Wer ist nicht als Kind gern in einem Steinbruch herumgekrochen und hat sich über die vielen "Hexenpfennige" - die kleinen Kreissegmente der Seelilienstengel - gefreut, und manchmal war auch ein kleiner versteinerter Fisch dabei. Solche Jugenderinnerungen werden in Klaus Paleschs Spiel "Fossil" (Goldsieber) wach, das Franz Vohwinkel grafisch eindrucksvoll umgesetzt hat.
Neun verschiedene Fossilien sind in jeweils neun quadratische Teile zerlegt und werden zu Spielbeginn auf die 81 Felder des Spielplans verteilt. Das vollständige Rekonstruieren des Trilobiten, Knochenfisches oder der Pilgermuschel ist zwar nicht das Ziel der zwei bis sechs Spieler - schade eigentlich -, aber jeder muß versuchen, an möglichst viele und auch hochwertige Kartenteile heranzukommen.
Jedes Fossil besteht nämlich aus sechs Einer-, zwei Zweier- und einem Dreierkärtchen. Da am Ende die Punktwerte eines Fossils mit der Kartenanzahl multipliziert werden, wird das Steinbruchfeld zuerst nach den großen Werten abgegrast.
Gesammelt wird mit Hilfe von zwei Halbedelsteinen, die von jedem Mitspieler in waagrechter oder senkrechter Richtung beliebig weit gezogen werden dürfen. Das geschieht allerdings nicht kostenlos.
Mit 30 Punkten Startkapital, die auf einer Zählleiste markiert werden, muß man anfangs haushalten, denn für jedes Feld mit Fundkarten, über das der Halbedelstein wandert, wird ein Punkt abgezogen. Zu große Sprünge sollten daher anfangs vermieden werden.
Wertungen erfolgen stets dann, wenn das letzte Kärtchen eines Fossils aufgenommen wird. Der Spieler, dem dies gelungen ist, kann noch eine eigene Fossilienkarte gegen die eines beliebigen Mitspielers eintauschen. Beachtet werden muß dabei nur, daß die Kartenwerte sich entsprechen.
Hier wirkt sich der Wertungsmechanismus spieltaktisch aus, zumal es nicht nur die schon oben beschriebene Punktwertung gibt. Zusätzlich erhält jeder Spieler mit dem höchsten Fundwert von allen Mitspielern je einen Punkt für die Anzahl seiner Karten des gewerteten Fossils, sofern diese überhaupt keine Karte dieses Fundstücks besitzen.
Dadurch kann man durch die entsprechende Tauschaktion am Ende nicht nur Wertungssieger des vollendenten Sammelstücks werden, sondern kassiert die zusätzlichen Punkte von den Mitspielern, die nicht so erfolgreich zur Rekonstruktion beigetragen haben.
Alle Punkte werden sofort auf der Zählleiste, die durch ihre parallele Anordnung der Zahlenspalten sehr unübersichtlich ist, abgetragen und erweitern damit den Aktionsradius für die weiteren Bewegungsschritte der Halbedelsteine. Sollte ein Spieler keinen Punkt mehr zur Verfügung haben, darf er nicht mehr ziehen und muß auf die nächste ertragreiche Wertung warten.
Das Spiel endet, wenn keiner der Halbedelsteine mehr auf einer Fundkarte landen kann. Alle noch nicht gewerteten Fossilien werden noch abgerechnet, die Tauschregel entfällt aber in dieser Phase. Der Spieler, der nach Abschluß aller Wertungen am weitesten vorn liegt, gewinnt das Spiel.
Die Spielbeschreibung macht deutlich, daß es sich hier um ein äußerst ruhiges Spiel handelt. Grübler, die meinen, weit vorausplanen zu können, können aus der angenehmen Spieldauer von möglichen 30 Minuten oft ein zähes Miteinander von über eine Stunde erzwingen. Außerdem hätte ich mir eine übersichtlichere Zählleiste - weshalb eigentlich nicht der übliche Rundkurs? - und eine andere Regelung bei den Bewegungskosten gewünscht.
Oft genug gehen die Spieler aus Kostengründen nur ein Feld weiter und ständig muß daran erinnert werden, daß dies einen Zählpunkt kostet. Das verzögert den Spielablauf beträchtlich, so daß wir schon nach den ersten Partien die Regel insofern ergänzt haben, daß das Zielfeld kostenfrei erreicht wird.
Klaus Palesch hat "Fossil" in sich stimmig konstruiert, Zug- und Wertungsmechanismus sind gut aufeinander abgestimmt. Alles wirkt glatt, aber doch irgendwie nicht überzeugend. "Ganz nett" ist das häufigste Urteil, das ich nach Testspielen zu hören bekam.
Mir persönlich gefällt "Fossil" besser als den meisten meiner Mitspieler, da ich die Spielgattung der taktischen Sammelspiele, die wir mit Reiner Knizias "Tutanchamun" oder Rudi Hoffmanns "Janus" schon vorbildlich kennengelernt haben, besonders mag. Wer an diesen Spielen Gefallen findet, der sollte auch "Fossil" ausprobieren, zumal das Spiel äußerst preisgünstig zu erwerben ist.
Wieland Herold
Fossil von Klaus Palesch, Grafik: Franz Vohwinkel, 2-6 Spieler ab 10 Jahren, Spieldauer ca. 20-40 Minuten, Goldsieber (1998), Preis ca. 29 DM.
spielbox Wertung: Durchschnittswertung von 7 Kritikern
| Regeln | Material | Originalität | Spielreiz |
| 6,9 | 7,1 | 6,0 | 5,9 |
| 1 = schlechteste Note, 10 = beste Note | |||