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Business

Nicht Ausgereift?

BusinessBei der Nürnberger Spielwarenmesse ist mit "Relaxx Spiele" ein neuer Verlag angetreten, der mit Roland Siegers, zuletzt Produktleiter bei Schmidt Spiele, einschlägiges Know-how in die Geschäftsführung einbringt und dem es gleich gelungen ist, ein neues Wirtschaftsspiel von Sid Sackson ins Programm zu bekommen.

Sid Sackson ist in Deutschland vor allem durch "Acquire" bekannt. "Acquire" ist meiner Meinung nach eines der besten Wirtschaftsspiele überhaupt. Weitere hierzulande bekannte Meisterwerke von Sid Sackson sind "Basaar" und "Can't Stop!". Die Nachricht, daß es ein neues Wirtschaftsspiel von Sid Sackson gibt, löste bei mir daher zuerst einmal Freude und neugierige Erwartung aus.

Bei "Business" geht es, wie bei den meisten Wirtschaftsspielen, um das größte Vermögen bei Spielende. Um das zu erreichen, wird auf Aktienpakete geboten, die jeweils drei bis fünf Chips (=Aktien) umfassen. Dabei sind immer soviele Pakete im Handel, wie Spieler mitspielen. Das höchste Gebot hat die erste Wahl. Bei Gleichstand entscheidet ein Würfel. Zehn Dollar (von 105 als Startkapital) ist das Mindestgebot.

Sind die Aktienpakete an die Spieler verteilt, geht es ans gewinnbringende Verkaufen derselben. Auf den zwölf Feldern (= 12 Monaten) des Spielplans liegen Nachfragekärtchen, auf denen für jeden Monat der erzielbare Preis für bestimmte Aktienkombinationen angegeben ist.

Aktien kaufen

Pro Monat gibt es sechs Kombinationen nach denen überhaupt Nachfrage besteht (eine aus zwei Aktien, je zwei aus drei und vier Aktien, und wieder eine aus fünf Aktien). Da 15 Nachfragekärtchen vorhanden, aber nur 12 im Spiel sind, hat man jedes Mal wieder ein neues Spiel. Um die Unsicherheit für die Kalkulation zu erhöhen, liegen nur die Kärtchen der nächsten drei Monate offen.

Soweit alles schön und gut. Man bietet um die Reihenfolge im Einkauf. Das Gebot ist gleichzeitig der Kaufpreis für ein paar Aktien. Man gruppiert die Aktien um und kann sie zu vorgegebenen Preisen verkaufen.

Selbstverständlich sind da noch ein paar weitere Kleinigkeiten, um die Variationsbreite zu erhöhen. Die Aktienchips in den Farben rot, blau, gelb, grün und violett sind unterschiedlich oft vorhanden, und zu guter letzt erhält jeder Spieler zu Beginn vier zufällig gezogene Chips als Startkapital.

Abgesehen davon, daß das Thema nicht so recht stimmig ist - Aktien werden nicht in gemischten Paketen ge- und in anders gemischten wieder verkauft - wo ist der Gag, der Höhepunkt, der Spannungsbogen? Doch halt, am Ende jedes dritten Monats gelten die doppelten Verkaufspreise!

Quartalsgeschäfte

Das bringt schon gewisse Höhepunkte, doch leider versucht jeder nur noch an den Quartalsenden zu verkaufen. In den normalen Monaten wird nur dann verkauft, wenn wegen Überschreitung des Aktienlimits von zehn Stück, Aktien zurückgegeben werden müßten.

Das Spiel reduziert sich daher auf zwölf Bietphasen und vier entscheidende Verkaufsphasen. Dies geschieht deshalb, da die Gewinne der Zweier- bis hinauf zu den Fünferkombinationen im Vergleich zur Verdoppelung der Einnahmen viel zu gering ausfallen, das heißt: selbst eine lumpige Kombination aus zwei Aktien bringt, pro Chip gerechnet, im Monat am Quartalsende mehr als eine mühsam gesammelte Vierer- oder Fünferkombination in einem normalen Monat.

Irgendwie habe ich bei "Business" den Eindruck, das Spiel ist nicht zu Ende getestet. Die Ideen als solche sind tragfähig, wenn auch nicht berauschend, aber die Abstimmung der Werte/Preise ist nicht ausgereift.

Sicher, wer mit den Werten experimentieren will, kann noch ein interessantes Spiel daraus machen: z.B. pro Spieler nur eine Kombination zu doppeln oder gar pro Spieler nur die billigste Kombination zu doppeln oder wie von Sid Sackson ursprünglich vorgeschlagen, nur die letzten beiden Monate zu vervielfachen.

Vielleicht war die Erwartung an ein neues Sid Sackson-Spiel etwas zu hoch, aber in der jetzigen Form kann ich "Business" nicht sonderlich viel abgewinnen.

Joseph Weigand

Business von Sid Sackson, 2-6 Spieler ab 12 Jahren, Spieldauer ca. 45 Minuten, Relaxx Spiele (1998), Preis ca. 45 DM

spielbox Wertung: Durchschnittswertung von 7 Kritikern
Regeln Material Originalität Spielreiz
6,3 5,0 5,4 5,9
1 = schlechteste Note, 10 = beste Note

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