Dieser Messebericht von Edwin Ruschitzka erschien in Heft 1/98 der spielbox (zusammen mit vielen Fotos von der Messe). Danke an die Redaktion für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung auf KMWs Spielpl@tz!.
Die gute Nachricht zuerst: Es wird weitergespielt, und das unter Volldampf. Wer nämlich geglaubt hatte, es würden auf der 49. Spielwarenmesse im vergrößerten und neu strukturierten Messezentrum in Nürnberg weniger Spiele präsentiert werden, bedingt durch Aufkäufe und Zusammenschlüsse, der sah sich getäuscht. Man hat wieder die Qual der Wahl zwischen großen und kleinen Kisten, aber auch zwischen großem und kleinem Inhalt. Die Schlagworte der Messe heißen Umbruch, Aufbruch - aber auch Abbruch.
Ein absoluter Überflieger, Marke "Siedler", ist beim ersten, und - zugegeben - nur oberflächlichen Messe-Rundgang nicht aufgefallen. Dafür jede Menge optisch überaus gelungene Neuheiten, die schon vom Hörensagen oder Anspielen inhaltlich einiges versprechen. Namen wie ASS und Blatz tauchen nicht mehr auf, auch MB, Parker, Mattel oder Noris verabschieden sich langsam aber sicher aus der Sparte für anspruchsvolle Familien- oder Erwachsenenspiele. Dafür stellten Queen-Games und Kosmos gleich jeweils sechs Neuheiten vor. Und mit Relaxx tauchte sogar ein neuer Verlag auf, hinter dem der alte Fuchs Roland Siegers steht.
Schon der obligatorische Pressetalk von Hasbro (MB, Parker usw.) am Vorabend der Messe machte deutlich: Der amerikanische Gigant vertraut fast nur noch auf Klassiker wie "Trivial Pursuit", "Monopoly" in Starwars und Fußball-Varianten, vor allem aber auf die 3D-Puzzles. "Lionheart" (auf Deutsch "Löwenherz") heißt die Neuheit von Parker, mit viel Plastik und einer Mischung aus "Schach" und "Risiko". In "Vorsicht Fälschung!" bei MB macht man sich auf Gemälden, Fotos und in Filmszenen auf die Suche nach dem kleinen Unterschied zwischen Original und Fälschung. Jüngstes Objekt der Puzzle-Begierde soll die Titanic sein, die gerade auf allen Leinwänden in eiskalten Fluten versinkt. Bei den Puzzle-Absatzzahlen, die Hasbro schreibt, ist das aber sicher kein Omen für den bevorstehenden Untergang von Puzz 3D. Auch unser aller Bundeskanzler Helmut Kohl gibt es jetzt als dreidimensionalen und innen hohlen Puzzle-Kopf. Das Unikat soll später für einen guten Zweck versteigert werden. "Wohl zugunsten der FDP" bemerkte ein Journalist halb- und vorlaut und hatte die Lacher auf seiner Seite. Daß Hasbro ausgerechnet im wichtigen Wahljahr 1998 so eindeutige Werbung für das schwarze Schwergewicht aus Oggersheim betreibt, stimmt dann doch nachdenklich.
Von Statistiken und Trends mag jeder halten, was er will. An einem ist auch Hasbro nicht vorbeigekommen: Die "Siedler" führen als Topseller die Hitparade der im vergangenen Jahr verkauften Spiele an, gefolgt von "Tabu", "Monopoly" und seinen Ablegern. Auf Platz vier schippert dann schon die "Mississippi-Queen" dem Führungstrio hinterher. Den größten Teil vom Kuchen auf dem Spiele- und Puzzlemarkt will Hasbro mit 31 Prozent behalten haben, gefolgt von Ravensburger (20 Prozent) und - da schau' her - dem kleinen Stuttgarter Kosmos-Verlag (8 Prozent). Den "Siedlern" sei Dank, Schmidt-Spiele mit nur noch 7 Prozent wurde überholt.
Pressekonferenzen bestimmten den ersten Messetag. Im Umbruch befindet sich der Ravensburger-Konzern. So präsentierten sich die Oberschwaben erstmals auf einem Stand zusammen mit der Tochter F.X. Schmid. Produktbereinigung heißt das Zauberwort der nächsten Jahre. Ravensburger will die Segmente Kinder- und Familienspiele sowie die "Think"-Reihe behalten. Die Erwachsenen- und Kartenspiele werden an FX abgetreten. Wofür ein nagelneues FX-Logo entworfen wurde. Weil das Konzept erst 1999/2000 abgeschlossen sein soll, wird es noch in diesem Jahr Überschneidungen und auch Irritationen geben. So erscheinen die kleinen Ravensburger-Kartenspiele wie "Hol's der Geier", "Kuhhandel" oder "For Sale" fortan in der bekannten und größeren FX-Kartenkiste. Die Folge dieses Wechsels: Die tupfengleichen Spiele kosten nicht mehr 14.95 wie zuvor, sondern satte 19.95 Mark. Zumindest bei Horten in Ulm. Und dort liegen das große und kleine "Kuhhandel" beispielsweise in friedlicher Eintracht und zu unterschiedlichen Preisen gleich nebeneinander. Wofür Ravensburger nichts kann, wohl aber für den satten Aufschlag für ein und dasselbe Spiel.
Auf die Frage, warum man die FX-Kartenspiele künftig nicht in die kleinere Ravensburger-Kartenschachtel packen und kostengünstiger verkaufen will, gab's die wenig erhellende Auskunft: "Die kauft dann keiner." Sei's drum. Vielleicht braucht die Firma das Geld für den neuen 23 Hektar großen Spielepark zwischen Meckenbeuren und Liebenau, der am 4. April dieses Jahres öffnen wird. Das 98er Budget für das "größte Spiel- und Spaßzimmer der Welt": rund 47 Millionen Mark. Da wird im Süddeutschen nur das bei Günzburg geplante deutsche Lego-Land mithalten können, als Projekt fürs neue Jahrtausend geplant. Apropos Lego: Auch die waren mit einem Brettspiel und dreidimensionalen Puzzles als später zu gebrauchende Spielelandschaft auf der Messe präsent. Doch zurück zu Ravensburger.
Preispolitik ist die eine, gute Spiele die andere Sache. Und da befindet sich der jahrelang kränkelnde Patient mit dem blauen Dreieck eindeutig auf dem Weg der Besserung: "Magalon" von Wolfgang Kramer, ein opulent ausgestattetes und mit 70 Mark überteures Strategiespiel, ist das Flaggschiff, bei dem "El Grande"- und "Malefiz"-Anteile nicht zu übersehen sind. Was bei "Tonga Bonga" von Stefan Dorra auffällt, ist der überaus pfiffige Mechanismus, mit dem vier Schiffe auf ihrer Isel-Rundreise in der Südsee vorangetrieben werden. "Lotus" von Dominique Tellier, ein abstraktes Taktikspiel, erinnert ein wenig an "Focus". Auch die "Think"-Reihe wird mit "Namen & Gesichter" sowie mit "Mind Gym" als CD-Rom-Spiel fortgesetzt. Auch dreidimensionale Puzzles sind im Angebot, aber welche, die im Dunkeln leuchten. Und mit 12 000 Teilen hat Ravensburger das größte Puzzle überhaupt: 6,5 Kilogramm schwer, 30 Mark pro Kilo, also knapp unter 200 Mark.
Noch unter alten Logo erscheinen einige FX-Neuheiten. Vielversprechend klingt "Basari" von Reinhard Staupe. Titel und Schachtelcover erinnern stark an Sid Sackson "Bazaar", der Inhalt dieses Bluff- und Feilschspiels hat mit dem Sackson-Klassiker dann aber doch wenig gemein. "Zoff in Buffallo" (Christward Conrad) ist das zweite große Spiel, in dem winzigkleine Kuh-Papp-Plättchen auf verschiedenen Weiden verteilt werden. Dazu gibt es noch den "Activtiy"-Ableger "Mr. Beans Party-Spiel" und ein langatmiges Bluffspiel "Denkste!" von Gerhard Wieser. Die FX-Kartenspielreihe wird mit "Pepper" (Michael Kiesling/Wolfgang Kramer), "Dumm gelaufen!" (Hajo Bücken/Dirk Hanneforth), "Lucky Five" (Heinz Meister) und "Alles futsch" (Neuling Hermann Huth) fortgesetzt.
Unter dem modernen FX-Logo wird es die fünf alten Bekannten "Haste Worte?", "Bluff", "Party Time", "Personality" und "Nobody is perfect" geben. Neu ist das Würfelspiel "Gambler", als "Sharp Shooter" schon bei MB in den USA herausgekommen. "Tres" ist ein Schiebespiel mit runden Scheiben, und das bekannte Wortspiel "Rondo" war 1997 noch bei Schmidt-Spiele vertreten. Was auch bei dieser neuen FX-Reihe auffällt: Die Spiele sind mit 50 bis 80 Mark zu teuer.
Daß das Dreiecksverhältnis zwischen ASS, Blatz und Schmidt noch nicht rundläuft, daß sich auch hier vieles im Umbruch befindet, zeigen die Neuheiten, die nur noch unter dem Schmidt-Spiele-Logo erscheinen. In wenigen Monaten, so pries Gabriele Salomon die Aktivitäten, habe man "ein stimmiges Programm" entwickelt. Das Handelsspiel "Die Seidenstraße" (Hartmut Kommerell) erinnert vom Outfit her noch stark an die Blatz-Serie, dazu erscheint mit "Tactix" das alte "Duell" von Parker neu. Vielversprechend ist "G.I.P.F.", ein nüchternes Taktikspiel, das Erfinder Kris Burm schon in Essen im Eigenverlag vorgestellt hat. Im Vertrieb der neuen Schmidt-Gruppe sind auch die beiden Neuheiten aus dem Hause Hans im Glück: "Cheops" von Klaus Paal, ein Handelspiel, und "Freibeuter" von Reiner Stockhausen, ein eher abstraktes Strategiespiel mit etwas aufgesetztem Piraten-Thema. Die Hans im Glück-Spiele erscheinen übrigens in einem neuen quadratischem Format.
Klar war, daß Goldsieber im Jahr eins nach dem Abgang der TM-Gruppe unter Einzelkämpfer Joe Nikisch nicht wieder Spiele in zweistelliger Zahl auf den Markt werfen wird. Sieben Neuheiten sind es heuer, darunter mit "The Black Rose" eine dem ersten Eindruck nach kropfüberflüssige Erweiterung der "Mississippi-Queen". Der Rest kann sich aber sehen lassen, und das im wahrsten Sinn des Wortes: Franz Vohwinkel hat mit "Edison & Co" von Günter Burkhardt und "Fossil" von Klaus Palesch zwei wunderschöne Grafiken abgeliefert. Kein Wunder, daß diese beiden Kisten beim Goldsieber-Spieleabend im Dauereinsatz waren. Die spielerische Substanz, und das war gleich von vielen zu hören, hält nicht ganz, was die anmachende Grafik verspricht. Auch "IDO" von Bernhard Weber, ein futuristisch aussehendes Taktikspiel, scheint eher zu zweit als zu viert Spannung zu verbreiten. Die kleinen Kartenspiele "Grusel-Wusel" (Oliver Igelhaut) und "Katzenjammer-Blues" (Reiner Knizia) sowie das Maxi in der Minibox "Der kleine Riese Kasimir" (Rüdiger Dorn) komplettieren das Goldsieber-Programm.
Billige Mitbringspiele hat das Goldsieber-Stammhaus Simba im Programm. Wer dahinter aber "Mensch ärgere Dich nicht" oder ähnliches vermutet, wird überrascht. Es sind allesamt Autorenspiele, die früher in anderen Verlagen erschienen und sogar ausgezeichnet wurden: Hinter "Monsterfressen" steckt Alex Randolphs "Die heiße Schlacht am kalten Büffet", immerhin ein Auswahllistenspiel aus dem Hause Ravensburger. Von dort stammt mit "Trödeln" auch das ehemalige "Ausbrecher AG" (Hajo Bücken). Die restlichen Billig-Simbas zum Preis von 7.95 Mark: Roland Siegers "Schnitzeljagd" (ehemals "Das glorreiche Mannöver", Schmidt), Reinhold Wittigs "Rummel Bummel" ("Klein Tivoli", Perlhuhn), Franz Josef Lammingers "Wer hat die Kokosnuß?" ("Coconuts", FX Schmid) und Wolfgang Riedessers "Schabernack" ("Wie Du mir", Schmidt).
Kosmos schlägt zu, und das nicht nur mit "Siedler"-Erweiterungen. Obwohl es davon auch wieder eine gibt: In "Städte und Ritter" verknüpft Klaus Teuber Elemente aus dem Karten- mit dem Brettspiel. Herausgekommen ist ein wirklich spannendes Spiel, das schon mal drei Stunden und mehr dauern kann. Die Erweiterung soll der Abschluß der "Siedler"-Saga sein und ist für drei und vier Spieler gedacht. Dazu wird gleichzeitig eine weitere, in Folie eingeschweißte Ergänzung für fünf und sechs Spieler angeboten. Das Kosmos-Flaggschiff heißt "Durch die Wüste" von Reiner Knizia und ist ein taktisches Karawanen-Rennen zu Oasen und Wasserlöchern. Das als "ungewöhnlicher Knizia" angekündigte Spiel scheint dennoch recht mathematisch zu sein. Hinter dem "Wettstreit der Baumeister" steckt Jean du Poels "Teutopolis", dann gibt es noch "Wörtersee", ein einfaches Buchstaben-Spiel von Manfred Ludwig, sowie das Familienspiel "Kraut & Rüben" von Gerd Fenchel. Die Reihe der Zweier-Kartenspiele wird mit der Fußball-Simulation "Finale" (Oliver Abendroth) fortgesetzt, mit wahrlich keinem grafischen Meisterwerk.
Die TM-Redaktion, für das Kosmos- und Klee-Programm verantwortlich, erscheint nach langer Pause wieder mit einem Spiel unter eigenem, neuen Logo: Wiederaufgelegt wurde "Minister" von Rudi Hoffmann. Das Würfelspiel, in den 70er Jahren bei Pelikan erschienen und ein heißbegehrtes Sammler-Schnäppchen, kommt in einer Art Buchkassette heraus. Von Rudi Hoffmann stammt auch "Fröscheln" unter dem Klee-Logo. Auch dieses Frosch-Wettrennen ist eine Wiederauflage von "Numeri" aus den 70ern. Bei Klee werden noch drei Autoren-Mitbringspiele verlegt: "Zocken" von TMler Peter Neugebauer, "Rockets" (Chris Baylis) und "Dummy" (Dario de Tofoli und Leo Colovini). Recht kurzweilig scheint ein Spiel mit magnetischen Buchstaben-Scheiben zu sein: "Wordspinn" wurde 1995 in den USA als "Bestes Denkspiel", aber auch in Kanada und in England ausgezeichnet.
Klein und fein ist das 98er Amigo-Programm: Hier warten viele sehnsüchtig auf "Elfenland", dem ehemaligen in einer White-Wind-Kleinstauflage erschienenen "Elfenroads" von Alan R. Moon. Das ursprünglich zweieinhalb Stunden lange Spiel soll deutlich abgespeckt worden sein, die wunderschöne Grafik stammt allerdings wieder von Doris Matthäus. Kurzweilig ist der Zocker-Knizia "Exxtra", und etwas an "Uno" erinnert "Yoyo" von Hanno und Wilfried Kuhn. Neu bei Amigo befinden sich die AD&D-Rollenspiele (Advanced Dungeos & Dragons).
Queen überrascht in diesem Jahr gleich mit zwei großen Brett- und vier Kartenspielen. Nach dem Erfolg von "Showmanager" wurden zwei weitere db-Spiele von Dirk Henn eingekauft: "Carat" und "Al Capone", letzteres erscheint aber als "Peanuts" mit ganz anderem Thema. Ein guter, alter Bekannter ist auch die Neuauflage von Reiner Knizias "Res Publica". Echte Neuheiten sind dagegen drei kleinere Kartenspiele: das satirische "Putsch" von Heiko Wiese, "Der dreizehnte Holzwurm" von Wolfgang Kramer und Michael Kiesling sowie "Schnäppchen-Jagd" von Uwe Rosenberg, der uns schon mit "Bohnanza" so angenehm überrascht hat.
Auch die kleinen Verlage, deren Stunde eigentlich immer erst im Herbst zur Essen-Messe schlägt, schwimmen diesmal im Teich der großen Fische mit. Da fiel natürlich zu allererst der neue Relaxx-Verlag von Roland Siegers (zuvor Schmidt und andere) sowie Frank Hegewald (zuvor Mattel) auf, den Erwin Kozab (früher ASS, jetzt EKOS) im Vertrieb hat. Ob allerdings das an "Stratego" erinnernde "Waterloo", übrigens von Siegers selbst, ein großer Wurf wird, bleibt abzuwarten. Von Sid Sackson stammt "Business", ein Wirtschaftsspiel mit Elementen aus "Bazaar". Im Relaxx-Programm befinden sich zudem noch Merchandising-Spiele der Sesamstraße.
EKOS hat auch weitere Einzelkämpfer unter Vertrag. Zum Beispiel die neuen Drei-Magier-Spiele "Input" von Sepp Edelbert Wiedmann, in dem Zahlen aus langen, schrägen oder halbrunden Einzelteilen nachgelegt werden, aber auch "Ziff-Zoff", ein ganz einfaches Bluff-Rennspiel von Jacques Zeimet. Von den Theta-Minis "Bowler" und "Money" standen noch nicht einmal die Regeln fest. In neuer Aufmachung ist auch das aus Essen bekannte schnelle Kartenspiel "Zamix" erschienen. Zoch vertraut weiter dem Vertrieb des Heidelberger Spieleverlags, hatte aber in Nürnberg nur ein aufwendig gemachtes Kinderspiel "Zicke Zacke Hühnerkacke" neu im Programm. Heidelberger selbst will mit "Arabana Ikibiti" von Günter Cornett wieder aktiv werden. Das im Bambus-Verlag handgemachte und mit viel Lorbeeren bedachte Spiel soll professionell produziert werden. Erste Grafik-Entwürfe lassen aber nichts Gutes erwarten. Das von Harald Bilz gezeigte Schachtelcover war potthäßlich.
Im Programm der Berliner Spielkarten sind zwei neue Kartenspiele zu finden: "Blindes Huhn" von Michael Schacht, ein recht simples Stichspiel, bei dem die eingangs gesteckte Reihenfolge der Handkarten nicht verändert werden darf und man die Karten von der linken oder rechten Seite zieht und abspielt. Dazu noch "David & Goliath", ein schon komplexeres Stichspiel von Reinhard Staupe. Staupe selbst läßt über die Berliner Spielkarten auch drei Kartenspiele im Eigenverlag vertreiben: "Kommando", "Die Bombe" und "Merlin", eine Junior-Variante des Hirnverzwirners "Ikarus".
Nach "Canyon" in Essen präsentierte Abacus mit einem Boule fürs Wohnzimmer wieder ein großes Geschicklichkeitsspiel: Dem "Husaren-Golf" folgt "Bretonen-Boule" von Franz Josef Lamminger. Mit Sand gefüllte und deswegen recht träge Tischtennisbälle werden wie im Boule in die Nähe eines kleinen Chips geworfen, der sich auf einer schiefen Ebene befindet. Schnell hatte dieser Spaß seinen Spitzenamen weg: "Beamten-Boule". Mal sehen unter welchem Titel es wirklich erscheint.
Auch europaweit agierende ausländische Verlage bringen Spiele mit deutschen Regeln heraus. Piatnik hat die "Activity"-Reihe mit ""Activity Connection" erweitert. Hauptsächlich auf Würfel wird in den beiden großen Neuheiten "Himalaya" (Günter Burkhardt) und "Der Schatz der Erdgeister" (Rüdiger Dorn) vertraut. Martin Schlegel ist mit "Verflixt und zugenäht" sowie "Nuts" präsent, selbst Reiner Knizia war sich für ein kleines, taktisches Kinderlaufspiel "Honeybears" nicht zu schade. Die Eurogames-Neuheit ist eine Übersetzung des zeitraubenden Freakspiels "Hannibal". Editrice Giochi (eg) hat "Jump" von Wolfgang Kramer und Michael Kiesling im Programm, ein Spiel um Fallschirmspringer, das von der Grafik und vom Material her ausnehmend häßlich ist. Wolfgang Kramer hat bei Clementoni zudem eine Art "Deutschland-Reise" mit Memory-Elementen untergebracht: "Über den Wolken" heißt sie. Und bei Jumbo, dem holländischen Großverlag, fällt neben einer "Rummikub"-Erweiterung für fünf und sechs Personen vor allem "Tycoon", ein Wirtschaftsspiel von Wolfgang Kramer und Reiner Rösner, auf. Dazu gibt es eine neugestaltete Reihe After-Dinner-Games mit Party- und Quizspielen, beispielweise dem "Kampf der Geschlechter", aber auch drei kleinere Kartenspiele "Grand Prix", "Crazy Harry" und "Ohio", letzteres von Reiner Knizia. Auch Herder ist mit einem kooperativen Spiel aktiv: "Piratennest" von Wolfgang Kramer.
Wer jetzt den Eindruck gewonnen hat, der schwäbische Tüftler aus Korntal bei Stuttgart sei in diesem Jahr der meistbeschäftigste Autor, liegt daneben. Wolfgang Kramer, teilweise zusammen mit Co-Autoren, steht mit sieben Spielen vor Reinhard Staupe mit sechs Neuheiten nur auf Platz zwei. Unangefochtener Spitzenreiter in Nürnberg war Reiner Knizia mit insgesamt elf Neuheiten. Dafür gab's heuer nur einen Stefan Dorra, einen Klaus Teuber und keinen Alex Randolph. Was besonders positiv auffällt: Neben den beiden vielbeschäftigten alten Hasen Knizia und Kramer gibt es eine ganze Reihe von neuen Autoren, die noch unbekannt sind: Namen wie Igelhaut, Fenchel, Abendroth, Paal, Kommerell oder Stockhausen zeigen, daß es noch genügend Nachwuchs gibt. Und das stimmt einen Kritiker hoffnungsfroh.
Edwin Ruschitzka