Spielbesprechung
Folgen Sie mir heute Nacht auf eine Vampirjagd. Beim Kartenspiel Vampir von Reiner Knizia gilt es möglichst viele Vampire einer Art zu jagen (sammeln).
Es gibt sechs verschiedene Farben im Spiel. Jedem
Ort ist eine Farbe zugeordnet. Auch sind einige Joker im Spiel.
Zu Beginn erhält jeder Spieler vier Karten auf die Hand.
Im Spiel darf man zwei neue Karten vom Stapel ziehen und
muß dann eine seiner Handkarten an einen der sechs Orte
in der Tischmitte ablegen oder eine Jagd veranstalten. Dazu
später mehr. Die andere Möglichkeit ist es, alle
ausliegenden Karten von einem Ort in der Tischmitte aufzunehmen
und dann eine Jagd zu veranstalten. Mit Jagd ist gemeint, alle
Karten einer Farbe vor sich abzulegen. Auf jede Vampirfarbe
darf jeder Spieler nur eine Jagd während des ganzes
Spieles veranstalten. Somit sind nach einer Jagd entsprechende
Karten auf der Hand nicht mehr viel Wert. Leider haben sie aber
einen hohen Wert für die Mitspieler und man muß sich
gut überlegen welche Karten man in die Tischmitte
legt.
Das ganze Spiel über bleibt es spannend welche Entscheidungen man treffen soll. Wer lange mit dem rauslegen (Jagd) wartet, kann viele Punkte machen, hat aber auch das Risiko weniger Karten sammeln zu können. Das Spiel endet wenn der Kartenstapel aufgebraucht ist oder ein Spieler sechs verschiedene Jagden veranstaltet hat. Knizia hat hier wieder einen interessanten Spielmechanismus entwickelt, um die eine schöne Spielgeschichte kreiert wurde. Bei drei Spielern hängt das Spiel, vier, am besten fünf Spieler sollten teilnehmen. Dann kommt das Spiel richtig in Fahrt. Eine Möglichkeit zu gewinnen ist es, möglichst schnell von allen sechs Farben mindestens drei Karten vor sich abzulegen. So hat man zwar kleine Werte einer Farbe, dafür aber dies sechsmal. Vampir ist sehr gut geeignet mehrere Partien zu spielen, was in den Regeln auch vorgeschlagen wird.
Vampir von Goldsieber für drei bis fünf Spieler ab zehn Jahren, 15 min., 13 DM
Spielidee *****
Anleitung *****
Glücksfaktor ***
Spielmaterial *****
Unterhaltungswert ****
Tara Tobias Moritzen
Stefan Olschewski <magicsteve@web.de> 20.12.2000 09:56:
VAMPIR - ein zweischneidiger Zahn
Ich bitte das Wortspiel in der Überschrift zu entschuldigen, aber es ist schon interessant zu beobachten, wie weit die Meinungen über ein kleines, einfaches Kartenspiel auseinander gehen können. Da heißt es zum Beispiel: "Knizia hat hier wieder einen interessanten Spielmechanismus entwickelt, um den eine schöne Spielgeschichte kreiert wurde" (Tara Tobias Moritzen), was nun überhaupt nicht zu folgender Aussage paßt: "Selbst in Transsylvanien [...] kann es nie so langweilig sein, dass es irgendeinen Grund gäbe, zu diesem Spiel zu greifen" (Nicola Balkenhol).
Natürlich ist es schwierig, objektive Bewertungskriterien für ein Spiel zu finden und eine Kritik zeichnet sich nun einmal dadurch aus, dass sie auch die subjektive Meinung des Rezensenten ausdrückt. Dem armen gebeutelten Spieler nutzt das allerdings recht wenig. Schauen wir uns das Spiel also noch einmal etwas genauer an.
Der Mechanismus:
Der Ablauf ist schnell erklärt, einfach und einleuchtend. 2 Karten ziehen, eine davon in die offene Auslage legen oder eine Jagd veranstalten, also mindestens drei Karten einer Farbe vor sich ablegen.
Oder eine der sechs offenen Kartenreihen nehmen, eventuell noch eigene Handkarten hinzufügen und damit eine Jagd veranstalten.
Alles in allem wirkt das wie eine sehr abgespeckte Rommeevariante, was in unserer Runde der erste Kommentar zu dem Spiel war. Daher ist der Mechanismus zwar interessant, aber auch bekannt und nicht sonderlich originell. Die Originalität bringt wie so oft bei Knizia die Schlußwertung, auf die man ständig hinarbeitet. Der Spieler, der am wenigsten Karten einer Farbe ausliegen hat, verliert diese am Ende ganz und hat umsonst gesammelt.
Das Spiel geht so schnell vorbei, dass man von Anfang an auf der Hut sein muß, möglichst schnell eine Jagd veranstalten muß und vor allem immer die Karten der Mitspieler im Auge haben sollte, denn wenn der erste Spieler Jagden in allen sechs Farben veranstaltet hat, ist das Spiel zu ende und die längste Kartenreihe, die man noch auf der Hand hat, nutzt gar nichts mehr. Alternativ endet das Spiel, wenn der Nachziehstapel aufgebraucht ist, was ebenfalls sehr schnell geschieht. Zeitnot und Abrechnung sind die Elemente, die VAMPIR die passende (Knoblauch-) Würze geben.
Das Design:
Für den Kauf ausschlaggebend ist aber meist die optische Aufmachung, und da scheint auf den ersten Blick wirklich alles zu stimmen. Düster und geheimnisvoll gehalten sind die kleinen Kunstwerke Franz Vohwinkels. Dennoch scheint das Thema ein wenig aufgesetzt, der abstrakte Mechanismus hätte genausogut mit Zahlenkarten in sechs Farben funktioniert. Trotzdem: das Konzept der sechs Orte, an denen sich die Vampire tummeln motiviert die Auslage von Reihen und schafft Übersicht auf dem Spieltisch, eine eigene Auslage mit Vampirkarten kann durchaus als Jagd durchgehen, weil man ja tatsächlich an einem der Orte Vampire (gefangen-) nimmt.
Das Fazit:
Tja, jetzt ist das doch wieder ein ziemlich subjektiver Beitrag geworden. Aber vielleicht ist das auch ganz gut so. Je mehr (auch unterschiedliche) Meinungen es gibt, um so mehr kann ein potentieller Spieler über das Spiel an sich erfahren, Bilder des Materials sorgen für einen ersten Eindruck und die verschiedenen Beschreibungen des Ablaufs bringen doch immer wieder neue Einsichten. Und gerade bei diesem Kartenspiel ist die Kaufempfehlung am Ende leicht auszusprechen:
Es kostet nur etwa 13 Mark, also keine Unsumme, die bei Nichtgefallen in den Wind geschossen wäre. Wer Spiele mag, bei denen Karten gesammelt werden müssen, dem aber gewöhnliche Zahlenkarten zu langweilig sind, sollte sich VAMPIR auf jeden Fall einmal ansehen.
Reiner Knizia präsentiert hier kein bahnbrechend neues Spielprinzip, aber immerhin ein einfaches, schnelles, grafisch überzeugendes Kartenspiel, an dem auch Gelegenheitsspieler Spaß finden können.