Selten waren wir so gut auf die Messe vorbereitet. Bereits im Vorfeld hatten wir fast alle Informationen über die zu erwartenden Neuerscheinungen zusammengetragen. So konnten wir unsere (inzwischen ergänzte und korrigierte) Neuheiten-Tabelle als Checkliste mit auf die Messe nehmen. Andere Journalisten wußten diesen Vorteil ebenfalls zu nutzen.
Eine Messe bietet auch immer die Gelegenheit, viele Leute, die man sonst nur per eMail kennt, mal persönlich kennenzulernen. Wir begegneten Karin Hallebeek, Annemette Wulf, Mik Svellov, Erwin Broens, Gerard Mulder, Alan Moon, Leo Colovini, Thorsten Loepmann, Andreas Wetter und vielen anderen, die wir schon von früheren Messen kannten. Leider reichte die Zeit immer nur für einen sehr kurzen Gedankenaustausch.
Per Zufall wurden wir Zeuge der einzigen Spiele-Preisverleihung auf der Messe. Die Zeitschrift "Fairplay" zeichnet alljährlich das beste Kartenspiel des Jahres aus. 1999 fiel dieser Preis an Verräter von Marcel-André Casasola-Merkle (Mitte), herausgegeben von Karsten Adlung (links).
Eine Messe-Vorschau hat leider auch Nachteile. Manches, was angekündigt wurde, kommt erst später, manches auch gar nicht. Oder es wird umgenannt. Goldsiebers Tschurunga (von Alan Moon) heißt nun endgültig Wongar. Jumbos Stratego Star Wars kommt nicht ins Programm. Und Queen bringt von den 8 angekündigten Neuheiten zunächst nur 5.
Bleiben wir bei Queen. Gemeinsam mit Franz Vohwinkel hat man sich ein neues Schachtelkonzept ausgedacht. Die Idee gab's zuvor bereits bei alea: Das Cover wird um die Seiten der Schachtel herumgezogen. Bei Queen wurde diese Idee auf die Spitze getrieben: Wer drei Exemplare eines Spiels kauft, kann Vorderseite und linke und rechte Schmalseite zu einem Triptychon zusammenbauen. Aber wer kauft ein Spiel schon dreimal?
Auf der Messe gab's nur Prototypen der Spiele zu sehen (im Bild Metro, die Queen-Version von Dirk Henns Iron Horse). Im März jedoch sollen alle Spiele fertig sein. Der Erscheinungstermin von Danger, Don und Quin wurde auf den Sommer verschoben. Diese Spiele werden wir dann in Essen als Neuheiten melden können.
Danger übrigens stammt von Thorsten Löpmann und Andreas Wetter, die auf der Messe eigentlich ihr Debüt als Spieleautoren geben wollten. Doch die beiden waren - ohne eigenes Verschulden - vom Pech verfolgt. Ihr San Francisco (Amigo) wird wegen massiver Probleme mit der Grafik ebenfalls erst im Sommer erscheinen - dann in völlig neuer Gestaltung.
Kosmos ist immer einen Besuch wert. Dachten wir und machten vor der Messe einen Termin aus. Wir waren überpünktlich am Stand und warteten dann 55 Minuten auf unseren Gesprächspartner. Schließlich haben wir uns entnervt auf den Weg zum nächsten Verlag gemacht, wo die Terminabsprache dann - wie bei allen anderen auch - funktionierte. Immerhin haben wir die Wartezeit für ein paar Fotos genutzt. Sollte es Neues zu berichten geben, wird uns das Material - hoffentlich! - auf dem Postweg erreichen.
Immerhin fanden wir am Kosmos-Stand ein neues Knizia-Spiel mit dem Titel Der Herr der Ringe. Außer der Schachtel gab's noch nichts zu sehen. Im Hinblick auf die neue Verfilmung des Themas hat sich Kosmos die Lizenzrechte gesichert.
Vielversprechend sieht Gerd Fenchels La Città aus: Die Spieler erreichten Städte in der Toscana, bauen sie aus und sorgen dafür, daß es den Bewohnern an nichts mangelt. Thematisch erinnert La Città an das PC-Spiel Die Siedler. Die Spieldauer wird je nach Spielerzahl mit "bis 150 Minuten" angegeben.

Das TM-Spiel Der weiße Lotus:


In der von der Zeitschrift "SPIELZEUG international" herausgegebenen Liste Top-Seller 1999 sind Die Siedler von Catan übrigens vom Spitzenplatz auf Platz 5 zurückgefallen. Die Liste berücksichtigt Spiele und Spielzeug. Ganze 4 Spiele schafften den Weg in die Top-20. Die anderen Titel: Tabu (9), Tikal (12), Städte und Ritter (19). Auf Platz 1 liegt "Baby Born" gefolgt von "Furby".
Hasbro führt Avalon Hill als Brettspielmarke in Deutschland ein (auch Parker und MB gehören zu Hasbro). Als erste Titel stehen Acquire und Diplomacy auf dem Programm. Das Spielprinzip von Acquire blieb unverändert. Allerdings werden jetzt keine Hotels mehr gebaut, sondern Firmen gegründet. Das Design ist gewöhnungsbedürftig, der Preis wird manchen Käufer abschrecken. Die Spiele werden erst im Juli/August im Handel sein.


Hans im Glück präsentierte Morgenland, eine überarbeitete Version von Keydom. Und Ohne Furcht und Adel konnten wir bereits anspielen. Nach dem Pressetext hatten wir große Ähnlichkeit mit dem alten EON-Spiel Hoax (neu als Die Erben von Hoax im Spielzeit!-Verlag) vermutet. Das Probespiel belehrte uns eines besseren. Und weckte Begeisterung!


Winning Moves hat noch mehr als die beiden bisher bekannten Neuheiten anzubieten. Die vollständige Neuheiten-Übersicht finden Sie in unserer Tabelle. Besondere Erwähnung verdient Monopoly - Das Kartenspiel. Monopoly-Hasser sollten trotzdem weiterlesen, denn mit dem Klassiker hat dieses Kartenspiel nur das Thema gemeinsam. Das Spiel selbst (erdacht von Phil Orbanes) verläuft völlig anders. Selbst Alex Randolph, der Monopoly wenig abgewinnen kann, zeigte sich begeistert.
Schnell reagiert hat der Verlag übrigens auf die in unserer Rezension von Carolus Magnus genannten kleineren Regelmängel. Zur Messe wurde bereits eine überarbeitete Spielanleitung präsentiert!
Jumbo's Schnellschuß Big Brother, das Spiel zur RTLII-Fernsehserie, das erst nach Drucklegung des Katalogs ins Programm aufgenommen wurde, ist keine Neuentwicklung, sondern vielmehr ein "verschärftes Black Box", das vor Jahren schon mal bei Jumbo im Programm war.
Ebenfalls über Jumbo (allerdings nur die holländische Mutterfirma) vertrieben wird The Stone, ein Denkspiel, das weltweit via Internet gespielt wird. Wer teilnehmen möchte, kauft sich ein Amulett, das einen persönlichen Code enthält. Wer übers Netz seinen Spielpartner findet, kann Erfahrungen austauschen. Sollte jemand auf diesem Weg Lösungen verraten, wird der Eintrag sofort gelöscht. Wir werden uns noch intensiver damit beschäftigen.
Abschließend noch ein Blick auf Alan Moons und Richard Borgs Spiel Wongar bei Goldsieber, das ursprünglich Tschurunga heißen sollte.
Dies ist bei weitem kein vollständiger Messebericht. Den werden Sie in der nächsten Ausgabe der spielbox lesen können. Wir haben hier lediglich ein paar Highlights herausgepickt.
In den nächsten Wochen und Monaten werden die neuen Spiele nach und nach bei uns eintreffen und darauf warten, gespielt zu werden. Sie werden auf dieser Site dann mehr darüber lesen.
KMW