spielbox archiv heft 4/98

Gambler

Ooooch, bloß Glück? Gar nicht denken, keine schwerwiegenden strategischen Planungen anstellen, nicht verhandeln, tüfteln, streiten? Tja nun, das kommt vor. Einfach die Würfel werfen und hoffen, daß sie wunschgemäß fallen, vorher das eine oder andere Wagnis eingehen - und nachher leise fluchen oder laut jubeln. Das ist alles und heißt in diesem Falle "Gambler".

 Gambler aber hieß ehemals "Sharp Shooters", und hier liegt das Problem, sofern man diese amerikanische Ausgabe kennt: Sie ist, nein, sie war, denn es gibt sie leider nicht mehr - sie war ein einarmiger Bandit, stimmungsmäßig, wohingegen "Gambler" nur noch die keusche Version für den Altennachmittag ist. Trotzdem kostet sie 55 Mark, dem finanziell elitären Auftreten der neuen Ravensburger-Marke FX (weiland Schmid) entsprechend; dafür gibt es zwar ein cooles Design von Springer & Jacoby, aber nicht unbedingt einen überzeugenden Gegenwert.

Becherlein stürzen

Doch, paßt schon alles, die 30 Würfel haben je sechs Seiten und acht Ecken, da kann man nicht klagen, der Karton der Spieltableaus ist stabil - aber der Würfelbecher zum Beispiel, warum liegt er so mutterseelenallein in der Schachtel? Noch bei "Bluff", einem atmosphärischen Verwandten, gönnte man jedem Spieler seinen eigenen Becher. Vorbei. Jetzt müssen wir herumreichen, das hemmt den Fluß.

GamblerUnd die Chips, die wir als Punkteträger betrachten sollen: Sie sind blau, gelb, weiß; hätte es den Verlag in die roten Zahlen getrieben, die entsprechenden Werte 100, 50, 10 einzuprägen?

Gut, genug gebrummelt, die Sache als solche ist ja nicht blöd. Wir werfen also die Würfel nicht, wie bei "Sharp Shooters", mit schönem Schwung auf ein halbrundes, filzbeklebtes Brett, an dessen Rand sie klackend gebremst werden; wir schütteln brav unser Becherlein und stürzen es auf den Tisch. Fünf Würfel sind zunächst drin, obwohl wir möglicherweise im Vorrat mehr haben, denn die 30 werden gleichmäßig an zwei bis sechs Spieler verteilt.

Das Ergebnis sollte uns zu denken geben: Wieviele Würfel wollen oder können wir auf dem Tableau ablegen? Einer muß es sein, sofern er paßt - jedes Tableau zeigt (auf beiden Seiten) je sechs Reihen mit verschieden vielen Symbolen, die für eine bestimmte oder beliebige (Sterne) Augenzahl stehen. Von links nach rechts werden sie belegt, Reihen mit drei Vierern oder einer "großen Straße" oder mit Sternen in "Full House"-Anordnung und so fort; wer das letzte Feld einer Reihe füllt, bekommt dafür Punkte.

Das ist schon recht spannend, aber nicht alles. Manche Reihen nämlich sind schwarz gedruckt: Dort sind keine Punkte zu holen, dort gehen demjenigen einige flöten, der das letzte Symbol belegen muß.

Unser ganzes Trachten geht demzufolge in zwei Richtungen: fröhlich eine lukrative Reihe füllen - oder feixend eine kostspielige der geschätzten Konkurrenz überlassen. Abgesehen davon, daß Würfel im allgemeinen sowieso fallen, wie sie wollen, können wir uns durchaus einbilden, dabei ein wenig Einfluß zu nehmen.

Ein Würfel, wie gesagt, muß immer abgelegt werden, wenn's irgendwie geht, doch anschließend dürfen wir entscheiden: mit dem Rest weiterwürfeln und auf bessere Augen hoffen, dann vielleicht wieder ablegen, weiterwürfeln, bis nichts mehr paßt; oder gleich mehrere Würfel ablegen und aufhören (und beim nächsten Mal erneut fünf Würfel nehmen, solange der Vorrat reicht); oder sofort aufhören.

Das hängt eben alles vom Füllungsgrad der Reihen ab und unserem Mut beziehungsweise Gottvertrauen - wir wollen ja unserem Nachbarn keine prächtige Vorlage liefern, indem uns beim vorletzten Feld das Glück ausgeht, und wir wollen schon gar nicht der Depp sein, dessen Würfel unversehens nur noch auf schwarze Reihen passen. Mitunter ist es auch klug, alle Würfel möglichst schnell loszuwerden, sich zurückzulehnen und so in Sicherheit das bunte Treiben zu beobachten.

Ein wenig Einfluß?

Sobald ein Tableau dicht ist, machen wir uns ans nächste, die Würfel werden neu verteilt. Sobald einer 500 Punkte angesammelt hat, ist's vorbei. Lustig war's, eines jener Spielchen ist es, die gute Aussichten haben, immer mal wieder gefragt zu sein, zum Aufwärmen oder zum Ausklang. Man muß ja nicht jedesmal daran denken, daß bei "Sharp Shooters" die Würfelablage feine Vertiefungen hatte, zum Beispiel, und überhaupt.

Michael Knopf

Gambler von Breslow, Morrison, Terzian /Lizenz), Grafik: Springer & Jakoby, 2-6 Spieler ab 10 Jahren, Spieldauer ca. 30 Minuten (F.X. (1998), Preis ca. 55 DM.

spielbox Wertung: Durchschnittswertung von 7 Kritikern
Regeln Material Originalität Spielreiz
6,9 6,3 5,6 6,7
1 = schlechteste Note, 10 = beste Note

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