln", dann sieht man zu, den anderen ein Wegbewegen von solchen Inseln durch Entfernen der letzten "Brücken" zu Nachbargebieten unmöglich zu machen - ein paar Züge lang muss man aufpassen, wo man hinzieht, wo man wegnimmt. Danach kann man durchzählen und wird bei nicht vollkommen falschem Spiel einer der Spielpartner den Sieger der Partie treffsicher vorausberechnen.

War's das? Ja, das war's. Die erste Hälfte des Spiels ist beliebig, bei mehreren Spielern fast "glücksabhängig" (wer zieht ohne besondere Erwägungen zufällig so, dass es mir später nicht geraten sein wird?). Danach kommen zwei, drei Züge, deren Taktik darin besteht, die "Brücken" des/der Mitspieler/s wegzunehmen, danach kann man die notwendigen Züge abzählen.

Zieht man noch den Preis in Betracht, so kann man dafür mittlerweile ca. 1,5 Mal "Torres" erstehen, das mit dem Prinzip "Figuren bewegen sich auf mehreren Ebenen" viel Spielspass bereitet. Bei Quivive kann man ihn dagegen mit der Lupe suchen und wird ihn kaum finden. Fast könnte man abwechselnd einen Stein vom Brett nehmen, und wer den letzten nimmt, gewinnt. Und, ums ausgewogen zu machen, zur Revanche den Startspieler wechseln - in diesen Regionen bewegt sich für mich die Unterhaltung bei Quivive.

So schön das Material ist, der Kauf des Spiels nützt nur ambitionierten Regelerfindern. Die beiliegenden in dieser Form sind für unterhaltsames Spielen als unbrauchbar zu bezeichnen. Somit ist Quivive klar am unteren Ende der zahlreichen Taktikspiele (gerade auch für zwei) anzusehen, sofern man in der Bezeichnung "Taktikspiel" nicht sogar Etikettenschwindel ausmachen will. Wer ein Auge auf die optisch schöne Gigamic-Reihe geworfen hat, ist mit den Vertretern Quarto!, Quads, Pylos oder auch Quixo um Welten besser beraten.

Quivive von Francis Pascherle, 2-5 Spieler, Gigamic (Vertrieb: Amigo)

Roman Pelek

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