Spiele gibts, da geht einem sofort ein Licht auf. Das könnte doch, ja richtig, von Uwe Rosenberg sein. Nicht, daß sich der gebürtige Ostfriese fortwährend selbst plagiiert. Es sind eher die kleinen Mechanismen, woran wir die Handschrift eines Autors deutlich erkennen.
Wir erinnern uns an "Bohnanza", dieses geniale Tausch- und Sammelspiel. Da werden Karten zu Geld gemacht, indem wir sie einfach umgedreht ablegen. Genau dieses System finden wir auch in "Klunker" vor, der Kartenspiel-Premiere im Hans im Glück-Verlag. Doch erst mal schön der Reihe nach.
Wir sammeln Klunker, also Schmuckstücke, die der eine am Ohrläppchen, der andere am Hals trägt. Konventionell also. Manch Zeitgenosse findet aber auch Gefallen daran, sich einen Goldstift durch die Zunge bohren zu lassen. Unser Trachten ist es, erstens an solche Klunker zu kommen, um sie zweitens in bare Münze zu verwandeln. Gewonnen hat nämlich, wer am meisten Geld gescheffelt hat.
94 Klunker in sieben Sorten sind im Spiel, wovon wir sechs auf die Hand bekommen. Der Rest liegt in einem Ziehstapel, von dem wir uns am Ende einer Runde immer wieder bedienen. Eine sogenannte Schaufensterkarte gibt es auch für jeden, denn wir wollen unsere Klunker anderen auch zum Kaufen anbieten. Und jeder erhält zudem anfangs verdeckt eine Karte, die auf der Rückseite - wir erinnern uns an den Rosenberg-Trick - den ersten verdienten Geldschein zeigt.
Zuerst legen wir aus der Hand eine oder mehrere Karten ins Schaufenster. So wollen wir Kunden in unser Geschäft locken. Danach dürfen wir Handkarten in einen fiktiven eigenen Tresor ablegen - das ist der Platz rechts neben dem Schaufenster. Die Karten werden reihum einzeln ausgelegt.
Wem es gelungen ist, die vierte Karte des gleichen Klunkers abzulegen, der darf sie gleich zu Geld machen. Haben wir nur diese eine Klunkersorte im Tresor, werden alle vier Karten umgedreht. Wir haben also vier Geldscheine verdient. Liegt noch ein anderes Schmuckstück im Tresor, ist das aufzulösende Quartett nur noch drei Geldscheine wert. Liegen noch zwei andere Klunker aus, bringt das Quartett nur noch zwei Geldscheine ein.
Und ist unser Tresor randvoll, haben wir also zuviel gehamstert, dann sind unsere Vierlinge nur noch einen einzigen Geldschein wert. Keine Regel ohne Ausnahme: Das Halsband des Löwen bringt immer vier Geldscheine ein. Kein Wunder, daß diese Karten besonders wertvoll und deshalb begehrt sind.
Wollen oder können wir keine Klunker mehr in den Tresor legen, weil wir durch eine neue Sorte nur unseren Verdienst schmälern würden, können wir uns auch eine Kaufkarte aus der Tischmitte nehmen. Das sind je nach Teilnehmerzahl zwischen drei und fünf Karten. Wer sich zuerst zum Kaufen entschließt, nimmt sich die Karte mit der Ziffer 1.
Sobald alle Kaufkarten verteilt sind, erhält der Spieler mit der Kaufkarte 1 den ersten Zuschlag. Er darf sich entscheiden, ob er die Auslage eines Mitspielers kauft oder seine eigene Auslage in den eigenen Tresor legt.
Egal wieviel Karten in einem Schaufenster liegen, bei der Konkurrenz kosten sie stets einen Geldschein, für Karten im eigenen Schaufenster wird nichts gelöhnt. Sämtliche gekauften Klunker wandern gleich in den Tresor, und wenn damit ein Quartett komplett geworden ist, wird wieder verdient.
Klunker-Karten, die wir nicht zu Geldscheinen machen konnten, wandern wieder auf den Ablegestapel. Von dort werden am Ende einer Runde so viele Karten verteilt, bis jeder erneut sechs Karten auf der Hand hat.
In der Spielregel ist vermerkt, daß die abgelegten Klunker-Karten einfach auf diesen Stapel gelegt werden. Was bedeutet, daß sie durch das Ergänzen am Ende einer Runde gleich wieder im Spiel sind. Auf der Hans im Glück-Homepage war zu erfahren, daß wir diese Karten auch in den Stapel hineinmischen können.
Das Spiel endet, wenn dieser Stapel so klein geworden ist, daß nicht mehr alle Spieler ihre Handkarten auf sechs ergänzen können. Jeder zählt seine verdienten Geldscheine, wer die meisten besitzt, war der größte Raffsack am Tisch. Er hat gewonnen.
Es ist schon verflixt, dieses Spiel. Oft fehlen einem die passenden Karten, die ein Quartett vervollständigen würden. Legen wir aber keine anderen Klunker aus, bekommen wir am Ende vielleicht nicht genügend neue Karten zugeteilt. Und dann die lieben Mitspieler! Die eine Karte in dem Schaufenster würde ganz gut in unseren eigenen Tresor passen. Die würden wir schon kaufen wollen.
Warum, um Himmels Willen, hat das Schlitzohr noch zwei andere Karten dazugelegt, die wir beim Kauf ebenfalls erhalten würden. Natürlich, weil er Karten loswerden wollte. Wahrscheinlich auch, weil er uns ärgern wollte. Pech aber, wenn er auf seiner eigenen Auslage sitzenbleibt. Unter Umständen muß er sie in den eigenen Tresor legen. Kaufen ist Pflicht.
Und wenn die Auslagen der Konkurrenz leergeräumt sind, bleibt einem nur noch das eigene Schaufenster übrig. Der Kaufzwang ist dann aufgehoben, wenn wir mit dem Kaufen dran sind und unser eigenes Schaufenster leergekauft ist. Dann können wir uns entscheiden, ob wir bei der Konkurrenz zuschlagen oder nicht. Lassen wir es bleiben, ist die Kaufrunde sofort beendet, das heißt, nachfolgende Käufer gehen leer aus. Auch ein hoher Ärgerfaktor.
Auch wenn einem der eine oder andere Mechanismus an "Bohnanza" erinnert, "Klunker" bleibt ein völlig eigenständiges Spiel. Die Nähe zum Bohnenspiel wundert nicht, denn Uwe Rosenberg hat sich beide Spiele zur fast gleichen Zeit ausgedacht. Die Qualitäten von "Bohnanza" erreicht "Klunker" nicht ganz. "Bohnanza" ist einfach eine Spur interaktiver.
Dennoch ist die Kartenspiel-Premiere des Münchner Verlags gelungen. Wenn es etwas zu mäkeln gibt, dann sind das nur die Illustrationen der Karten. Die sind in so blassen Farben gehalten, daß wir die Augen bei künstlichem Licht doch ziemlich anstrengen müssen.
Klunker von Uwe Rosenberg, Grafik: Oliver Moser, 3-5 Spieler ab 10 Jahren, Spieldauer ca. 45 Minuten, Hans im Glück (1999), Preis ca. 10 DM
Edwin Ruschitzka
spielbox Wertung (8 Kritiker)
| Regeln | Material | Originalität | Spielreiz |
| 7-6-5-7-5-6-7-8 | 6-6-6-7-6-6-7-8 | 9-8-7-6-8-8-6-6 | 8-7-7-6-8-8-8-6 |
| 1 = schlechteste Note, 10 = beste Note | |||