Essen 98: Reaktionen

Die folgenden Reaktionen stammen aus der Mailingliste der Spieleautoren (mehr darüber auf der Spieleautorenseite. Ich habe mir die Freiheit genommen, sie hier einfach zu übernehmen, um subjektive Eindrücke von den Neuerscheinungen der Internationalen Spieltage wiederzugeben. Da dies eine spontane Entscheidung von mir war und ich die jeweiligen Absender nicht erst um Erlaubnis für die Veröffentlichung gebeten habe, erfolgt die Wiedergabe anonym, also ohne Namensnennung der Absender.
Seit Mai 1999 gibt's übrigens für diese Zwecke hier auf dem Spielpl@tz das Spielerforum und das Forum-Archiv.


leider habe ich nur wenig in essen gespielt.
aber spontan hat "samurai" einen guten eindruck gemacht.
irgendwelche favoriten?


leider habe ich nur wenig in essen gespielt. aber spontan hat "samurai" einen guten eindruck gemacht.

Ein typischer Knizia, meine ich, in der Art wie *Durch die Wüste*. Wir haben es leider so gespielt, dass auch die eroberten Figuren hinter den Schirm gesteckt wurden. Da hatte niemand so recht den überblick über den Spielstand, und am Ende kam nur einer in die Wertung. Ich mag keine Taktikspiele mit Memory-Effekt. Also werde ich es nochmal mit sichtbaren Figuren spielen.

...irgendwelche favoriten?

Ich habe auch nur sehr wenig gespielt, weil ich die meiste Zeit am eigenen Stand war. Aber *Verräter* von Marcel-André Casasola Merkle gefällt mir so gut, dass es wohl auch mein Favorit wäre, hätte ich viel mehr andere Spiele gespielt. Hätte Karsten Adlung ein - wenn auch überflüssiges - Spielbrett hinzugefügt, wär es vielleicht unumstrittener Star der Messe geworden. Aber wer schaut schon genaür auf ein 10-Mark-Kartenspiel ?

*Kontor* hätte ich auch gern nochmal mit allen Regeln gepielt. Es war eines von den Spielen, die genannt wurden, wenn ich die Besucher unseres Standes nach empfehlenswerten Spielen fragte (sinngemässes Zitat: "es tut mir leid für dich, aber es ist noch besser als das sehr gute Kahuna"). Ausserdem: *Friesematenten*, *Kahuna*, *Keydom*, *Samurai*, *Verräter*. Ich hatte insgesamt aber nur sehr wenig Leute gefragt. Bei *Friesematenten* gab es Kritik wegen dem Sammelkarten-System und Lob für die Grafik.

Bei *Samurai* waren die Meinungen zwiespältig. Auch *Le Jardin* (1966 erschienen) wurde mir einmal genannt von zwei Spielern, die es gerade gespielt hatten und von der Messe insgesamt eher enttäuscht waren.

*Keydom* habe ich gespielt und dann wieder weiterverkauft. Eigentlich kein so schlechtes Spiel. Aber es hat mich auch nicht total überzeugt. Es gibt inzwischen eine ganze Menge Spiele, die ich lieber spiele. Ich habe aber viele Leute getroffen, die von *Keydom* begeistert sind. Für Sammler ist es ganz bestimmt ein Muss (aber vergriffen).


Mein Essen-Eindruck:
In Essen habe ich mich hauptsächlich bei Kleinverlagen umgesehen, denn die anderen Sachen kann ich immer und überall bekommen.

Mein Lieblingsspiel ist aber bisher Pfeffersäcke. Es stimmt einfach alles daran.

Bei Samurai habe habe ich zugesehen und immer einen grübeln und drei sich langweilen sehen - hat mich erst einmal nicht überzeugt. Aber ich werde es mir irgendwann sicher genau ansehen. Letzteres gilt auch für Caballero.

Natürlich (!) habe ich die Erweiterung für Ursuppe mitgenommen. Als Wiedergutmachung meiner vorjährigen Kritik habe ich schon einige Leute zum Kauf von Ursuppe verleiten können.

Keydom ist ganz nett. Es läuft verhältnismäßig ruhig ab, ist aber ein gutes Spiel. Die Bärendynastie von Adlung ist nicht so gut angekommen - keiner weiß bisher, was eine sinnvolle Taktik sein könnte. Zu Verräter hatte ich noch keine Zeit.

Die Fragen in "Anno Domini" sind wirklich sehr gut - auch alle Trivial-Pursuit-Hasser haben es gemocht.

Nanuuk! hat einen sehr interessanten Grundmechanismus. Aber zum Schluß haben wir das Spiel einfach durch Übereinkunft beendet, weil niemand mehr mit viel Aufwand billige Tiere jagen wollte und auch sein Spiel in einem Iglu beenden wollte.

Zirkus Flohkati hat eine lustige Grafik, ist aber recht anspruchslos.

Friesematenten ist im wesentlichen ein Versteigerungsspiel. Die Karten sind leider sehr unterschiedlich stark und daher spielt auch der Zufall kräftig mit (Habe ich gerade das Geld, um die Wahnsinnskarte zu ersteigern?) Auch nach einer leider notwendigen großen Umtauschaktion am Stand von 2F (53 von 120 Karten waren doppelt) bin ich vom Spiel nicht begeistert.

Vor "Star Take" von NMG muss gewarnt werden, denn 98 Mark für ein mangelhaftes Material mit mehreren Stunden Bastelaufwand sind unverschämt. Es zu spielen ist mir noch nicht möglich.

KMW: Bitte lesen Sie hierzu eine Gegendarstellung!

Als letztes Highlight: Die Spitze fand ich die Aufschrift auf der Rückseite des neün Spiels von FanFor: "Mit dem Kauf dieses Spiels unterstützen sie einen innovativen Kleinverlag" - na, wenn das alles ist. Ich habe daraufhin auf den Kauf sofort verzichtet.


"Samurai" ist für mich nach einmal spielen nur das schlechtere "Euphrat & Tigris". Damit ist es natürlich immer noch weit über so manchem anderen Spiel. Aber es ist einfach wesentlich statischer als das Zweistrom-Spiel. Naja, ich spiel es noch ein paar mal, mal sehen.

"El Caballero" hab ich auch erst einmal gespielt (zu zweit) und hat angesichts der etwas fummeligen Detailarbeit (gedanklich, nicht physisch) ein bisschen den Eindruck gemacht, dass es ewig daürt, wenn man es zu viert spielt. Meine Empfehlung: Erst zu zweit üben und dann zu viert dran wagen. Etwas irritiert hat mich die gigantische Schachtel. Da haben die Hänse im Glück wohl was wiederverwertet.

"Pfeffersäcke" trifft nicht ganz meinen persönlichen Geschmack, da mir zuwenig Interaktion im Spiel ist. Aber es funktioniert wohl gut. Wir haben es leider zu sechst gespielt und das ist wohl definitiv zu viel. Christwart hatte es ursprünglich nur bis 5 angegeben und auf der Packung steht auch nur empfohlen für bis 5 (Spieler, nicht Jahre!). Meine Spielrunde hat sich auch noch über die Rechnerei beschwert. Aber ich find ein paar Multiplikationen und Additionen wirklich zumutbar. Das Thema lies meine Runde an ein Handelsspiel denken. Gehandelt wird da aber nicht. Ein Taktisches Setzspiel könnte man es vielleicht nennen.

"Durch die Wüste" hat mir sehr gut gefallen. Auch zu dritt. Nach dem was ich gelesen und gesehen hatte, hätte ich es schlechter eingeschätzt.

"Ra" (kommt erst in Nürnberg raus) von Knizia/Alea, der neün Marke für Spieler des Ravensburger-Konzerns hat mir zwar ganz gut gefallen, aber für meinen Geschmack ist es zu fummelig und auch nicht rasend originell. Das Thema ist völlig zufällig in meinen Augen.

Gestern haben wir "Basari" ausprobiert. Hat mir sehr gefallen. Ist nicht sehr anspruchsvoll, aber für den späteren Abend genau das richtige. Zumindestens zu viert. Material & Graphik sind allerdings nicht ganz so doll.

"Verräter" hat zu dritt auch einen guten Eindruck gemacht, aber besser ist es wohl auch zu viert. Mir war das Spiel aber zu schnell vorbei. Vielleicht sollte man noch eine Runde dranhängen, mal gucken. Der Verräter-Mechanismus ist sehr schön. Der Rest des Spieles wirkt ein bisschen darum drumrum entwickelt, was ihm aber wohl nicht schadet.

Günthers Cornetts "Nannuk" erreicht vom Spielmechanismus her nicht ganz seinen Vorjahreserfolg mit Arabana-Ikibiti, ist dafür aber thematisch sehr schön umgesetzt. Und zu zweit ist es auch ganz schön anspruchsvoll, wärend es zu viert eher etwas lockerer ist. Das einzige Spiel dieser Auflistung, dass ich schon mehr als einmal gespielt habe, insofern muss was dran sein ;-)

"Kahuna", letztes Jahr noch Arabana-Ikibiti, hat meiner Meinung nach durch Kosmos nicht gewonnen. Natürlich ist es jetzt professioneller und mehr Leute werden es spielen, insofern ist das schon Ok. Aber der alte Name war einfach Kult und die unaussprechlichen Inselnamen haben mir auch besser gefallen. Die Regeln sind deutlich anders, aber die alten Regeln sind als Variante dabei. Unbedingt nach den alten Regeln spielen! Die neün Regeln sind viel zu Glücksabhängig. Und auch die Grafik ist zwar proffesioneller, aber doch ein wenig dem Kosmos-Einheitslook unterworfen, wobei natürlich die Inselhand auf dem Titelbild schon eine gute Idee war!

... so ich glaub das waren alle neün Spiele, die ich ausprobiert hab. Ein paar alte hab ich auch noch gespielt, aber das interessiert ja nicht so sehr.

Bei allen Spielen (ausser Nanuuk) gilt: Erst einmal gespielt. Deswegen nur vorläufige Kritik. Ich hab schon oft Spiele erst nach mehreren Runden zu schätzen oder zu nicht-schätzen gelernt, als das man das zu wichtig nehmen sollte.

Generell war es deutlich leerer als die letzten Male. Insofern wunderte ich mich etwas über den "Aussteller- und Besucherrekord", den es angeblich gegeben haben soll... naja, das ist wahrscheinlich wie mit den Arbeitslosenzahlen.

Der Highlight hat etwas gefehlt, aber es waren schon ein paar nette Spiele dabei.


Als Neuling in Essen war ich zunächst einmal begeistert von der Atmosphäre. Ich hatte nicht mit einem solchen Andrang selbst an Wochentagen gerechnet. Auch für mich persönlich kann ich eine positive Bilanz ziehen.

Da ich einen kleinen Autorentisch hatte, bin ich nicht so sehr zum Spielen gekommen. An den Ständen, die mich interessiert haben (z.B. Adlung) war teilweise ein solcher Massenauflauf, daß man kaum treten konnte. "Verräter" habe ich nach dem Lesen der Regeln ohne Probespiel mitgenommen. "In unserem Weinberg liegt ein Schatz, grabet nur danach", kann ich dazu nur mit einem Dichterwort sagen.

Ich habe mir einige der Strategie-/Taktik-Spiele angeschaut, da diese mich persönlich besonders interessieren. "Bosworth" von einem amerikanischen Verlag ist nach meiner Meinung eine fröhliche Verballhornung des Schachs und hat mir besser gefallen als einige der aufwendig gestalteten Neuheiten (Gembel, IDO).


Leider bin ich in Essen auch nicht dazu gekommen, allzu viel Neüs auszuprobieren (da der Bambus-Stand wie auch meine Go-Leidenschaft - Atari-Go gegen Shodans - doch einiges an Zeit brauchten).

Jedoch habe ich je eine Proberunde zu Verräter und Pfeffersäcke gespielt. Von beiden Spielen bin ich sehr überzeugt: sehr gute Ausstattung, sehr ansprechende Grafik und jeweils sehr gut funktionierende Mechanismen. (Ich habe natürlich je ein Exemplar mitgenommen.)

Nach den heissen Wüsten- und ägyptenspielen der letzten Zeit war wohl auch ein etwas kühleres Nanuuk! dringend notwendig. Ich habe es bislang noch nicht oft gespielt und kann daher noch nicht viel über seine Qualitäten sagen. Prinzipiell ist es jedoch ein Spiel mit "vollständiger Information", was nicht jedem, dafür aber Taktikern umso besser gefällt.

Kahuna hat ein hervorragendes Design bekommen, aber die neün Amerikana- Ikibiti-Regeln befürworte ich nicht. Günter, Deine Regeln SIND besser. Also: Nur nach Variante spielen.

Star Take war mir glatt zu komplex. (Normalerweise mag ich recht komplexe Spiele wie Civilization o.ä., aber vielleicht hatte ich einfach zuwenig Ruhe, um mich ausreichend damit zu beschäftigen.)


...hab gestern abend nochmal in ruhe das samurai zu viert gespielt. gefällt mir nach wie vor ganz gut. allerdings hatte ich das gefühl, dass man mit einer einfachen und plumpen taktik das spiel am besten gewinnen kann. die leute, die am strategischsten und auf lange sicht gespielt haben, waren am schluss klare verlierer. also mein tip, nicht zu weit ausholen.


"Samurai" ist für mich nach einmal spielen nur das schlechtere "Euphrat & Tigris". Damit ist es natürlich immer noch weit über so manchem anderen Spiel. Aber es ist einfach wesentlich statischer als das Zweistrom-Spiel.

Kann ich nur bestätigen. Nach dem gestrigen Drei-Personen-Spiel liegen die Vor- und Nachteile auf der Hand: Das Material ist sehr schön, der Spielplan mal was anderes und auch die Grundidee an sich (wenn auch aus Euphrat & Tigris abgewandelt) ist gut. Probleme bieten die starre Zugreihenfolge, hier sollte man vielleicht für jede Runde eine neü Reihenfolge "auswürfeln", da man sonst immer Plättchen für die gleichen Spieler legt (wer anfängt, verliert, würde ich sagen!). Auch das statische Spiel ist ein Problem, jeder hat nur zwei "Bewegungsmöglichkeiten", diese sind also zu selten und wenn, dann aber zu mächtig. Wir sind uns auch noch nicht im klaren, ob es besser ist, die Siegpunkte offen oder verdeckt zu halten. Einerseits dient verdeckt nur den Leuten, die gute Memoryspieler sind, andererseits machen offene Punkte die letzten Runden zu berechenbar (wenn ich jetzt das lege, dann passiert... usw.)

"Pfeffersäcke" trifft nicht ganz meinen persönlichen Geschmack, da mir zuwenig Interaktion im Spiel ist. Aber es funktioniert wohl gut. Wir haben es leider zu sechst gespielt und das ist wohl definitiv zu viel. Christwart hatte es ursprünglich nur bis 5 angegeben und auf der Packung steht auch nur empfohlen für bis 5 (Spieler, nicht Jahre!). Meine Spielrunde hat sich auch noch über die Rechnerei beschwert. Aber ich find ein paar Multiplikationen und Additionen wirklich zumutbar. Das Thema lies meine Runde an ein Handelsspiel denken. Gehandelt wird da aber nicht. Ein Taktisches Setzspiel könnte man es vielleicht nennen.

Mathematisch find ich Pfeffersäcke gar nicht, sondern richtig gut. Zu viert hatte es Dynamik und Spannung (wenn auch leider nicht für alle:). Das ist das Hauptproblem: Wer einmal einen grösseren Fehler macht, hat KEINE Chance mehr, hängt ewig zurück und verliert die Lust. Ansonsten: Spielplan wirkt zürst unübersichtlich, man gewöhnt sich aber schnell dran. Dass Frankfurt fehlt, ist natürlich unverzeihlich :) Das Material ist nett (Kontore) bis etwas lau (Geldscheine sind kaum zu unterscheiden!). Es handelt sich aber eindeutig um ein Taktikspiel und es hat gar nichts mit Handeln zu tun, bis auf den Effekt, dass die reichen Säcke (also Spieler) immer reicher werden und die Armen "abkacken", wie im richtigen Leben also :)

Ein sehr nettes Spiel, welches wir ausprobiert haben, ist EUROPA 1945-2030 von EUROGAMES. Von der Aufmachung miserabel, bietet es allerdings ein lustiges Spielprinzip, ohne politisch korrekt zu sein :). Es hat natürlich auch ein paar Mängel (letzte Runde sehr lang, viele Berechnungen), bietet dafür aber Interaktion und Verhandlungen pur, ein echtes Diplomacy für das nächste Jahrtausend. Dann verzeiht man auch die Fuddelarbeit mit den 1000 Materialien, die beigelegt wurden, wobei die Idee, historische Abdeckteile für den Spielplan zu verwenden, okay ist (UdSSR wird 1989 zu 20+ Staaten).

Meine bisherigen Bewertungen (Skala bis 100%)
Samurai, 2 Personen 50%
Samurai, 3 Personen 60%
Europa 1945-2030, 4 Personen 70%
Pfeffersäcke, 4 Personen 75%

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